Wieder keine »Schwarze Null« - Antifa - VVN-BdA

AUS DEM VERBAND
VO M R H E I N ZU R O D E R
Schreiben der VVN-BdA an den Botschafter der Russischen Föderation in Berlin
Protest gegen »Russisch-Internationales Konservatives Forum«
Anlässlich einer Veranstaltung des »Russisch-Internationalen
Konservativen Forums« am 22. März in St. Petersburg wandte
sich die VVN-BdA an den Botschafter der Russischen Föderation. Sie protestierte dagegen, dass dort zahlreichen führenden
Rechtsextremisten Europas, u. a. dem NPD-Politiker Udo Voigt,
ein Forum geboten wurde.
Das Schreiben im Wortlaut:
»Sehr geehrter Herr Botschafter, die
VVN-BdA bereitet sich mit großem
Engagement auf den 70. Jahrestag
der Befreiung vom Faschismus am
8. und 9. Mai 1945 vor. Unsere
Vertreter nahmen am 28. und 29.
März an einer aus diesem Anlass
von der ›Russischen Union der Veteranen‹ und des Komitees ›Sieg‹ in
Moskau organisierten Tagung teil,
der auch der Chef der russischen
Präsidialverwaltung beiwohnte.
Alle Antifaschistinnen und Antifaschisten in Europa sind in großer
Ausstellung: »Neofaschismus
in Deutschland«
Termine im Mai/Juni
Sorge, weil in vielen Ländern neofaschistische und rechtspopulistische
Parteien und Bewegungen erstarken
und – teilweise mit erschreckendem
Erfolg – Einfluss auf die öffentliche
Meinung und die Politik gewinnen.
Dazu gehören u. a. die griechische
›Goldene Morgenröte‹, ›Ataka‹ aus
Bulgarien und die ›British National
Party‹.
In Deutschland ist die NPD die
Partei, die in der Tradition des
besiegt geglaubten Faschismus
steht. Holocaust-Leugnung, Geschichtsrevisionismus, gewalttätiger
Rassismus sind ihre Markenzeichen.
Seit Mai 2014 ist Udo Voigt Abgeordneter der NPD im Europäischen
Parlament.
Sehr geehrter Herr Botschafter,
mit Entsetzen haben wir nun
erfahren, dass Vertreter dieser
Parteien, darunter Udo Voigt, am
22. März zu einem ›Russisch-Internationalen Konservativen Forum‹
nach St. Petersburg eingeladen
waren. Ihnen wurden Visa erteilt
und sie waren im besten Hotel
der Stadt untergebracht. Dies galt
auch für Udo Voigt, der bis heute
die deutschen Kriegsverbrechen –
darunter den geplanten Hungertod
von mehr als einer Million Menschen
in Leningrad – leugnet.
Für die Überlebenden des Widerstands gegen den Nazi-Terror, für
die überlebenden Opfer, die ihre
VVN-BdA Mitgliederentwicklung 2014
Wieder keine »Schwarze Null«
Die Statistiken für das Jahr 2014 sprechen eine ähnliche Sprache wie
die des Jahres zuvor. Im vergangenen Jahr hat die VVN-BdA 318 Mitglieder verloren und 223 aufgenommen. Aus dem Gesamtverlust von
102 resultierte zum Stichtag 31.12. eine Mitgliederzahl von 6189.
Stiftung
Komitee
Eine Ausstellung
der Vereinigung der Verfolgten des
Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen
und Antifaschisten e.V. (VVN–BdA)
Mit Unterstützung
der Industriegewerkschaft Metall (IGM),
der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di –
Landesbezirk Nord und der Gewerkschaft
Erziehung und Wissenschaft (GEW),
Landesbezirk Hamburg
u s c h w i t z-
Ausgezeichnet
mit dem Hans-Frankenthal-Preis 2013
der Stiftung Auschwitz-Komitee
Prora: Dokumentationszentrum
Prora, bis 25. Juni
Duisburg: Evangelisches Bildungswerk, 27. April bis 21. Mai
Frankfurt/Oder: beim Brückenfest
am 1. Mai, im Rathaus 4.-9. Mai
Hannover: Medizinische Hochschule,
4. bis 8. Mai
Elmshorn: Volkshochschule, 8. Mai
bis 15. Mai
Neuruppin: JWP MittenDrin, 8. Mai
bis 29. Mai
Essen: Gewerkschaftshaus, 8. Mai
Wolfsburg: Haus der Jugend, 8. Mai
Hamburg: in den Wallanlagen, auf
dem »Fest der Befreiung« 9. Mai
Berlin: Treptower Park auf dem Fest
»Wer nicht feiert, hat verloren«, 9 Mai
Wedel: Gebrüder-Humboldt-Schule,
27. Mai bis 5. Juni
Worms: Rathaus Worms, 27. Mai
bis 12. Juni
Die antifaschistische »schwarze Null«
ist damit wieder nicht geschafft. Die
höchste Zahl an Neumitgliedern
hatte dieses Mal Hessen mit 48. Von
diesen waren 32 zurückgewonnene
frühere Mitglieder. Es folgen Bayern
mit 32 und Berlin mit 27 neuen Mitgliedern. Gar keine Zugänge hatten
das Saarland und Sachsen-Anhalt.
Die größten Verluste erlitten
Berlin mit 67, Sachsen mit 54 und
Thüringen mit 28. Von unseren 16
Landesverbänden ist die Hälfte
konstant geblieben oder gewachsen, nämlich Bayern, Bremen,
Hamburg, Hessen, MecklenburgVorpommern, Niedersachsen, NRW
und Rheinland-Pfalz. Die drei größten
Landesvereinigungen sind nach wie
vor Baden-Württemberg (1022),
NRW (954) und Berlin (753). Die
drei kleinsten sind Sachsen-Anhalt
(89), Saarland (78) und Bremen (67).
Ein genauerer Blick auf die Verluste
zeigt, dass 69 Mitglieder durch Austritt
verlorengingen. Austritte erfolgten,
soweit bekannt, aus persönlichen
und politischen Gründen. Manchmal
antifa BEILAGE · MAI/JUNI 2015
verließen allerdings auch neuere
Mitglieder den Verband wieder, weil
sie keinen Anschluss an bestehende
Gruppen oder keine
sinnvolle Betätigung
dort fanden.
Dass wir all dies
überhaupt wissen,
verdanken wir denjenigen, die sich in den
Kreis- und Landesvereinigungen damit
beschäftigen, Listen
zu führen, Mitglieder
anzuschreiben und
allerlei Unklarheiten
zu bereinigen. Und
diese entscheidenden Aufgaben werden überwiegend von
Frauen ausgeführt.
In Sachsen, Thüringen und SchleswigHolstein wurden 2014
Seminare zum Thema
Mitgliedergewinnung
durchgeführt, die auch
zu unmittelbaren Er-
Befreiung dem heldenhaften Kampf
der Sowjet-Soldaten verdanken, und
sicher auch für die noch lebenden
Veteranen der Roten Armee ist dies
wie ein Schlag ins Gesicht.
Wir protestieren gegen diese
Förderung der europäischen neofaschistischen Kräfte, mit der auch
die von ihnen ausgehende Gefahr
verharmlost wird.
Wir bitten Sie, sehr geehrter
Herr Botschafter, diesen Protest
der größten antifaschistischen
Organisation in Deutschland, die
das Erbe des antifaschistischen
Widerstands vertritt und die Erinnerung an den wesentlichen und
opferreichen Beitrag der Sowjetunion
an der Befreiung Europas wachhält,
an Ihre Regierung weiterzuleiten.«
Cornelia Kerth, Dr. Axel Holz
Vorsitzende
folgen führten. Noch wichtiger an
ihnen ist aber, dass sie unsere
aktiven Mitglieder in das Gespräch
zum Thema gebracht haben.
In den ersten Monaten des laufenden Jahres ist eine Zunahme
des Interesses an unserem Verband
bemerkbar. Die breite Thematisierung
des »8. Mai« durch die Medien gibt
unseren Kreis- und Landesvereinigungen die Chance, verstärkt neue
Mitglieder zu werben.
Thomas Willms
1
AUS DEM VERBAND
VOM RHEIN ZUR ODER
Nordkonferenz der VVN-BdA analysiert »Alternative für Deutschland«
AfD: Jenseits der Aufklärung
Äußerst informationsreich war die
diesjährige Nordkonferenz der VVNBdA-Küstenländer, die vom 20. bis
22. März in Heideruh stattfand.
Die unerwartet hohen Wahlerfolge
der AfD in Mitteldeutschland, der
Einstieg in die Hamburger Bürgerschaft, ihr Fischen in den dumpfen
Pegida-Aufmärschen, all das ließ
sich bei der Themen-Festlegung
Anfang vergangenen Jahres nicht
so recht absehen. Daher war es
für uns sehr erfreulich, mit Andreas
Kemper (Münster) einen kompetenten
Referenten gewonnen zu haben, der
recht einprägsam das komplizierte
schwarzbraune Gestrüpp zu lichten
vermochte. Weitergehende Informationen zu Entstehung, Ideologie
und Charakter dieser rechtspopulistischen Partei lassen sich auf seiner
Internetseite http://andreas.kemper.
wordpress.com finden.
Thilo Sarrazin forderte bereits
mit seinem Buch »Deutschland
schafft sich ab« die Verhinderung
einer »Einwanderung in die Sozialsysteme« und Öffnung der Tür zur
Bewertung von Menschen nach
ihrer Nützlichkeit. Nichtdeutsche
müssten bei wiederholten Straftaten
abgeschoben werden. Die Erfolge
der erst im April 2013 formierten
AfD beruhen wesentlich darauf, dass
sich in ihr neoliberale Marktradikale
und monarchistisch verankerte
Neokonservative zusammenfinden.
Hans-Olaf Henkel, einst Präsident
des Bundesverbandes der deutschen
Teilnehmer der Nordkonferenz der VVN-BdA-Küstenländer vom 20. bis 22. März in Heideruh
Industrie, verlangte die Schaffung
eines Nord-Euros und eines SüdEuros. Einen Schuldenerlass für
Griechenland schloss er aus. Dies
wurde auch zentrale Aussage der
»Wahlalternative 2013«. Finanzkräftige
Familienunternehmen bilden das
finanzielle Rückgrat der AfD, führende
Persönlichkeiten der AfD sind Hochschullehrer oder ultrakonservative
Publizisten. Gemeinsam ist ihnen,
dass sie über Jahrzehnte errungene
Sozialleistungen zurückfahren und
die Vergabe demokratischer Rechte
an den Besitzstand koppeln wollen.
Konrad Adam forderte bereits 2006,
Rentnern, Arbeitslosen, Sozialleistungsempfängern, Behinderten
und Studenten das Wahlrecht zu
nehmen. Wie bereits die Freien
Wähler fordert die Wahlalternative
die Direktwahl des Bundespräsidenten, der Ministerpräsidenten
und Bürgermeister, mehr Volksentscheide. Parteien sollten durch
Einführung des Mehrheitswahlrechts
an Einfluss verlieren. Für Alexander
von Gauland, Fraktionsvorsitzender der AfD in Brandenburg, sind
Parlamente verzichtbar. Er eifert
Bismarck nach, der bei Bedarf ohne
Parlament regierte.
Evangelikale Monarchisten um
Bettina von Storch haben ein rechtskonservatives Netzwerk errichtet,
das nicht nur die Rückgabe enteigneter Adelsgüter im Osten fordert,
sondern verstärkt die Gleichstellung
des Islam bekämpft. Die Politik soll
unter Druck gesetzt werden, ihr
»Abgeordnetencheck« bedient sich
des Mittels persönlicher Bloßstellung
Neues im VVN-BdA-Shop
In den letzten Wochen bekam der
VVN-BdA Online-Shop eine neue
Aufgabe. Über ihn sind nunmehr
auch kostenfreie Flugblätter, Postkarten u. ä. zu beziehen. Das hat
den Vorteil, dass sich nun alle
unabhängig davon, ob man in den
üblichen E-Mail-Verteilerlisten ist,
informieren kann, welches Material
erhältlich ist. Es sieht diesbezüglich
gerade gut aus. Flyer zu »Pegida«,
»AfD«, »Flüchtlingen« und »8. Mai«
werden stark nachgefragt und sind
auf den Straßen dringend nötig.
Die Materialien sind nun auch
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zusätzlich in thematische Kategorien wie »8. Mai«, Ausstellung
»Neofaschismus in Deutschland«
und »nonpd« geordnet worden.
Von dieser neuen Aufgabe profitiert bereits auch das bisherige
Geschäft des Shops, in dem es z. B.
immerhin 15 verschiedene Plakate
und 20 verschiedene Aufkleber
gibt. Das Online-Bestellformular
erleichtert der Bundesgeschäftsstelle die Arbeit. Man kann aber
auch weiterhin per E-Mail oder
telefonisch bestellen.
und Diffamierung. Das Recht auf
eigenständige sexuelle Orientierung
wird erbittert bekämpft. Das Kindergeld soll ersetzt werden durch eine
Kindspauschale für jedes geborene
Kind »in geordneten Verhältnissen«
lebender Mütter. Die Neokonservativen fordern den Schutz des
ungeborenen Lebens vor Abtreibung
und Stammzellenforschung. Das
bringt sie an die Seite von Pegida,
von Pro-Deutschland-Anhängern bis
hin zu Neofaschisten. Ihre Position
gegenüber weltweiten Freihandelsabkommen gerät dabei mehr und
mehr zum Streitpunkt. Der neoliberale
Flügel um Hans-Olaf Henkel und
Bernd Lucke tendiert zur völligen
Marktfreiheit. Ein Auseinanderfallen
der unterschiedlichen Flügel könnte
das Ende der AfD als dauerhafte
Rechtspartei einleiten. Sabine Lösing
(Mitglied des Europaparlaments für
Die Linke) schilderte nachmittags
recht anschaulich das konkrete
Antragsverhalten der AfD und ihre
intensive Lobbyarbeit. Der Abend
stand im Zeichen internationaler
Solidarität mit einer eindrucksvollen
Darbietung chilenischer Lieder, zu
denen der Liedermacher Pablo
Ardouin Shand und seine Frau
Judith unter großem Beifall kleine
Begebenheiten und gelungene
Übersetzungen vortrugen.
In der Auswertung wurde der sehr
lokale Bezug von AfD zu Heideruh
thematisiert, regionale Aktivitäten
der norddeutschen VVN-BdA-Gruppen deutlich und bevorstehende
Aktivitäten zum 70. Jahrestag der
Befreiung ausgebreitet. Die nächste
Nordkonferenz findet vom 11. bis
13. März 2016 statt.
Bücher…
Aufkleber…
Hier: „8. MAI 1945 –
BEFREIUNG“, DIN A 7,
100 Stück zu 3,50 €
Buttons, Pins, Aufkleber, Bücher
Broschüren, Transparente, Kataloge,
Fahnen, Klamotten, Werbeartikel
Raimund Gaebelein
Hier: „Fragt uns. Wir sind die Letzten.“ Interviewbroschüre
mit Verfolgten des Naziregimes (Teil 5), 2,90 €
Plakate…
Hier: „Befreier –
Résistance“, DIN A 2,
10 Stück zu 2,50 €
Bestellbedingungen
Die Versandpauschale beträgt 3,90 € und entfällt bei
einem Warenwert über 50 €. Der Mindestbestellwert
beträgt 10 €. Die genannten Preise behalten ihre
Gültigkeit bis zu drei Monate nach dem Erscheinen
dieser Anzeige. Der Versand erfolgt auf Rechnung
oder per paypal.
Hier: Hervé/Graf:
„Oradour – Geschichte eines
Massakers“, 18,00 €
Wie bestellt man?
Einfach online: www.shop.vvn-bda.de. Bestellungen
sind auch telefonisch und per Fax möglich:
Telefon 030 29 78 41 74, Fax 030 29 78 41 79, oder
kommt vorbei: VVN-BdA, Franz-Mehring-Platz 1,
10243 Berlin
Abbildungen nicht maßstabsgerecht!
Flugblätter…
diverse, kostenfrei
Hier: Karte der Lager und anderer
Nazi-Haftstätten, 10,08 €
Thomas Willms
BEILAGE · MAI/JUNI 2015 antifa
AUS DEN L ANDESVEREINIGUNGEN UND VERBÄNDEN
B A D E N WÜ R T TE M B E R G
Ostermärsche 70 Jahre nach der Befreiung:
Unsere Verantwortung heißt: Frieden!
Ostermarsch vor der US-Kommandozentrale
in Stuttgart Vaihingen [Foto: DL]
Nass war‘s und kalt. Das scheußlichste Ostermarschwetter seit
Jahren. Aber nicht der schlechteste Ostermarsch. Er startete vor
dem US-EUCOM, einer der sechs Befehlszentralen, unter die die
US-Army die Welt aufgeteilt hat. Vier davon in den USA, zwei davon, EUCOM und AFRICOM, in Stuttgart.
400 Ostermarschierer/-innen hatten
den Weg in die ohne Auto schwer
erreichbare Stuttgarter Peripherie
gefunden. Hier werden »wesentliche
Teile der aktuellen Generalmobilmachung der Nato gegen Russland befehligt”, berichtet Jürgen Wagner von
der Informationsstelle Militarisierung
in Tübingen. Dem Westen komme
die Hauptschuld an der Eskalation
in der Ukraine und im Verhältnis
zu Russland zu. Die »Ursünde« sei
gewesen, das nun 25 Jahre alte
Versprechen zu brechen, die NATO
nicht nach Osten zu erweitern. Auch
Deutschland habe sich als treibende
Kraft hinter dem Assoziierungsabkommen an dem Versuch beteiligt,
die Ukraine in den Einflussbereich
des Westens zu ziehen und damit
zu destabilisieren.
Bei strömendem Regen zog der
Ostermarsch unter Trommel- und
Sambaklängen der »Lokomotive
Stuttgart« durch Stuttgart Vaihingen
und dann mit der S-Bahn weiter
zum Hauptbahnhof und durch die
Stuttgarter Innenstadt. Auf diesem
Weg hatte sich die Teilnehmerzahl
mehr als verdoppelt, so dass zur
Redaktion dieser Seite:
Dieter Lachenmayer, VVN - Bund der
Antifaschisten Landesvereinigung BadenWürttemberg e.V. Böblinger Str. 195, 70199
Stuttgart, tel 0711 603237, fax 0711 600718
Abschlusskundgebung auf dem
Stuttgarter Schlossplatz rund tausend
Demonstranten und Demonstrantinnen zusammen kamen.
Tobias Pflüger, einer der bekanntesten und beharrlichsten Mitstreiter der baden-württembergischen
Friedensbewegung und mittlerweile
stellvertretender Vorsitzender der
Partei Die Linke setzte den Fokus
seiner Ostermarschrede auf die Rolle
der Bundesregierung und auch der
Bundeswehr. Diese habe sich längst
im Widerspruch zum Grundgesetz zu
einer weltweit agierenden Interventionsarmee entwickelt. Besonders
gefährlich sei die Rolle, die sie
derzeit in Osteuropa spiele. Dort
soll die Bundeswehr die »Speerspitze« einer NATO-Eingreiftruppe
bilden, die gegen Russland derzeit
aufgestellt wird. »Wir fordern die
Auflösung dieser Eingreiftruppe,
wir wollen keine ›Speerspitze‹ der
NATO!«, forderte er.
Tobias Pflüger ging auch auf
die Debatte um die Rückzahlung
des Zwangskredites aus der Nazibesatzungszeit, die ausstehenden
Reparationen und Entschädigungen
an Griechenland ein. »Auch das hat
etwas mit der Bundeswehr zu tun,
dass sie sich immer noch auch in der
Tradition der Wehrmacht sieht. Und
ich bin der Meinung, dass es richtig
ist, dass endlich Reparationen an
Griechenland und die griechischen
Menschen, die darunter gelitten
antifa BEILAGE · MAI/JUNI 2015
haben, gezahlt werden! Und es wäre
dringend notwendig, dass endlich
diese Tradition der Bundeswehr mit
der Wehrmacht vollständig beendet
wird.«
Kai Burmeister von der IG Metall
sprach sich im Sinne des vor kurzem gefassten Beschlusses seiner
Gewerkschaft, der Stuttgarter IG
Metall, für Rüstungskonversion aus.
»Konversion ist machbar”, betonte
er. Scharf wandte sich Burmeister
gegen Versuche, den Parlamentsvorbehalt bei Bundeswehreinsätzen im
Ausland auszuhöhlen: »Wir müssen
uns der schleichenden Militarisierung
der Außenpolitik entgegen stellen.«
Pfarrer Dietrich Hinrichs Becker
befasste sich mit den Kriegen im
Nahen Osten, aber auch mit der
zunehmenden Islamfeindlichkeit,
die sich etwa in den »unerträglichen
Pegida-Demonstrationen« zeige. Jede
Religion habe schon im Lauf ihrer
Geschichte »schreckliche Dinge«
legitimiert. Jede trage ein Gewaltpotential, aber auch ein Friedenspotential
in sich. Man müsse auch mit den
IS-Führern reden, Krieg sei keine
Lösung – und es gebe auch nicht
nur die Alternative, Waffen zu liefern
oder Unrecht tatenlos geschehen zu
lassen. »Unsere Verantwortung heißt
Frieden – lasst uns diese Verantwortung gemeinsam wahrnehmen«,
schloss der Pfarrer mit dem Motto
der Ostermarschbewegung.
Mannheim
In Mannheim demonstrierten ebenfalls am Karsamstag bei strömendem
Regen 150 Ostermarschierer und
-marschiererinnen.
Und weiter geht’s:
Tag der Befreiung – unser
Auftrag für Demokratie,
Solidarität und Frieden: Nie
wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!
9. Mai, Stuttgart, 13
Uhr, Lautenschlagerstr.
Demo und Kundgebung
Sie forderten von der US-Army
die bereits zugesagte Räumung und
zivile Nutzung der Coleman-Kaserne.
Die wurde nun widerrufen, um die
Kaserne als Stützpunkt für die verstärkte Militärpräsenz in Osteuropa
zu nutzen.
Müllheim
Der Ostermarsch in Südbaden
fand vor der Kaserne der DeutschFranzösischen Brigade in Müllheim
am Ostermontag statt. 400 Ostermarschiererinnen und -marschierer
waren dem Aufruf des Friedensrates
und des DGB Markgräflerland unter
dem Motto »Es ist an der Zeit. Eine
Welt in Frieden!« gefolgt.
Bodensee
Einen Teilnehmerrekord von 600
Friedensdemonstrantinnen und
-demonstranten vermeldete der »Internationale Bodensee-Friedensweg«
in Bregenz, zu dem sich seit 2009
Friedensgruppen aus Osterreich,
der Schweiz und Deutschland in
wechselnden Bodenseestädten
zusammenfinden.
Ostermarsch in Müllheim [Foto:
Friedensrat Markräfler Land]
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AUS DEN L ANDESVEREINIGUNGEN UND VERBÄNDEN
B E R LI N
Abschied von Hanna Tomkins
Hanna Tomkins war wahrscheinlich die letzte der Neuköllner
Rütli-Schülerinnen aus den Schulreformjahren vor 1933. Familienangehörige aus England und Israel sowie enge Freunde
nahmen auf dem Pankower Friedhof am 25. März Abschied. Sie
wurde 94 Jahre.
In Gesprächen mit
Hanna Tomkins
wurden stets große
Zeitabschnitte des
20. Jahrhunderts
lebendig. Eindrucksvoll berichtete sie
zum Beispiel im Dezember 2012
auf der Gedenkveranstaltung für
Hanno Günther, ihrem Rütli-Mitschüler und 1942 von den Nazis
ermordeten antifaschistischen
Widerstandskämpfer. Anfang der
1930er-Jahre wurde in der RütliSchule – angesichts der faschistischen Gefahr – ihr Engagement für
Solidarität und soziale Gerechtigkeit
geprägt. So zum Beispiel über
solidarische Aktionen, damit alle
Mitschüler trotz Arbeitslosigkeit
der Eltern an einer Klassenfahrt
teilnehmen konnten.
Im Juni 1933 emigrierte ihr
Vater Samuel Tomarkin mit seiner
Frau Rosa und Tochter Hanna in
die Sowjetunion. An der Moskauer
Karl-Liebknecht-Schule lernte sie
mit anderen Kindern deutscher
Emigranten. Ihre Eltern wurden
1937 wie viele Kommunisten Opfer
des stalinistischen Terrors.
Diese Erfahrung hat tiefe
Spuren bei der seinerzeit
17-Jährigen hinterlassen. Im
Mai 1956 wurden Samuel
und Rosa Tomarkin von
der Staatsanwaltschaft
der UdSSR wegen unbewiesener
Beschuldigung rehabilitiert. Eine
offizielle Bescheinigung darüber
erhielt ihre Tochter Hanna aber
erst im Juli 1993, als sie nach
langem Aufenthalt – sie lebte
seit Mitte der 1960er-Jahren in
England – wieder in Berlin lebte.
Zuvor war sie nach Kriegsende
nach Deutschland, in die DDR,
zurückgekehrt.
In den letzten Jahren hielt sie
auch engen Kontakt zur Neuköllner Galerie Olga Benario und war
dort eine beliebte und geschätzte
Diskussionspartnerin. Zum Beispiel
bei der Veranstaltung »Meilensteine
Neuköllner Schulreformen in der
Weimarer Republik« im Juni 2012.
Klaus Dieter Heiser
Foto: Hanna Tomkins während der
Veranstaltung am 3. Dezember
2012 in der Rütli-Schule
Direkte Hilfe für Geflüchtete in Berlin-Pankow:
Das »Café ohne Grenzen«
Das »Café ohne Grenzen« im Unabhängigen Jugendzentrum Pankow
(JUP) ist ein Ort der Begegnung für
Geflüchtete und ihre Nachbarn/-innen,
bei dem eine kostenfreie juristische
Beratung für die Geflüchteten angeboten wird.
Eine Gruppe Jugendlicher aus dem
Unabhängigen Jugendzentrum Pankow
entwickelte die Idee für dieses Café
nach einer Infoveranstaltung zum
Thema Asylpolitik. Hier wurde deutlich,
dass es an Möglichkeiten fehlt, Berührungsängste und Vorurteile durch
persönlichen Kontakt abzubauen.
Gemeinsam mit Ehrenamtlichen aus
dem Willkommensnetzwerk »Pankow
hilft!« und Mitgliedern der VVN-BdA
Pankow initiierten die Jugendlichen
4
das Café im Februar 2014. Von
Beginn an kommen nun schon seit
über einem Jahr zwischen 50 und
100 Nachbarinnen und Nachbarn
und Geflüchtete an jedem zweiten
Sonntag zusammen und lernen
sich kennen.
Anstatt immer nur über »die Geflüchteten« zu reden, begegnen sich
hier Menschen auf Augenhöhe. Sie
machen sich Komplimente zu den
leckeren Speisen, die sie mitgebracht
haben, sie hören gemeinsam Musik
und tanzen, fiebern gemeinsam beim
Kickerturnier, waschen gemeinsam
ab, erzählen sich persönliche Erfahrungen, bauen Vertrauen auf
und freunden sich ganz nebenbei
miteinander an.
Debatte um die »Straße der Befreiung«
Geschichte zum Anfassen
Am späten Abend des 19. März wurde in der BVV Lichtenberg ein
Antrag der Fraktion Die Linke aufgerufen. Darin wird das Bezirksamt
ersucht, eine Diskussion mit der Bürgerschaft zu führen, die Straße
Alt Friedrichsfelde wieder in Straße der Befreiung rückzubenennen.
Alt Friedrichsfelde ist ein Teilstück
der im Mai 1945 untergegangenen
Reichsstraße 1. Zum 30. Jahrestag
der Befreiung erhielt sie, ohne
Diskussion mit den Bürgern, am
5. Mai 1975 ihren neuen Namen
Straße der Befreiung. Nach kontroversen Diskussionen im Jahre 1991
erfolgte zum 31. Januar 1992 die
Rückbenennung.
Auch an diesem Abend entspann
sich wohl eine ähnliche Debatte
wie vor 24 Jahren, nur mit neuen
Abgeordneten. Die Vertreter von
SPD und CDU brachten ihre ablehnenden Bedenken zum Ausdruck.
Abgeordnete der Linken verteidigten
ihren Antrag und traten, unterstützt
von Abgeordneten der Grünen und
Piraten, dafür ein, die Diskussionen
zu dem umstrittenen Thema im
Kulturausschuss weiterzuführen.
Rosemarie Heyer von der Lichtenberger VVN-BdA, die den Antrag
unterstützte, erlebte im Alter von
neun Jahren die Befreiung. Sie
schilderte ihre Erinnerungen, als
die Rotarmisten die Befreiung,
den Frieden und auch inmitten der
Trümmer die ersten Suppenküchen
brachten. Sie appellierte an die
Abgeordneten, dem Antrag eine
Chance zu geben. Viele Lichtenberger Bürgerinnen und Bürger hätten
sich 1991 für die Beibehaltung des
Namens eingesetzt.
Zu diesem Tagesordnungspunkt
war auch ich eingeladen. Dabei
verwies ich u.a. darauf, dass diese stark befahrene Ausfallstraße
auch ein authentischer Ort ist. Dort
gelang es vor 70 Jahren Einheiten
der Roten Armee unter General
Bersarin, dem Ehrenbürger von
Berlin, nach erbitterten Kämpfen
in das Stadtzentrum vorzustoßen.
Diese Straße wäre für die Bürger
und die heranwachsende Generation auch eine »Geschichte zum
Anfassen«. Hier nahm die Befreiung
Lichtenbergs und Berlins Gestalt an.
Wenn eine Straße den Ehrennamen
Befreiung erhalten sollte, dann doch
diese mit ihrem unverwechselbaren
historischen Bezug.
Schließlich wurde dann nach 22
Uhr beschlossen, den Antrag im
Kulturausschuss weiter zu diskutieren. Hoffentlich erhalten auch die
Bürger, der Souverän, eine Chance,
an dieser Debatte teilzunehmen.
Hans Coppi
Foto: Amelie Maier
In den Gesprächen
mit den Geflüchteten
wurde schnell deutlich,
dass diese eine valide
Rechtsberatung benötigen, um ihr Ankommen auf eine solide
Basis zu stellen. So
gibt es im Café seit
einigen Monaten eine
rechtliche Beratung.
Um diese zu finanzieren, hat
das JUP eine Spendenkampagne
gestartet.
Das Café ist für uns wirklich ein
Lichtblick, da es ein tolles Beispiel
ist, wie mit wenigen Mitteln Vorurteile
abgebaut und Vertrauen aufgebaut
werden kann. Um gegen rechte
Hetze vorzugehen, ist das direkte
Kennenlernen von Geflüchteten ein
sehr gutes Mittel. Die Nazis liefern
einfache Antworten und schüren
Ängste und Vorurteile.
Das »Café ohne Grenzen« nimmt den Anwohnerinnen und
Anwohnern ihre Ängste – und den
Nazis damit ihren Zulauf.
Werdet Teil der Spendenkampagne und unterstützt das »Café ohne
Grenzen«! Ob durch eine Spende auf
www.cafeohnegrenzen.betterplace.
org oder/und durch das Teilen des
Spendenfilms bit.ly/Film-Café-ohneGrenzen.
Amelie Meier und
Jana Ringer, JUP e.V.
BEILAGE · MAI/JUNI 2015 antifa
AUS DEN L ANDESVEREINIGUNGEN UND VERBÄNDEN
B E R LI N
Antifa – Jour fixe
Ein Abend mit der
Berliner VVN-BdA…
…immer am 3. Montag
im Monat,
immer im Café Sibylle,
immer ab 18.30 Uhr
Café Sibylle, Karl-Marx-Allee 72, 10243 Berlin, U5
Strausberger Platz
Montag, 18. Mai
2015, 18.30 Uhr:
»Eine deutsche Familie – Die Benjamins«
Lesung mit Uwe-Karsten
Heye. Zu den großen deutschen Familien gehören die
Benjamins. Das Buch »Eine
deutsche Familie – Die Benjamins« beschreibt in einer
Zeitreise durch das 20. Jahrhundert fünf Schicksale dieser Familie und stützt sich dabei auch auf
bislang unveröffentliche
Dokumente, Briefe und
Berichte von Zeitzeugen.
Diese Familiengeschichte
ist reich an Konflikten
und Tragödien und der
Versuch, ein Gesamtbild
dieser deutsch-jüdischen
Familie über fünf Generationen zu zeichnen.
Damit ist dem Autor eine höchst
lesenswerte und beeindruckende
Familiengeschichte der Benjamins
gelungen. Uwe-Karsten Heye, Journalist, arbeitete als Redenschreiber
für Willy Brandt, war Regierungssprecher von Gerhard Schröder,
engagiert sich heute vor allem
gegen Rechtsradikalismus.
Montag, 15. Juni 2015, 18.30
Uhr: Astrid Volpert berichtet
über »Bauhauskünstler und -architekten im Widerstand«
Deutsche Antifaschisten erinnern sich an den 8. und 9. Mai 1945 auf drei Kontinenten
»Bob, du musst rennen, der Krieg ist vorbei«
Am 8. und 9. Mai 1945 verbreitete sich die Nachricht von der
bedingungslosen Kapitulation wie ein Lauffeuer um den Erdball.
Auf allen Kontinenten, aber besonders in den von den deutschen
Welteroberern überfallenen und okkupierten Ländern, feierten
Millionen ausgelassen den Sieg über den deutschen Faschismus.
Nicht nur Freudentränen standen
ihnen in den Augen, als sie diese
lang ersehnte Nachricht vernahmen.
Da war der unbeschreibliche Jubel
über das Ende des schrecklichsten aller Kriege. Es blieb auch der
Schmerz eines bitteren Sieges, die
Trauer um die Angehörigen, um die
millionenfachen Opfer von Terror
und Vernichtungskrieg.
33 deutsche Antifaschisten und
Antifaschistinnen erinnern sich
an diese unvergesslichen Tage im
Mai 1945, die ihnen für immer im
Gedächtnis blieben. Die Autorinnen
und Autoren haben die »Morgenröte
der Menschheit«, wie es Peter Gingold einmal ausdrückte, erlebt: in
Abergevenny (Südwales), Lockerbie
(Schottland) und Manchester, in
Krasnogorsk und Lunowo bei Moskau,
in Berlin, Rüdersdorf, Boizenburg
und Tribsees (Mecklenburg), in Golinski (bei Brno), New York, unweit
von Kairo, in Dünkirchen, in Paris,
Cognac und Vénissieux (Frankreich),
in Klagenfurt und Wien, in Turin und
Redaktion: Dr. Hans Coppi
Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin
Telefon: 030 / 29 78 41 78, Fax: 030 / 29 78 43
78, Internet: berlin.vvn-bda.de
E-Mail: [email protected]
Wir bitten um Spenden für
die Berliner VVN-BdA!
Spendenkonto: Postbank Berlin
IBAN: DE 18 1001 0010 0315 9041 05
BIC: PBNKDEFF
Montechio Maggiore (Italien) sowie
auf einer Insel im Pazifik.
Es waren überwiegend Kinder jüdischer Herkunft, die nach
1933 mit oder ohne ihre Eltern aus
Deutschland fliehen konnten. Sie
kämpften in der Roten Armee und
den Streitkräften der Antihitlerkoalition und der Bewegung »Freies
Deutschland«.
Der Kampfeinsatz an der Front
blieb aber eher die Ausnahme.
Nach Kriegsbeginn internierten
die Regierenden in Frankreich und
Großbritannien viele kampfbereite
deutsche Antifaschisten als feindliche
Ausländer. Nach der Niederlage der
spanischen Republik wurden Interbrigadisten in Frankreich in Lagern
weggesperrt und später in deutsche
»Bob, Du musst rennen,
der Krieg ist vorbei«
zu beziehen gegen eine
Schutzgebühr in der
Geschäftsstelle der Berliner VVN-BdA, 60 Seiten mit
zahlreichen Fotos.
Konzentrationslager verschleppt. Der
Große Terror in der
Sowjetunion traf auch Tausende
deutscher Politemigranten. Statt
an der Front zu kämpfen, starben
viele im Gulag oder erlebten den
8. Mai in Straf- und Arbeitslagern
und kamen erst Jahre später frei.
Verschiedene Autoren hatten sich
den Partisanen in Frankreich, Italien,
der Slowakei und der Sowjetunion
angeschlossen. Frauen waren in
der Bewegung Freies Deutschland
in Frankreich und den USA aktiv.
Soldaten und Offiziere der Wehrmacht waren zur Roten Armee
übergelaufen oder hatten sich in
Kriegsgefangenenlagern dem Na-
8. Mai, 18.00 Uhr
ZEITZEUG_INNEN
FÜHRUNGEN ZUM SOWJETISCHEN EHRENMAL
RUSSISCHE KÜCHE
KINDERSPIELE
INFORMATIONS- UND BÜCHERSTÄNDE
neuntermai.vvn-bda.de
Zentrale Kundgebung zum 70. Jahrestag der Befreiung vom
Faschismus. Es sprechen: Axel Holz, Bundesvorsitzender der VVNBdA, und Vertreter der Botschaft der Russischen Föderation
sowie der Botschaft von Belarus, Denkmal »Mutter Heimat« im
Sowjet­ischen Ehrenmal in Treptow.
9. Mai, 11.00 Uhr – 22.00 Uhr
WER NICHT FEIERT, HAT VERLOREN!
9. Mai – Tag des Sieges über den deutschen Faschismus: Wer nicht
feiert, hat verloren! Volksfest zum 70. Jahrestag des Sieges über
den deutschen Faschismus, mit Musik und Kultur auf der Bühne, Zeitzeuginnen (Delegation
polnischer Befreier und Befreierinnen), Ausstellungen, russischer Küche, Grill, Kaffee und
Kuchen, Kwas, Bier und Wodka für die Großen, Hüpfburg und Spielen für die Kleinen sowie
Informations- und Bücherständen, Führungen zum Sowjetischen Ehrenmal.
Parkplatz am Rosengarten, Puschkinallee, gegenüber dem Eingang zum Ehrenmal Treptow.
SAMSTAG 9. MAI 2015 ab 11Uhr - TREPTOWER PARK
Puschkinallee (Parkplatz am Rosengarten)
Gestaltung: jorodesign.eu - V.i.s.d.P.: Berliner VVN-BdA eV., Franz-Mehring Platz 1 - 10243 Berlin
Veranstaltet von der BO 8. Mai der Berliner VVN-BdA, der Antifaschistischen Initiative Moabit
(AIM), der Autonomen Antifa Berlin (A2B), Für eine linke Strömung (FelS), organisiert in der
Interventionistischen Linken (IL), und dem Kollektiv Zielona Gora e. V.
antifa BEILAGE · MAI/JUNI 2015
tionalkomitee »Freies Deutschland«
angeschlossen. An der Front riefen sie
über Lautsprecher und in Flugblättern
dazu auf, die Waffen niederzulegen
und zu desertieren. Andere schildern,
wie sie in sowjetischen und britischen
Kriegsgefangenenlagern den 8. Mai
erlebt haben. Als sie ihre Freude über
die Befreiung äußerten, wurden sie
von Mitgefangenen als »Verräter« bezeichnet. Paradoxerweise begrüßten
viele deutsche Kriegsgefangene das
Ende des Krieges und bedauerten
zugleich ihre Niederlage.
Die Fotografin Lore Krüger, deren Bilder im Februar 2015 in der
Fotogalerie C/O Berlin ausgestellt
wurden, kam 1940 als feindliche
Ausländerin in das französische
Konzentrationslager Gurs. Nach ihrer
Freilassung gelangte sie mit einem
der letzten Schiffe von Marseille
nach New York. Als ihr Schwager sie
am 8. Mai 1945 in ihrer Wohnung
aufsuchte, lief ihm ihre dreijährige
Tochter Susan entgegen und rief:
»Bob, Du musst rennen, der Krieg
ist vorbei«. Lore Krüger und zahlreiche Emigrantinnen und Emigranten
kehrten zurück, in dieses verdammte,
zerstörte Deutschland, viele von ihnen
in die sowjetisch besetzte Zone. Sie
wollten ein neues, friedliebendes,
demokratisches und antifaschistisches Deutschland aufbauen. Es
war kein leichter Entschluss. Aber
wer sollte dazu beitragen, wenn
nicht die deutschen Antifaschisten.
In einer aktualisierten Fassung
erscheint zum 70. Jahrestag der
Befreiung die 2010 von der DRAFD
herausgegebene und inzwischen
vergriffene Broschüre.
Hans Coppi
5
AUS DEN L ANDESVEREINIGUNGEN UND VERBÄNDEN
B AY E R N
NS-Dokuzentrum in München eröffnet
Wir gratulieren…
Dort, wo früher die NSDAP-Zentrale
»Braunes Haus« stand, leuchtet nun
weiß ein quaderförmiger Neubau,
in dem über die einstige Nazi«Hauptstadt der Bewegung«, über
Wurzeln des deutschen Faschismus,
über Verfolgung und Widerstand
kritisch informiert werden soll.
Links vorne im Bild die Überreste eines der NS-«Ehrentempel«,
dahinter ein Stück Fassade jenes
ehemalige »Führerbaus«, in dem es
zum »Münchner Abkommen« kam.
… natürlich allen unseren
»Geburtstagskindern«. Sie sämtlich
aufzuführen, würde allerdings den
Rahmen unserer »antifa« sprengen.
Stellvertretend seien deshalb hier die
Kameradinnen und Kameraden zwischen
60 und 80 genannt, die einen »runden«
Geburtstag haben bzw. hatten - und alle
über 80. Herzlichen Glückwunsch!
Foto: E.A.
Matinee zum 70. Jahrestag der Befreiung
Erinnerungen, Hoffnungen, Ausblicke
Zum Thema »8. Mai 1945: Befreiung – was sonst!« präsentiert die
VVN-BdA München »Erinnerungen,
Hoffnungen, Ausblicke – 70 Jahre
danach«. Dazu heißt es in der Einladung zur Matineeveranstaltung
am Sonntag, 10. Mai 2015 in der
Seidlvilla (Nikolaiplatz 1b, U3/U5
Giselastraße): »8. Mai 1945: Ende
Der Landesvorstand hat beschlossen, auch in
diesem Jahr wieder eine Landesmitgliederversammlung durchzuführen. Die Versammlung
findet am Samstag, 11. Juli 2015, in Bamberg
statt. Der Teilnehmerbeitrag beträgt 25 Euro,
in ihm sind Mittagessen, Vormittags- und
Nachmittagskaffee enthalten. Eine detaillierte Einladung mit inhaltlichem Programm und
genauem Tagungsort folgt in den nächsten
Wochen über das Büro der VVN-BdA.
des deutschen Eroberungskrieges,
der über 50 Millionen Menschen das
Leben kostete – und Befreiung für
die Völker Europas vom Faschismus
durch die alliierten amerikanischen,
sowjetischen, englischen und französischen Truppen. Dieser Tag war auch
von deutschen Antifaschisten und
NS-Verfolgten sehnsüchtig erwartet
worden und verknüpft mit Hoffnungen
auf eine neue Welt des ›Friedens und
der Freiheit‹ – so in der Erklärung der
befreiten Häftlinge des KZ Buchenwald.« Mit persönlichen Erinnerungen
und Porträts soll »Gelegenheit zum
Rückblick und zum Nachdenken darüber« gegeben werden, »was dieser
Tag für uns heute bedeuten kann.«
Wolfgang Graf, geboren 1926, Lehrer
und Gewerkschafter, aufgewachsen
in einer antifaschistischen Familie,
und Ernst Grube, geboren 1932, als
Kind mit seiner jüdischen Mutter und
seinen Geschwistern ins KZ Theresienstadt deportiert und dort im Mai
1945 befreit, erzählen von ihren
Erfahrungen. Berichte und Porträts
gibt es über Karl Delbeck (18981972), 1944 wegen »Hochverrats«
zum Tode verurteilt, der Hinrichtung
durch den Strang in Stadelheim
entkommen, Olena Svitka, ehemalige ukrainische Zwangsarbeiterin
in München, am 30. April 1945
befreit, und Martin Löwenberg (geb.
1925), befreit am 8. Mai 1945 im
KZ Leitmeritz, Mitbegründer der
VVN. Die Matineeveranstaltung wird
musikalisch umrahmt von Michaela
Dietl, Akkordeon.
KVM
Veranstaltung anlässlich des Jahrestages der »Penzberger Mordnacht«
Aktuelles zum NSU-Prozess
Anlässlich des 70. Jahrestages der
»Penzberger Mordnacht«, in der kurz
vor Kriegsende in der Bergarbeiterstadt noch 16 Menschen von den
Nazis ermordet wurden, laden die
VVN-BdA Oberland und der DGBKreisverband Weilheim-Garmisch zu
einer Veranstaltung mit aktuellem
Thema ein. Robert Andreasch von
der Antifaschistischen Informations-,
Dokumentations- und Archivstelle
München e. V. (a.i.d.a.) wird am
Freitag, 15. Mai 2015, ab 18.00 Uhr
im Restaurant »Glück Auf«, Straße
des 28. April 1945, in Penzberg
6
über den aktuellen Stand des NSUVerfahrens berichten.
Über drei Jahre sind vergangen,
seit sich der »Nationalsozialistische
Untergrund« (NSU) im November 2011 selbst enttarnte. Eine
Menge Fragen haben sich seither
aufgetan: zum Rechtsterrorismus,
zum institutionellen Rassismus
in den Ermittlungsbehörden, zum
gesellschaftlichen Rassismus (der
verhinderte, dass sich mehr Menschen mit den Angehörigen der Opfer
solidarisiert oder kritisch nachgefragt
hätten), zu den Verstrickungen von
Mai: Hans Besold, Unterhaching, 92
Jahre; Martin Löwenberg, München,
90 Jahre; Eva Sengle, Füssen, 87 Jahre;
Ingeborg Bräuhauser, München, 84 Jahre;
Ingrid Schadinger, Nürnberg, 75 Jahre;
Regine Grogan, Lichteneiche-Memmel, 70
Jahre; Ulli Ermold-Peßler, Bamberg, 60
Jahre; Tina Korn, Nürnberg, 60 Jahre
Juni: Helmut Steuerwald, Nürnberg, 85
Jahre; Dieter Flach, München, 65 Jahre;
Manfred Weiß, Sulzbach-Rosenberg, 65
Jahre; Hans Brenner, Fürth, 60 Jahre;
Norbert Scharf, Kümmersbruck, 60 Jahre
Spenden für die VVNBdA Bayern: Wie immer freuen
wir uns über Spenden für die Arbeit unserer
bayerischen VVN-BdA. Unser Konto: VVN-BdA
Bayern, IBAN: DE18700100800010532807,
BIC: PBNKDEFF700
Wichtiger Hinweis: Bitte
immer daran denken: Adressen- oder
Kontenänderungen mitteilen!
VVN-BdA Bayern, Frauenlobstr. 24, 80337
München, Tel 089/53 17 86, Fax: 089/53 89 464,
Mail: [email protected]
Redaktion: Ernst Antoni
Polizei und Inlandsgeheimdiensten
mit der Neonaziszene u. v. a.
Seit über eineinhalb Jahren läuft
am Oberlandesgericht München der
Prozess gegen Beate Zschäpe und
vier Unterstützer des NSU. 500 Zeuginnen, Zeugen und Sachverständige
wurden bisher gehört. Doch welche
Aufklärung kann so ein Strafprozess
überhaupt leisten? Wo steht der
Prozess heute? Welche Rolle spielen
der Senat, die Bundesanwaltschaft,
die Verteidiger/-innen der Angeklagten? Kann sich die Ansicht der
Bundesanwaltschaft, der NSU sei
ein isoliert mordendes »Killer-Trio«
gewesen, durchsetzen? Schafft es die
Nebenklage, die Bedeutung lokaler
und terroristischer Neonaziszenen,
Rassismus und das Verhalten und
Verschweigen der Inlandsgeheimdienste zu thematisieren?
Robert Andreasch arbeitet seit
fünfzehn Jahren als Fachjournalist
über die extreme Rechte in Süddeutschland. Für a.i.d.a. e. V. und die
bundesweite Initiative »NSU-watch«
beobachtet er die Verhandlungstage
im NSU-Prozess vor dem Münchner
OLG.
HGF
BEILAGE · MAI/JUNI 2015 antifa
AUS DEN L ANDESVEREINIGUNGEN UND VERBÄNDEN
H A M BU R G
Abschied von Steffi Wittenberg
Unsere Kameradin und Freundin Steffi Wittenberg ist am Abend
des 26. März gestorben. Sie gehört zu jenen, die unersetzlich sind,
und sie fehlt uns schon jetzt...
Allein im Programm-Flyer zum 70.
Jahrestag der Befreiung am 8. Mai
2015 finden sich mindestens vier
Veranstaltungen, an deren »Vorgeschichte« sie wesentlichen Anteil
hat. Meist als »Zeitzeugin«, die mit
ihren Erinnerungen an ihr Leben als
jüdisches Kind in Hamburg auch
ihren ermordeten Mitschülerinnen,
Lehrerinnen und Verwandten ein
»Denkmal« gesetzt hat. Wie gern
wäre sie am 9. Mai bei der großen
Befreiungsfeier in den Wallanlagen
dabei gewesen – und in unseren
ersten Planungen, noch bevor ihre
Krankheit sich bemerkbar gemacht
hatte, sollte sie gleich zwei Auftritte auf der Bühne absolvieren:
zur »Hoffnung der Befreiten« und
zum »Überleben im Exil« hätte sie
Wesentliches beigesteuert. Dass sie
mit ihren Eltern und ihrem Bruder
in Uruguay Asyl fand und so der
Shoa entkommen konnte, war Steffi
zeitlebens Verpflichtung. Nicht nur
zum Erinnern, sondern auch zum
Eingreifen in die aktuellen Auseinandersetzungen: Steffi war eine
begeisterte Internationalistin und
Kämpferin für Menschenrechte. Ob
in den USA, von wo sie mit ihrem
Mann Kurt wegen ihrer Beteiligung an der Bürgerrechtsbewegung
nach Deutschland abgeschoben
wurde, oder in Hamburg, wo sie
in der Chile-Solidarität, im Verein
»Helft Nicaraguas Kindern« und bei
der Unterstützung der politischen
Gefangenen in Uruguay zu den
Unermüdlichen zählte. Ob es um
ein Bleiberecht für Roma oder die
Lampedusa-Flüchtlinge ging, Steffi
schrieb Briefe an Bürgermeister und
Innensenator, lief noch am Stock
Foto: Christiane Chodinski
bei den Demos mit und sprach den
Flüchtlingen in Grußworten Mut zu.
Jedes Jahr, so ungefähr im März,
begann Steffi mit den Vorbereitungen
unserer Mahnwache am 9. November.
Die Kooperationspartner wurden
angesprochen, Rednerinnen und
Redner vorgeschlagen und eingeladen, der Landesvorstand in Trab
gesetzt. So wurde die Mahnwache
zu einer »Institution«, die unsere
Bündnisarbeit deutlich verbreitert hat
und Jahr für Jahr weiter ausstrahlt.
Steffi war eine zuverlässige und
streitbare Kameradin, die sich nie
auf die Rolle der »Zeitzeugin« reduzieren ließ. Sie nahm als Mitglied
des Landesvorstands aktiv an unseren Diskussionen teil, brachte
Gedanken, Vorschläge, Einwände
ein und freute sich, wenn am Ende
ein guter Beschluss, eine Aktion
oder Veranstaltung dabei herauskam. Ob bei der Verleihung der
Herbert-Wehner-Medaille bei ver.
di oder bei einer Veranstaltung am
Hannöverschen Bahnhof: Wenn
Wichtiges ungesagt blieb, steuerte
Steffi auch ungefragt den fehlenden
Beitrag bei. Toll!
Christiane und Georg haben über
Steffi geschrieben: »Ihr wichtigstes
Anliegen war Gerechtigkeit. Damit hat
sie uns allen den Rücken gestärkt,
damit wir in ihrem Sinne weiter
machen.« Versprochen.
Cornelia Kerth
Neugründung der VVN-BdA-Kreisvereinigung Eimsbüttel
Am 25. Februar 2015 hat sich
eine Kreisvereinigung in Eimsbüttel
gegründet. Gemeinsam mit etwa
30 Freunden/Freundinnen und
Antifaschisten/Antifaschistinnen
werden André Buschmann und
Andrea Hackbarth-Rouvel im Ham-
burger Stadtteil die antifaschistische
Arbeit beleben und sich einmal im
Monat treffen. An jedem zweiten
Mittwoch im Monat kommen wir
um 19 Uhr im Bürgerhaus Lenzsiedlung, Julius-Vosseler-Str. 193
(Nähe U-Luterothstr.) zusammen.
Arbeitsgruppe Frieden und
Antimilitarismus in Hamburg
Der wichtigste und prägnanteste
Appell der VVN-BdA ist unsere
Doppelforderung: Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg! Wir
betrachten uns als wichtigen Teil
der Friedensbewegung. Viele unserer Mitglieder engagieren sich in
verschiedenen Zusammenhängen
für den Frieden. Nur waren diese
bisher meist getrennt unterwegs.
Es fehlten Erfahrungsaustausch
und gemeinsames Auftreten.
Nachdem im Februar die Bundeskommission Frieden und Antimilitarismus erfolgreich gegründet
wurde, wollen auch wir in Hamburg
eine Arbeitsgruppe »Frieden und
Antimilitarismus« ins Leben rufen.
Alle interessierten Mitglieder aus
allen Kreisen sind herzlich eingeladen.
Ein erstes Treffen ist am Donnerstag, den 28. Mai, um 19.30
Uhr im Landesbüro Hein-Hoyer-Str.
41. Eine formlose Voranmeldung
im Büro wäre hilfreich für unsere
Planung (040 314254 oder [email protected]).
Wir wollen uns gegenseitig kennenlernen und werden unsere
gemeinsamen Pläne und Themenschwerpunkte festlegen. Wann und
wie häufig wir uns zukünftig treffen,
entscheidet die Gruppe natürlich
ebenfalls selber. Auf zahlreiches
Erscheinen freut sich Carola
antifa BEILAGE · MAI/JUNI 2015
Es ist unser Wunsch, Erinnerungen
wach zu halten. Unsere Schwerpunkte dabei sind die Kontaktpflege
zu Zeitzeugen und Interviews mit
ihnen. Die ersten Stadtteilrundgänge finden im Mai statt. Während
dieser Stadtteilrundgänge werden
wir auf Stolpersteine treffen, sie
pflegen und uns auf biografische
Spurensuche begeben. Die Rückkehr ins Gedächtnis beginnt mit
den Namen der Opfer. Wir werden
Details über Leben, Leiden und
Todesumstände von Hamburgern
und Hamburgerinnen, die während der NS-Zeit verfolgt waren,
berichten. In Eimsbüttel erinnert
eine besonders große Zahl von
Stolpersteinen an die Grauen der
NS-Zeit. Dies ist eine Folge der
Tatsache, dass durch die starke
Arbeiterbewegung in Eimsbüttel viele
Widerstandsgruppen beheimatet
waren. Zum anderen liegt im Herzen
Eimsbüttels das Grindelviertel, in
dem sich eine jüdische Gemeinde
und eine Synagoge befanden.
Darüber hinaus ist ein Rundgang
bzw. eine Informationsveranstaltung
zum Frauenlager Eidelstedt, einem
Außenlager des KZ Neuengamme,
geplant. Im Rahmen des Eimsbütt-
ler Gedenkmonats wird es eine
Veranstaltung über die Arisierung
von Immobilien geben.
Gerade heute, wo Rechtspopulismus durch Pegida und AfD
wieder salonfähig gemacht werden
soll und sich Neonazis wieder organisieren, sehen wir es geradezu
als unsere Pflicht und Aufgabe an,
antifaschistische Aufklärungsarbeit
mittels Vorträgen zu leisten. »Wer
vor der Vergangenheit die Augen
verschließt, wird blind für die Gegenwart«. Im Dezember 2014 wurde
in Bayern ein Brandanschlag auf
ein Flüchtlingsheim von Neonazis
verübt. Wir heißen Flüchtlinge
willkommen! Antifaschismus geht
uns alle an!
Andrea
Wir gratulieren…
In den Kämpfen unserer Zeit streitend ist
unser Freund Rolf Becker am 31. März 80
Jahre geworden. Seine Erkenntnis aus solch
ereignisreichem Leben: »Wir erreichen nur
etwas, wenn die Solidarität praktisch wird.«
7
AUS DEN L ANDESVEREINIGUNGEN UND VERBÄNDEN
H A M BU R G
Monty Schädel in Wedel: »Die Tür nach rechts muss zubleiben!«
Ostermarsch 2015
Der Hamburger Landesvorstand hatte sich entschieden, nicht gemeinsam mit Mahnwachen-Vertretern
und -Vertreterinnen zum Hamburger Ostermarsch
aufzurufen, sondern den Ostermarsch in Wedel zu
»verstärken«.
So haben wir dann mit gut 15 KameradInnen die Wedeler VVN-BdA
unterstützt und auch in Wedel den
eigens erstellten Flyer mit unseren
Positionen zu aktuellen Friedensfragen
und dem BA-Beschluss zur (Nicht-)
Kooperation mit den Mahnwachen
sowie Aufruf und Veranstaltungskalender zum Tag der Befreiung verteilt.
Bei Sonnenschein und bester DemoLaune ging es zum Theaterschiff
Batavia mit Kulturprogramm.
Da der Geschäftsführer der DFG-VK
Monty Schädel, zugleich Vorsitzender
der VVN-BdA in Mecklenburg-Vorpommern, zur Abschlusskundgebung
des Hamburger Ostermarsches als
Redner eingeladen war und auch
dort eindeutig zu »Friedenswinter«
und Mahnwachen Stellung beziehen
wollte, hatte der Landesvorstand
kurzfristig beschlossen, dass wir
ihn dabei unterstützen wollen. Zugleich gab uns das die Gelegenheit,
deutlich zu machen, dass wir den
Ostermarsch durchaus auch für uns
beanspruchen. Auch am OssietzkyPlatz stieß unser Informationsmaterial
auf Interesse. Die Linke war mit
einem Infostand vor Ort und verteilte
neben anderem – z. B. der Zeitung
gegen den Krieg – ebenfalls ein
Mahnwachen-kritisches Infoblatt.
Im Anschluss an die Rede des
Vertreters der GEW Hamburg hielt
Monty seine Ansprache, in der
er zunächst skandalisierte, dass
deutsche Waffenexporte und Kriegspolitik die Flüchtlinge produzieren,
die dann an der »Festung Europa«
scheitern, die im Mittelmeer ertrinken, in Griechenland und anderen
»Grenzgebieten« in Abschiebehaft
landen oder in Deutschland nicht
willkommen geheißen werden. Er
sprach über den neuen Militarismus, der mit der Werbung für den
Soldaten-«Beruf« in Schulen, auf
Ausbildungsmessen und im Geschwätz
vom »familienfreundlichen Arbeitgeber
Bundeswehr« Einzug in den Alltag
gehalten hat, der in Forderungen nach
mehr militärischer »Verantwortung«
Deutschlands und dem geplanten
Einstieg in die Drohnen-Kriegsführung
8
und die angestrebte Führung in der
»EU-Armee« ahnen
lässt, dass auch der
dritte Griff nach der
Weltmacht mit Krieg
als Mittel der Politik Hand in Hand
geht. Im letzten Teil machte Monty
deutlich, dass auch in der Friedensbewegung »die Tür nach rechts
zubleiben muss«.
Dass der Moderator des Hamburger
Forums die Geschmacklosigkeit besitzt, in seiner Antwort ausgerechnet
die Zusammenarbeit des Forums
mit der Mahnwache Hamburg zur
»Volksfront« zu stilisieren, spricht für
seine Abgebrühtheit. Mindestens
genauso abgebrüht ist einer, der
behauptet, ganze Kreisverbände der
VVN-BdA seien gegen die Empfehlung der »Bundessprecherin« zum
Ostermarsch gekommen.
Nun kommt es darauf an, dass
wir gemeinsam mit anderen dafür
sorgen, dass der Antikriegstag am
1. September auf die breite Basis
gestellt wird, die er verdient hat.
Cornelia Kerth
links: Monty Schädel in Hamburg
rechts: Ostermarsch 2015 in Wedel (Fotos: Christiane Chodinski)
5. Antifaschistische Hafentage Hamburg
»Wolf Hoffmann« vom 29. bis 31. Mai
Der Kampf gegen die faschistische
Bestie mit der Waffe in der Hand
begann 1936 in Spanien. In der
breiten Öffentlichkeit wird dem lebensgefährlichen Kampf der Seeleute
bei der Versorgung der Spanischen
Republik nur wenig Beachtung geschenkt. Fast drei Jahre lang brachten
Seeleute mit ihren Schiffen unter
ständiger Lebensgefahr Waffen und
Versorgungsgüter nach Spanien, und
sie evakuierten bedrohte Kinder,
Frauen und Verwundete.
Auf den Hafentagen 2015 werden
wir die sowjetische Hilfe für die Spanische Republik sowie die britischen
und sowjetischen Blockadebrecher
besonders würdigen.
Diesmal besonders spannend: der
logistische Aufbau und die Planung
zur Versorgung der Republik durch
die sowjetische Handelsmarine.
Gesamtprogramm unter:
www.spanienkaempfer.de
Woche des Gedenkens in Bergedorf
Zum vierten Mal findet in Bergedorf
eine Woche des Gedenkens statt.
Tatsächlich sind es mehr als zwei
Wochen, in denen verschiedene
Veranstaltungen, Diskussionsrunden,
Filme, Theater und Ausstellungen
zum Informieren, Nachdenken und
Mitmachen gegen alte und neue
Nazis einladen.
Nachdem die Veranstaltungen
bisher im November stattfanden,
hat der Vorbereitungskreis sich in
diesem Jahr entschieden, die Erinnerung an den 70. Jahrestag der
Befreiung in der Zeit vom 29. April
bis 13. Mai 2015 aufzugreifen.
Organisiert wird die Woche von
einem kleinen Team, in dem auch
Vertreter und Vertreterinnen der
VVN-BdA aktiv sind. Träger der
Veranstaltungen sind vielfältige
Akteure des Bezirkes. Neben den
Parteien, den Kirchen gehören auch
Jugendeinrichtungen, Stadtteilkulturzentren, die KZ-Gedenkstätte
Neuengamme und natürlich die
VVN-BdA zu den Veranstaltern.
In diesem Jahr wird die VVN-BdA
Hamburg-Bergedorf am Donnerstag, den 7. Mai, um 17 Uhr einen
Rundgang zu den in Bergedorf
verlegten Stolpersteinen anbieten,
mit denen an das Leben der hier
Geehrten erinnert wird. Bei Bedarf
wollen wir auch gleich die verlegten
Steine wieder blitzblank putzen.
Am alternativen Stadtrundgang
des Antifaschistischen Bündnisses
am Sonntag, 10. Mai, um 14 Uhr
wirken wir ebenfalls mit.
Außerdem wird die Lesung »Widerständiges Frauenleben: Ida Ehre,
Anna Siemsen, Magda Langhans
... und andere Frauen«, die zum
Internationalen Frauentag erarbeitet
wurde, am Mittwoch, den 13. Mai,
um 19.30 Uhr im Gemeindesaal
von Petri und Pauli, Bergedorfer
Schlossstraße 7, noch einmal zu
hören und zu sehen sein. Aber auch
bei vielen anderen Veranstaltungen
ist die VVV-BdA mit einen Infotisch
und einem Bücherverkauf präsent
und bietet sich zum Gespräch an.
Das ganze Programm kann
eingesehen und heruntergeladen
werden unter: http://hamburg.vvnbda.de/2015/04/03/woche-desgedenkens-bergedorf-in-bergedorf/
Carola
BEILAGE · MAI/JUNI 2015 antifa
AUS DEN L ANDESVEREINIGUNGEN UND VERBÄNDEN
H A M BU R G
Hamburger VVN-BdA Termine
Veranstaltungen zum 70.
Jahrestag der Befreiung
Freitag, 8. Mai, 15 Uhr
Lokaltermin Deserteursdenkmal
Der Künstler Volker Lang wird den
Entwurf für das Hamburger Deserteursdenkmal vorstellen und mit
einem 1:1-Grundriss die Ausmaße
des geplanten Pavillons anschaulich
machen. Im Anschluss singt Uwe
Levien Lieder zur Gitarre.
Veranstalterin: Bündnis für ein
Hamburger Deserteursdenkmal
Ort: Kriegsklotz, Stephansplatz
Freitag, 8. Mai, 17 Uhr
Eröffnung der FIR-Ausstellung
»Europäischer Widerstandskampf
gegen den Nazismus« (Ausstellungsdauer: bis 23. Mai)
Die dreisprachige Ausstellung gibt
auf 50 Tafeln in Bildern, reproduzierten Dokumenten und knappen
Texten einen Einblick in den Kampf
gegen den Nazismus, die nationalen
Besonderheiten des Kampfes in
den verschiedenen Ländern.
Die Ausstellung wird eröffnet mit
Beiträgen von Piet Schouten, Vizepräsident der FIR (Niederlande),
Jacques Lewkowicz, Vorsitzender
der Jüdischen Union für Widerstand und gegenseitige Hilfe UJRE
(Frankreich) und Cornelia Kerth,
Vorsitzende der VVN-BdA.
Musikalische Begleitung: SongGruppe Hamburg
Ort: Hauptgebäude der Universität
Hamburg, Westflügel (ESA W),
Edmund-Siemers-Allee 1
Freitag, 8. Mai, 19.30 Uhr
»70 Jahre 8. Mai: Befreiung - was
sonst?« Auf den Spuren des Widerstands, Stadtteilspaziergang
und Demonstration.
Veranstalterin: Hamburger Bündnis
»8. Mai 2015«
Treffpunkt: Jungfernstieg beim
Alsterpavillon
Sonnabend, 9. Mai, 14-22 Uhr
Fest der Befreiung
Gegen alle Schlussstrich-Bestrebungen und für den gemeinsamen
Kampf für Frieden und Menschlichkeit. Mit: die Surfits, Resistencia,
David Rovics, Sylvia Wempner und
Rolf Becker, Café Royal, One Step
Ahead, Sokugayu, Oma Körner
Band. Dazu internationale Gäste
und politische Beiträge, Infostän-
de, Speisen, Getränke und eine
Kletterwand.
Veranstalterin: Hamburger Bündnis
»8. Mai 2015«
Ort: Hamburger Wallanlagen (Nähe
U-Bahnhof »St. Pauli«, gegenüber
der Eislaufbahn)
Sonntag, 10. Mai, 11 Uhr
Gedenken für die Opfer von Faschismus und Krieg. Nie wieder
Faschismus - nie wieder Krieg.
Es sprechen: Esther Bejarano
(Ehrenvorsitzende der VVN-BdA)
und Cornelia Kerth (Vorsitzende
der VVN-BdA).
Musik: Chor Hamburger Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter
Ort: Friedhof Ohlsdorf, am Mahnmal für die Opfer von Faschismus
und Krieg (gegenüber »Hamburger
Bestattungsforum Ohlsdorf«)
Sonntag, 10. Mai, 12 Uhr
Einweihung der neuen Skulptur
auf dem Ehrenhain Hamburger
Widerstandskämpfer.
Redebeiträge: Ruth Barriff (Tochter
von Werner Stender und Nichte
von Ernst und Rudolf Stender), Ilse
Jacob, VVN-BdA Hamburg (Tochter
von Franz Jacob) und ein Vertreter
der Friedhofsverwaltung, ergänzt mit
Erläuterungen der beiden Bildhauer.
Veranstalterinnen: VVN-BdA in
Kooperation mit dem Förderkreis
Ohlsdorfer Friedhof e. V. und der
Friedhofsverwaltung
Ort: Friedhof Ohlsdorf, Ehrenhain
der Hamburger Widerstandskämpfer, nahe Haupteingang S-Bahn
Ohlsdorf
Begleitprogramm zur FIRAusstellung »Europäischer
Widerstandskampf«
Ort: Hauptgebäude der Universität
Hamburg, Westflügel (ESA W),
Edmund-Siemers-Allee 1
Mittwoch, 13. Mai, 19-21 Uhr
»Belgischer Widerstand« - Emil
Lakatos. Es referieren Heidburg
Behling und Thomas Käpernick.
Eine Kooperationsveranstaltung der
Arbeitsgemeinschaft Neuengamme
e. V. mit der VVN-BdA Hamburg
Donnerstag, 14. Mai,
11-17 Uhr
Seminar: »Neofaschismus und
Rechtspopulismus in Europa«.
antifa BEILAGE · MAI/JUNI 2015
Referent: André Aden, Recherche
Nord.
Veranstalterin: VVN-BdA Hamburg
in Zusammenarbeit mit Recherche
Nord, Anmeldung unter 0172 59
60 876
Donnerstag, 21. Mai,
19-21 Uhr
»Hamburger Widerstand der Gruppe
um Bernhard Bästlein, Franz Jacob
und Robert Abshagen«. Referentin:
Ilse Jacob, VVN-BdA Hamburg
Veranstalterin: VVN-BdA Hamburg
Weitere Veranstaltungen
20. April bis 31. Mai
Zweiter Monat des Gedenkens
Eimsbüttel
29. April bis 13. Mai
Vierte Woche des Gedenkens
in Bergedorf
Sonnabend, 2. Mai, 15 Uhr
Vorwärts und nicht vergessen!
Eimsbüttler Antifaschistischer
Stadtteilrundgang: Streiflichter
des Eimsbüttler Widerstandes
und Verfolgung zwischen 1933
und 1945.
Veranstalterinnen: VVN-BdA Hamburg-Eimsbüttel und Die LINKE
Stadtteilgruppe Eimsbüttel Nord.
Treff: U-Bahn Lutherotstr. (Ausgang
Lutherotstr., oben)
Donnerstag, 7. Mai, 17 Uhr
Rundgang zu den Stolpersteinen
in Bergedorf. Treffpunkt: Gewerkschaftshaus, Serrahnstr. 1, Hamburg
Donnerstag, 7. Mai, 11-18 Uhr
15. Marathonlesung aus den verbrannten Büchern, genau dort, wo
am 15. Mai 1933 NS-Studentenorganisationen und Burschenschafter
Bücher verbrannten.
Veranstalterin: Arbeitskreis »Bücherverbrennung – nie wieder!«
Ort: Platz der Bücherverbrennung,
Kaiser-Friedrich-Ufer/Ecke Heymannstraße
Sonntag, 10. Mai, 14 Uhr
Antifaschistischer Stadtrundgang
Bergedorf. Treffpunkt: Gewerkschaftshaus, Serrahnstr. 1, Hamburg
Mittwoch, 13. Mai, 19.30 Uhr
Lesung. Widerständiges Frauenleben - 8. Mai 1945
Hoffnungen, Erwartungen und
Kämpfe von Frauen für eine le-
benswerte Zukunft - Ida Ehre, Anna
Siemsen, Magda Langhans ... und
andere Frauen. Ort: Gemeindesaal
von Petri und Pauli, Bergedorfer
Schlossstraße 7
Sonnabend, 16. Mai, 15 Uhr
Rundgang: Zwangsarbeiterlager
in der Lederstraße. Referentin:
Anke Schulz.
Veranstalterin: VVN-BdA HamburgEimsbüttel
Treff: S-Bahn Stellingen vor der
Gedenktafel im Eingangsbereich
Sonntag, 17. Mai, 17 Uhr
Film »Der Mann von der Cap Arcona«.
Ort: Kommunales Kino METROPOLIS, Kleine Theaterstr. 10
Dienstag, 26. Mai, 17 Uhr
Gedenken heißt nicht schweigen
- szenische Lesung am Mahnmal
»Tisch mit 12 Stühlen«.
Das Mahnmal in Niendorf ist Hamburger Widerstandskämpferinnen
und Widerstandskämpfern gewidmet,
die von Tätern des NS-Regimes
ermordet wurden. Veranstalterin:
VVN-BdA Hamburg in Kooperation
mit Schülerinnen und Schülern des
Gymnasiums Ohemoor, Hamburg.
Ort: Mahnmal »Tisch mit 12 Stühlen«, Kurt-Schill-Weg, Hamburg
Niendorf-Nord
Sonnabend, 30. Mai, 15 Uhr
Rundgang Außenlager des KZ Neuengamme in Eidelstedt. Referentin:
Anke Schulz
Veranstalterin: VVN-BdA HamburgEimsbüttel
Treff: Bushaltestelle Franzosenkoppel
(Buslinien 186, Richtung Schenefeld;
185, Richtung Ellerhoop)
Sonntag, 28. Juni, 17 Uhr
Film »Ein Lied für Argyris«
Ort: Kommunales Kino METROPOLIS, Kleine Theaterstr. 10
Landesgeschäftsstelle VVN-BdA,
Landesvereinigung Hamburg,
Telefon: 040 / 31 42 54,
E-Mail: [email protected]
Wir bitten um Spenden für
die Hamburger VVN-BdA!
Spendenkonto: VVN-BdA Hamburg, HASPA,
IBAN: DE 78 2005 0550 1206 127183,
BIC: HASPDEHHXXX
9
AUS DEN L ANDESVEREINIGUNGEN UND VERBÄNDEN
HESSEN
Dörnigheim: Mit Texttafeln auf dem Platz soll des Widerstandes gedacht werden
Käthe-Jonas-Platz eingeweiht
Es war für viele ein schönes und ermunterndes Gefühl, als am
7. März in Maintal-Dörnigheim Menschen aus der örtlichen Politik,
aus Gewerkschaften, Vereinen, Kirchengemeinden, Parteien und
aus der hessischen VVN-BdA zusammengekommen waren, um
eine Frau aus der Arbeiterbewegung und der antifaschistischen Bewegung, aus dem Widerstand und der Verfolgung durch die Nazis,
eine engagierte Antifaschistin und Kommunistin zu ehren und einen zentralen Platz in diesem Stadtteil nach ihr zu benennen: nach
Käthe Jonas, 1902 in Dörnigheim geboren, 1977 verstorben.
Sie hatte mit anderen zusammen
Widerstand gegen die Nazis geleistet,
war verhaftet, zu Zuchthaus verurteilt und nach dem 20. Juli 1944
erneut festgenommen und ins KZ
verschleppt worden. Kaum befreit,
hatte sie sich sofort wieder engagiert
und vor Ort die VVN mitgegründet,
in der sie dann auch, ebenso wie in
der Kommunalpolitik und anderen
Zusammenhängen, aktiv wurde.
Die wenn auch späte Würdigung
der Antifaschistin Käthe Jonas und
die damit verbundene Platzbenennung
ist einer Initiative des DGB Maintal zu
verdanken, die dann von mehreren
Kräften vor Ort aktiv unterstützt und
schließlich vom Stadtparlament mit
Mehrheit beschlossen wurde.
Der Kreis der Engagierten ist
gegenwärtig dabei, wiederum mit
Unterstützung eine würdige Platzgestaltung vorzubereiten, die mit
drei Texttafeln an die Verfolgten
aus Dörnigheim erinnern und zur
Wachsamkeit mahnen soll. Für die
Platzgestaltung werden noch Mittel
gebraucht (Spenden erbeten an das
Brüder-Schönfeld-Forum, Stichwort
Käthe-Jonas-Platz, Sparkasse Hanau, IBAN: DE93 5065 0023 0053
0108 23).
An der Einweihung des KätheJonas-Platzes beteiligt waren u.a.
der Stadtverordnetenvorsteher,
ein Vertreter des Magistrats, die
Frauenbeauftragte der Stadt, der
Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde, natürlich der Hauptinitiator
und Vorsitzende des DGB Maintal,
Klaus Seibert, sowie Vertreter der
hessischen VVN-BdA und die Tochter
der Geehrten, Rosel Vadehra-Jonas,
langjährig aktiv in der VVN-BdA, u. a.
als Bundessprecherin, und in der
Lagergemeinschaft Ravensbrück.
Ernst Schwarz aus Frankfurt begleitete die Veranstaltung mit Liedern
aus der Arbeiterbewegung.
Ebenso erfreulich wie zukunftsorientiert ein Ereignis am Rande der
Veranstaltung: Einige Teilnehmerinnen
wollen sich bald einmal treffen mit
der Absicht zu überlegen, wie die
VVN-BdA vor Ort wieder reaktiviert
werden könnte.
links: DGB-Vorsitzender Klaus
Seibert mit Liedermacher Ernst
Schwarz
unten: Rosel Vadehra-Jonas nach
der Enthüllung des Platz-Schildes
Fotos: Sigrid Kargl
Peter Christian Walther, Landessprecher der VVN-BdA Hessen
(Foto: Christian Wolf)
P.C. Walther
Tage der Befreiung 1945 – Kassel
Griechenland-Solidarität
Zum 70. Jahrestag der Befreiung
der Stadt legte die VVN-BdA Kreisvereinigung Kassel eine 48-seitige
Broschüre zu den Stichworten
»Tiger-Stadt – Trümmerstadt –
Träume einer neuen Zeit« auf. In
kurzen Beiträgen zu Verfolgung und
Widerstand, zu den Verbrechen in
den letzten Kriegstagen, denen
Häftlinge des Zuchthauses Wehlheiden, 78 italienische Zwangsarbeiter
und Gefangene des Arbeitserziehungslagers Breitenau zum Opfer
fielen, und zu den Ansätzen des
antifaschistisch-demokratischen
Neubeginns wird das Jahr 1945 für
Nachgeborene lebendig gemacht.
In Frankfurt am Main hat sich
eine Griechenland-Solidarität
Frankfurt-Rhein-Main gebildet.
Zu den Initiatoren gehören die
regionalen Vorsitzenden des DGB
und der IG Metall, Harald Fiedler
und Michael Erhardt, sowie der
frühere DGB-Landesbezirksvorsitzende Dieter Hooge.
Zur Unterstützung und Mitarbeit
bereit erklärt hat sich auch die
VVN-BdA Kreisvereinigung Frankfurt am Main und Umgebung.
»Wir meinen, dass die deutschen
Nazi-Verbrechen in Griechenland
und die nach wie vor praktizier-
10
In einem abschließenden Beitrag
wird die Bedeutung des historischen
Erinnerns für heute nachgezeichnet. Schon vor zehn Jahren wurde
dieses Material mit guter Resonanz
vorgestellt. Als Herausgeberkreis
fungieren der DGB – Region Nordhessen, die Gedenkstätte Breitenau,
das Kasseler Friedensforum und
die Kreisvereinigung Kassel der
VVN-BdA.
Die Broschüre wird für 3 € (zuzügl.
1 € Porto) verbreitet. Sie kann
bestellt werden bei: VVN-BdA
Kassel, Kirchditmolder Str. 11,
34131 Kassel
ten Versuche, Entschädigungen
ebenso zu verweigern wie eine
Rückzahlung des Zwangsdarlehens, uns als antifaschistische
Organisation geradezu verpflichten,
Solidarität mit den betroffenen
Menschen in Griechenland zu
leisten und die griechischen
Forderungen zu unterstützen«,
heißt es in einer Erklärung der
Frankfurter VVN.
Siehe auch unter https://griechenlandsolidaritaetffm.wordpress.com
BEILAGE · MAI/JUNI 2015 antifa
AUS DEN L ANDESVEREINIGUNGEN UND VERBÄNDEN
HESSEN
8. Mai 2015 auf dem Frankfurter Römerberg
Ein großes Fest der Befreiung
Den 70. Jahrestag der Befreiung vom deutschen Faschismus und seinem massenmörderischen Krieg hat die VVNBdA in Frankfurt am Main zum Anlass genommen, auf
dem zentralen Platz der Stadt, dem Frankfurter Römerberg, ein »Fest der Befreiung« zu organisieren. Es findet
am 8. Mai 2015 in der Zeit von 14.00 bis 21.00 Uhr statt.
Ergebnis der vorbereitenden Diskussionen war die Feststellung: Es
besteht Anlass genug, die Befreiung
vor 70 Jahren mit einem Fest zu feiern
und so an dieses Ereignis und an
alles, was damit zusammenhängt, zu
erinnern. Weil erinnern immer auch
heißen soll, die Erinnerungen für die
Gegenwart und die Zukunft anzuwenden, nennen wir es zugleich »ein
Fest der Verständigung und Toleranz,
gegen Neonazismus, Rassismus und
Antisemitismus, gegen Fremdenhass
und Menschenfeindlichkeit«.
In ihren Ansprachen werden Stefan Körzell (DGB-Bundesvorstand),
Prof. Ullrich Gottstein (IPPNW) und
der Auschwitz-Überlebende Heinz
Hesdörffer dies auch zum Ausdruck
bringen.
Die Schirmherrschaft über das
Fest hat Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann übernommen,
der mit seinem Grußwort auch den
Auftakt geben wird.
Danach wird es dann keine großen
Reden mehr geben. Festgemäß
werden vielmehr neun Künstler-,
Musik- oder Gesangs-Gruppen auf
der großen Bühne vor
dem Frankfurter Rathaus
Römer auftreten. Bettina Kaminski vom Freien
Schauspiel Frankfurt wird
das Ganze moderieren.
Gelegenheit, Gespräche
über Themen zum 8. Mai
gestern und heute zu
verfolgen, bieten drei
Gesprächsrunden im
Haus des Frankfurter
Kunstvereins, ebenfalls
am Römerberg gelegen.
Unterstützt wird das
gesamte Projekt der Frankfurter VVN-BdA von 35 Frankfurter
Organisationen, Institutionen und
Initiativen. Eine solche Breite an Unterstützung für eine VVN-Veranstaltung
hat es bislang wohl kaum gegeben.
Von Seiten der Frankfurter Parteien
wurde eine Unterstützung keineswegs
abgelehnt; vielmehr war von Unterstützern darum gebeten worden,
das Projekt »parteifrei« zu halten.
Nahezu alle Unterstützer werben in
ihren Publikationen und online für die
Veranstaltung. P.C. Walther
Aus dem Aufruf der VVN-BdA zum 8. Mai:
»Es ist an der Zeit!«
Der 8. Mai 1945 markiert das Ende
der faschistischen Diktatur in Deutschland….
Allerdings sprach erst 1985 ein
deutscher Bundespräsident, Richard
von Weizsäcker, vom »Tag der Befreiung«. Zuvor war 40 Jahre lang
die öffentliche Wahrnehmung von
Begriffen wie Kapitulation, Niederlage und Zusammenbruch geprägt.
Jahrzehntelang bestimmten heimliche
und offene Sympathisanten und EwigGestrige das Bewusstsein mit. Das ist
keineswegs überwunden. Rassismus,
Antisemitismus und menschenfeindliche
Einstellungen sind weit verbreitet….
Dass wir und die Generationen,
die nach 1945 geboren wurden, das
Leben in relativ großer Freiheit führen
können, verdanken wir der Befreiung
Deutschlands von der Nazi-Herrschaft
durch die Antihitlerkoalition und dem
Widerstand in vielen Ländern Europas.
Wir wollen diese Befreiung feiern
und zur Sensibilisierung dafür beitragen, dass die Errungenschaften, die
damit verbunden sind – die Garantie
der Menschen- und Bürgerrechte, wie
sie im Grundgesetz festgeschrieben
sind – ein hohes Gut darstellen, das
gegen alle Angriffe verteidigt werden
muss….
Damit die Bedeutung des 8. Mai
1945 untermauert und gefestigt wird,
fordern wir, dass der 8. Mai als Tag der
Befreiung von Faschismus und Krieg
auch und gerade in Deutschland ein
gesetzlicher Feiertag wird.
antifa BEILAGE · MAI/JUNI 2015
Redaktion: P. C. Walther
Landesverband der VVN-BdA Hessen,
Eckenheimer Landstraße 93,
60318 Frankfurt a. Main,
Telefon und Fax: 069 / 5 97 05 24
Wir bitten um Spenden für den Landesverband
Hessen! Spendenkonto: VVN-BdA Hessen
Postbank Frankfurt
IBAN: DE86 5001 0060 0049 3306 02
BIC: PBNKDEFF
Gespräche
Im Haus des Frankfurter Kunstvereins,
am Römerberg gelegen, finden in
der Zeit von 15.00 bis 18.00 Uhr
diese Gesprächsrunden von jeweils
45 Minuten Dauer statt:
15.00 Uhr: »…endlich die
Befreiung/Gespräche mit Überlebenden«; moderiert von Rabbiner
Andrew Steimann.
16.00 Uhr: »Aufbruch in eine
neue Zeit/Erwartungen nach 1945«;
moderiert von Christine Dreier.
17.00 Uhr: »Leben mit der
Geschichte der Eltern/Gespräche mit Kindern von Verfolgten«;
moderiert von Anne Kahn.
Große Bühne vor dem Rathaus Römer:
• Emil Mangelsdorff (Frankfurt)
• Klaus, der Geiger (Köln)
• Bernd Köhler und Hans Reffert,
»ewo2« (Mannheim)
• Trio Terz (Frankfurt)
• Roman Kuperschmidt Klezmer
Band (Frankfurt)
• Manfred Maurenbrecher, Liedermacher und Autor (Berlin)
• Duo Urziceanu, Sinti- und RomaPhilharmonie
• Prosechós (Griechenland/Frankfurt)
• Jazz-Chor O-Töne (Frankfurt)
• The Ohohohs, wild rockende LivePerformance (Frankfurt)
Moderation und Zwischentexte:
Bettina Kaminski (Freies Schauspiel Frankfurt) und direkt auf
dem Römerberg: »Stelzen-Engel«
Enaya Dayeh
Sie alle unterstützen das Fest der Befreiung:
• Frankfurter Römerbergbündnis
• DGB Stadtverband Frankfurt
• IG Metall Frankfurt
• ver.di Frankfurt und Region
• GEW Frankfurt
• Jüdische Gemeinde
• Frankfurter Jugendring
• StadtschülerInnenrat Frankfurt
• DGB-Jugend Frankfurt
• Jugend- und Kulturverein
• Ev. Gemeindejugendvertretung
• Arbeiterwohlfahrt Frankfurt
• NaturFreunde Frankfurt
• Bildungsstätte Anne Frank
• Förderverein Fritz Bauer Institut
• Studienkreis Deutscher Widerstand
• Lagergemeinschaft Auschwitz –
Freundeskreis der Auschwitzer
• Henry und Emma Budge-Stiftung
• Freies Schauspiel Frankfurt
• attac-Frankfurt
• Sportkreis Frankfurt
• Gegen Vergessen – Für Demokratie
• Leben und Arbeiten in Gallus &
Griesheim
• Förderverein Roma
• Initiative 9. November
• Verband der Migrantinnen
• Initiative Faites votre jeu!
• Ökum. Netzwerk Initiative Kirche
von unten
• Aktion Sühnezeichen Friedensdienste
• IPPNW Regionalgruppe Frankfurt
• DFG-VK Frankfurt
• Friedens- und Zukunftswerkstatt
• Club Voltaire
• Ettie u. Peter Gingold Erinnerungsinitiative
• Emil Carlebach Club
11
AUS DEN L ANDESVEREINIGUNGEN UND VERBÄNDEN
N I E D E R S AC H S E N
Neuer Glanz für Stolpersteine in Hannover
Erinnerungspflege
Die Idee entstand in Osnabrück und wurde dort von unserer Kameradin Lisa Böhne umgesetzt. Lisa ist unserem Ehrenmitglied Ruth
Gröne freundschaftlich verbunden, und so gelangte die Idee nach
Hannover: Stolpersteine verlieren über die Jahre ihren Messingglanz, den aufzufrischen bedarf des tatkräftigen Einsatzes Freiwilliger und einer geeigneten Ausrüstung an Putzmitteln.
Schülerinnen und Schüler putzen die Stolpersteine in Hannover vor dem Haus Wissmannstraße 11-13
Foto: Reinhold Weismann-Kieser
Lisa fertigte dafür geeignete handliche Jutebeutel und es gelang,
in Osnabrück damit Schulklassen
auszurüsten, die sich dort der Stolpersteine annehmen.
Mit Unterstützung des Amtes für
Erinnerungskultur der Landeshauptstadt wurde nun die Klasse 9c der
benachbarten Wilhelm-Raabe-Schule
für eine Patenschaft für die 65 Stolpersteine in der Wissmannstraße
11 bis 13, die an die ermordeten
jüdischen Bewohnerinnen und
Bewohner dieser beiden Häuser
erinnern, gewonnen. Lisa Böhne war
auf Einladung der Landeshauptstadt
eigens angereist, um einen Beutel
mit den Utensilien zu übergeben.
Ruth Gröne, die ihre Kindheit in
dem Haus Nr. 11 verbracht hatte,
berichtete über ihre Erlebnisse und
das Schicksal ihrer Familie, an das
drei Stolpersteine erinnern: an die
Großeltern Frida und Herman Kleeberg, 1941 nach Riga deportiert und
ermordet und an ihren Vater Erich
Kleeberg, 1944 nach Neuengamme
verschleppt und 1945 in Sandbostel
an den mörderischen Haftfolgen
verstorben.
Nach Grußworten, darunter vom
Bezirksbürgermeister Lothar Pollähne
und dem Rabbi der Liberalen Jüdischen Gemeinde, Gàbor Lengyel,
wurde der Beutel mit den Requisiten an den Schulleiter übergeben.
Inzwischen hatten Schülerinnen und
Schüler schon die ersten Stolpersteine wieder auf Glanz gebracht.
rwk
Kriegsendphasenverbrechen in Hannover
Gedenken in Seelhorst
Am 6. April 1945 – die Befreiung durch die Alliierten Truppen
stand kurz bevor – fand eines
der brutalsten Massenverbrechen der Faschisten in Hannover
statt: die Erschießungen auf
dem Seelhorster Friedhof. 153
Menschen, vorwiegend Bürger
der Sowjetunion, Kriegsgefangene, Zwangsarbeiterinnen und
Zwangsarbeiter, wurden von einem
Gestapo-Kommando ermordet und
in einem Massengrab verscharrt.
Nur einer, Hauptmann Palnikow, entkam. Er enthüllte dieses
Verbrechen den einrückenden
Alliierten. Diese zwangen stadtbekannte Faschisten, die Opfer zu
exhumieren. Dabei wurden noch
weitere Massengräber entdeckt.
Insgesamt fand man 526 Tote.
386 von ihnen wurden am 2. Mai
zum Maschsee überführt und dort
bestattet. Die anderen fanden
auf dem Seelhorster Friedhof
ihre letzte Ruhestätte. Über das
Ehrenmal am Maschsee und die
Gedenkfeiern zum 8. Mai und
1. September wurde an dieser
Stelle schon mehrmals berichtet.
Zum 70. Jahrestag des Verbrechens fand auf dem Stadtfriedhof
Seelhorst eine Gedenkstunde statt,
ausgerichtet von der Landeshauptstadt und der IG Metall. Deren
1. Bevollmächtigter, Dirk Schulz,
und Oberbürgermeister Stefan
Schostok sprachen Grußworte
und legten einen Kranz nieder.
Unsere Kreisvereinigung beteiligte
sich mit einem Gebinde.
rwk
Ostermarsch in Wolfsburg
»Für eine bunte und tolerante Stadt«
Am Ostersamstag fand in Wolfsburg zum zweiten Mal in Folge ein
Ostermarsch statt. Aufgerufen hatte wieder der DGB-Stadtverband
gemeinsam mit der VVN-BdA Wolfsburg und der Bildungsvereinigung Arbeit und Leben.
In dem Aufruf unter dem Motto »Für
Frieden und Völkerverständigung.
Verhandlungen statt Konfrontation« heißt es: »Wir sagen Nein zu
Rassismus, Nationalismus und der
Diskriminierung von Flüchtlingen, aber
auch zu religiösem Fundamentalismus
– egal ob er sich christlich, islamisch
oder sonst wie nennt. Wir treten
ein für ein buntes und tolerantes
Wolfsburg, in der Menschen nicht
aufgrund von Herkunft, Hautfarbe,
Artikel und Fotos (in hoher Auflösung) für
das MTB bitte bis zum 8. in geraden Monaten
immer an [email protected]
VVN-BdA Landesvereinigung Niedersachsen e.V.,
Rolandstr. 16, 30161 Hannover, Tel.: 0511-331136,
FAX: 0511-3360221, E-Mail: [email protected]
vvn-bda.de. Wir würden uns über Spenden für
die Arbeit unserer Landesvereinigung auf das
Konto bei der Postbank Hannover, IBAN DE17
2501 0030 0007 5103 07, BIC PBNKDEFF, sehr
freuen. Redaktion: Michael Rose-Gille
Kultur oder Religion, Geschlecht oder
sexueller Orientierung ausgegrenzt
und abgewertet werden.«
Bei gutem Wetter nahmen ca.
120 Menschen teil, die Reden vom
1. Bevollmächtigten der IG Metall
Wolfsburg, Hartwig Erb, und der
Superintendentin des Evangelischen
Kirchenkreises Wolfsburg, Prof. Dr.
Hanna Löhmannsröben, hörten.
Die beiden forderten, mehr Geld
für Bildung und Soziales bereit
zu stellen anstatt es für Rüstung
auszugeben. Die Spirale von Gewalt
und Terror müsse durch Verhandlungen und Bekämpfung der sozialen
Misere in vielen Ländern der Welt
gestoppt werden. Sie kritisierten,
dass Deutschland inzwischen zu
den Hauptexporteuren von Rüstungsgütern gehört.
Die VVN-BdA Wolfsburg war gut
sichtbar auf dem Ostermarsch vertreten. Auch in den Abendnachrichten
des NDR-Fernsehens wurde über den
Wolfsburger Ostermarsch mit einem
kurzen Filmbeitrag berichtet, der
auch unser VVN-Transparent zeigte.
Alfred Hartung
Friedenstransparent des Wolfsburger Ostermarsches 2015. Foto: M. Hartung
12
BEILAGE · MAI/JUNI 2015 antifa
AUS DEN L ANDESVEREINIGUNGEN UND VERBÄNDEN
N I E D E R S AC H S E N
Faschistische »Ludendorffer« tagten Ostern wieder in Dorfmark
»Gefahr für die Demokratie«
Seit 40 Jahren hält der »Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff) e.V.«
im niedersächsischen Dorfmark seine Ostertagung ab. Fast alle
Hotel- und Pensionsbetten sind dann belegt. Proteste dagegen,
gerichtet an Rathaus und Lokalzeitungen, gibt es seit 30 Jahren
und seit 2007 regelmäßig Straßenproteste.
Das »Bündnis gegen Ludendorffer« protestiert gegen die Ostertagung der extrem rassistischen Organisation
im niedersächsischen Dorfmark. Foto: reuter
Dorfmarker Honoratioren und
Stammtischbrüder verteidigen ihre
»harmlos-friedlichen« und Geld ins
Dorf bringenden Ludendorffer. Ja,
selbst rassistische Beleidigungen
gegen Demonstrierende des Internationalen Jugendworkcamps
Bergen-Belsen und das Zeigen
des Hitler-Grußes vor laufenden
Fernsehkameras trauten sich einige
Dorfmarker.
Inkonsequente Justiz
Die Ludendorffer tagten in Dorfmark bereits vor 1977, also zu einer
Zeit, als die Organisation noch
verboten war. Der 1937 gegründete
heidnisch-germanische Verein war
nach 1945 verboten, wurde 1951 neu
gegründet und 1961 erneut verboten.
Nach langem Rechtsstreit hob ein
bayrisches Verwaltungsgericht 1977
das Verbot wegen Verfahrensfehlern
auf. Die ideologische Gründerin
Mathilde Ludendorff wurde 1950
in einem Entnazifizierungsverfahren
zunächst als Hauptschuldige, später
als Belastete eingestuft. Der »Bund
für Gotterkenntnis (Ludendorff) e.V.«
ist eine Erfindung der selbsternannten
Philosophin Mathilde Ludendorff
und wurde als sogenannter »Glauben« propagandistisch unterstützt
von ihrem Gatten, dem General
des Ersten Weltkriegs und HitlerPutsch-Gefährten von 1923, Erich
Ludendorff. Die Schriften der Gründer
sind bis heute für die Ludendorffer
so zentral wie die Bibel für Christen.
Völkischer Rassismus in Reinkultur
Die Lehre der Ludendorffer ist ein
Konglomerat aus Verschwörungstheorien. Ein paar Zitate: Dieser
Herrenmenschenglaube teilt die
Menschen in »Licht- und Schachtrassen«. Die nordischen »Lichtrassen«
seien »dem Göttlichen nahe«, die
»Schachtrassen« »unvollkommen und
sündhaft«. Die einen seien von Natur
aus zum Herrschen, die anderen
zum Dienen bestimmt. »Deutsche
Gotterkenntnis ist abhängig vom
Rasseerbgut«, heißt es bei Mathilde
Ludendorff. Aus diesem Grund führe
»Blutsmischung« zum »Volkstod«. Das
»entwurzelte jüdische Volk« erstrebe
die Weltherrschaft in Gestalt von
Kommunismus, Freimaurertum und
katholischer Kirche, die in Wahrheit
»verjudete« Inhalte vertrete. Deutsche
Kinder würden durch eine »verjudete
christliche Erziehung« geschädigt.
Nazitreffen
Dass die Ludendorffer auch vor
Ort keineswegs harmlos und friedlich
sind, haben sie in Dorfmark längst
bewiesen. Ostern 2010 griff eine
Gruppe von Ludendorffern Journalisten an, die den prominenten Altnazi
Hajo Herrmann fotografieren wollten.
Mehrfach in Dorfmark dabei war
der bekannte Nazi-Aktivist Steffen
antifa BEILAGE · MAI/JUNI 2015
VERANSTALTUNGEN
ZUM 8. MAI
Hannover
Hupka. 2012 erging er sich erst in
Drohgebärden und zerschlug dann
die Kamera eines Journalisten. Gern
gesehener Tagungs-Gast ist auch
die bekannte Holocaust-Leugnerin
Ursula Haverbeck-Wetzel.
8. Mai, 16 Uhr: Gedenkstunde für die ermordeten sowjetischen Kriegsgefangenen, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, Mahnmal am
Maschsee-Nordufer.
Veranstalter: IG Metall Hannover, Projekt
Erinnerungskultur der Landeshauptstadt.
Die Protestbewegung
8. Mai, 17 Uhr: »8. Mai. Befreiung – was
sonst!« Gedenkstunde am Mahnmal für das
ehemalige Gerichtsgefängnis Hannover, Lister
Meile. Anschließend kleines Fest im Kulturzentrum »Pavillon«, Getränke und Imbiss, Filmvorführung und Musik (Ramons Gitarrenduo).
Veranstalter: VVN/BdA KV Hannover
Das »Bündnis gegen Ludendorffer« aus Gewerkschaften, Parteien
und Initiativen, darunter auch die
VVN-BdA, organisierte seine Straßenproteste an zwei Tagen.
Wirtschaftlicher Druck eines
potenten Kunden nach dem Motto
»wenn ihr weiter Ludendorffer bewirtet, dann kommen wir nicht mehr«
führte nach nunmehr 40 Jahren
dazu, dass das bisherige Haupttagungslokal erstmalig in diesem Jahr
keine Ludendorffer beherbergte
und bewirtete. Die antisemitische,
rassistische Organisation musste
sich auf den »Gasthof zur Post«
konzentrieren und bekam zweitägige
Protestaktionen vor die Tür. Während draußen Spottverse auf die
Ludendorffer gesungen wurden, gab
es drinnen Vorträge, Volkstanz und
Kinderprogramm. Über 30 Kindern
und weiteren Jugendlichen wurde
von den Erwachsenen die »arische
Volksgemeinschaft« antrainiert.
Erste Erfolge
Das »Bündnis gegen Ludendorffer«
kann nach vielen regelmäßigen Protesten endlich einen Teilerfolg feiern,
betonten alle beteiligten Gruppen.
Nach jahrzehntelanger Verharmlosung
der rassistischen Organisation durch
den Verfassungsschutz schickte
jetzt Niedersachsens Innenminister
Boris Pistorius dem »Bündnis gegen
Ludendorffer« ein Grußtelegramm.
DGB-Kreisvorsitzender Charly Braun
nahm das in seiner Rede auf und
forderte vom Innenminister, die
Auflösung der Ludendorffer zu betreiben sowie mit der Bespitzelung der
antirassistischen Proteste durch den
polizeilichen Staatsschutz Schluss zu
machen. SPD-Landtagsabgeordneter
Michael Höntsch will sich für Beobachtung der Ludendorffer durch
den Verfassungsschutz einsetzen.
Der Weltanschauungsbeauftragte
der evangelischen Landeskirche
Hannover nannte die Ludendorffer
»eine Gefahr für die Demokratie«.
»Bündnis gegen Ludendorffer«
Peine
8. Mai, 16 Uhr : Kranzniederlegung am Ehrenmal der VVN-BdA im Peiner Herzberg.
Begrüßung: Peter Baumeister, VVN-BdAKreisvorsitzender und Kreistagsmitglied.
Grußwort: Eva Schlaugat, 1. stellvertretende
Landrätin. Ansprache: Hubertus Heil, MdB
und stellvertretender Vorsitzender der SPDBundestagsfraktion.
Musikalische Umrahmung: Horst Redemann
Wolfsburg
8. Mai, 16.15 Uhr: Kranzniederlegung an der
Gedenkstätte am Laagberg durch Vertreter
der Stadt
8. Mai, 16.30 Uhr : Kranzniederlegung am
Denkmal für die Zwangsarbeiter durch Vertreter der Stadt
8. Mai, 17.00 Uhr: Gedenkveranstaltung an der
Gedenkstätte für die Opfer des Faschismus.
Werderstraße/Lydia-Stowbun-Weg
Moderation: Betty Rannenberg. Ansprachen:
Herr Oberbürgermeister Klaus Mohrs, Herr
Dechant Thomas Hoffmann.
Gestaltung der Gedenkfeier durch Schülerinnen
und Schüler des 10. Jahrgangs des AlbertSchweitzer-Gymnasiums unter der Leitung von
Herrn Steffen Gerlach.
Ansprache: Herr Jan Schulze, Enkel Ludwig
Klingemanns.
Musikalische Gestaltung: IG-Metall-Chor
Gegenwind.
8. Mai, 19.00 Uhr: Gesprächskonzert zum
Tag der Befreiung: Torsten Stelzner – Sarah
Nonnenmacher – Bastian Zimmermann
Haus der Jugend, Kleiststr. 33:
10. Mai, 17.00 Uhr: Gedenkfeier zum 70.
Jahrestag der Befreiung.
Es beteiligen sich jüdische, islamische und
christliche Religionsgemeinschaften, die Nordstadtkirchengemeinde und der Wolfsburger
Verein Erinnerung und Zukunft e. V.
St. Marienkirche, Schlossstr. 15.
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AUS DEN L ANDESVEREINIGUNGEN UND VERBÄNDEN
NO R D R H E I N -WE STFA LE N
50 Friedensfreunde gegen
die Speers
im Deutsch-Niederländisch pitze
en Korps.
Ostermarsch mit dem Fahrrad in Münster 2015
Gegen die NATO-Speerspitze
Auch in Münster fand einer der 100 bundesdeutschen Ostermärsche
statt. Man traf sich vor dem Münsteraner Schloss. Mit den Rädern
wurden einige Stationen von Krieg und Frieden in Münster angefahren, an denen jeweils kurz auf deren Bedeutung eingegangen wurde.
Schon der erste Haltepunkt war einer
der Höhepunkte: An der Zentrale des
Deutsch-Niederländischen Korps
wurde von Hubertus Zdebel, MdB der
Linken aus Münster, auf die aktuelle
Militarisierung in der Bundesrepublik
hingewiesen. Von hier aus – dem
Deutsch-Niederländischen Korps –
wird die neue Schnelle Eingreiftruppe
»Speerspitze« als Drohgebärde gegen
Russland gesteuert. Die Politik der
NATO ist damit nicht auf Deeskalation und Friedensförderung aus,
sondern durch die Entsendung von
immer mehr Militärberatern in die
Krisenherde der Welt (z. B. Ukraine)
selbst zum Risiko geworden.
An weiteren Stationen der Radtour wurden auch positive Aspekte
der Entwicklung der Konversion in
Münster deutlich gemacht: In einer
ehemaligen Kaserne befindet sich
nun die Fachhochschule für Design
und Architektur, in einem anderen
ehemals militärischen Areal wurde
bezahlbarer Wohnraum geschaffen.
Empörung über Gerichtsurteile zugunsten der Mörder
Gedenken an Thomas Schulz
Am 28. März jährte sich zum zehnten Mal der Tod von Thomas
Schulz, einem Punk, genannt Schmuddel. Er wurde von einem
17-jährigen Nazi erstochen. Zur »Würdigung« dieses Verbrechens
und des Täters sind rund 700 Nazis mit Genehmigung der Justiz in
Dortmund aufmarschiert, um die Opfer der Neonazis zu verhöhnen.
Zugleich fanden – von der Justiz und
Polizei behinderte – Protestaktionen dagegen statt, an denen sich
über 2.500 Menschen beteiligten.
Im Rahmen der Aktionen dieses
Tages – Blockadeversuche, Demonstrationen – riefen das Bündnis
»Dortmund gegen rechts« und die
VVN-BdA am Tatort des Mordes an
der U-Bahnstation Kampstraße zu
einer Gedenkveranstaltung auf. Für
die Veranstalter sprach Ula Richter
vor rund 300 Antifaschistinnen und
Antifaschisten. Sie sagte u. a.:
»An diesem 28. März dürfen
Nazibanden durch Dortmund marschieren und diese Schandtat ihres
Kameraden Sven Kahlin außerdem
mit einem Nazi-Konzert feiern. Eine
ungeheure Provokation, für alle, die
Thomas Schulz nahe standen, für
alle Demokraten/Demokratinnen
und Antifaschisten/Antifaschistinnen.
›Die Machtfrage wurde gestellt und
für uns befriedigend beantwortet.
Dortmund ist unsere Stadt!‹, stand im
März 2005 auf den Naziaufklebern,
und auf ihren Plakaten hieß es: ›Wer
der Bewegung im Wege steht, muss
mit den Konsequenzen rechnen.‹
Und ›No tears for punks!‹ – Zynismus
und Menschenverachtung, die auf
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der verbrecherischen Ideologie des
Faschismus fußen. Empörend das
Gerichtsurteil damals: keine politische
Straftat, kein Mord, sondern eine
spontane Tat aus plötzlicher Wut und
Verärgerung, erkannten die Richter und
verpassten dem ›spontanen Wüterich‹
eine Jugendstrafe.« Er saß nur fünf
Jahre – und setzte seine Attacken
mit Körperverletzungen o. ä. fort.
Weitere Mordtaten der Nazis in
Dortmund waren 2000 der dreifache Polizistenmord des Neonazis
Michael Berger und der NSU-Mord
an Mehmet Kubasik am 4. April
2006. Diese Taten wurden nie
vollkommen aufgeklärt.
U.S.
Fotos: r-mediabase.eu
Aber auch an Münsters kleinstem Friedhof wurde Halt gemacht.
Hier erinnerte Detlef Lorber (VVN-BdA
Münster) an zehn junge Mitbürger,
die noch am 2. April 1945 für den
»Endsieg« sterben mussten. Junge
Abiturienten aus Westfalen wurden
unter Waffengewalt gezwungen, mit
Pistolen und einfachen Gewehren
gegen die Panzer der anrückenden
US-Truppen zu schießen. Die Panzer
der Befreier haben das Feuer erwidert
und so wurden zehn junge Menschen
getötet. Der verantwortliche Offizier
hat sich wenige Stunden später
selbst gerichtet.
Dieser kleine Friedhof zeigt den
Irrsinn des Krieges in aller Deutlichkeit! (mb)
Der 8. Mai in NRW – 70. Jahrestag der Befreiung
von Krieg und Faschismus.
5. Mai, 17 Uhr,
Bochum: Gedenken
an die Erschießungen
der Gestapo kurz vor
Kriegsende. Mit MdB
Sevim Dagdelen. Gedenktafel am Eingang
des Stadtparks
6. Mai, 18 Uhr,
Oberhausen: »Niemals
und niemanden vergessen«. Zwei Töchter erzählen von ihren Vätern, die
als Widerstandskämpfer
in eines der ersten KZ
in Esterwegen gebracht
wurden. Ruhrwerkstatt,
Akazienstr. 82
8. Mai, 16 Uhr, Bochum: Gedenkweg Gräber der Zwangsarbeiter
und Widerstandskämp-
fer. Auskunft: sozialeli- veranstaltung und [email protected] monstration zum Tag der
Befreiung. Anschließend
8. Mai, 16 bis 20 Befreiungsparty in der
Uhr, Dortmund: »70 Baracke am Aasee,
Jahre Befreiung von Zwinger
Faschismus und Krieg«
werden gefeiert vom 8. Mai, 18 Uhr, DüsBündnis »Dortmund ge- seldorf: Demonstration
gen rechts«, DIDF und und Kulturfest. RatVVN-BdA Dortmund. hausplatz
Platz vor der Josephskirche in der Münsterstr. 8. Mai, 18.30 Uhr,
Duisburg: »Neofaschis8. Mai, 16 Uhr, Kre- mus in Deutschland«. Anfeld: Gedenken zum 70. lässlich der Ausstellung
Jahrestag der Befreiung. findet ein Gottesdienst
Friedhof
mit Redebeiträgen der
VVN und einer Predigt
8. Mai, 17 Uhr, Wup- des Superintendenten
pertal: »Der 8. Mai der ev. Kirche Duisburg,
1945 war ein Tag der Armin Schneider, statt.
Befreiung«. Mahngang, Salvatorkirche, Burgplatz
anschließend Gedenkveranstaltung auf dem 9. Mai, 17 Uhr, DüsFriedhof Norrenberg.
seldorf: Gedenken am
Schule Meyerstr.
sowjetischen Ehrenfriedhof. Ehrenmal Am
8. Mai, 18 Uhr, Gallberg
Oberhausen: Demo
zum Jahrestag des Sie- 9. Mai, 13 Uhr, Boges der Soldaten und chum: Demonstration
Soldatinnen der Alliierten und Kundgebung von
über Nazi-Deutschland. Gewerkschaftern. MasFriedensplatz
senbergstr.
8. Mai, 18 Uhr, Weitere 8. Mai-Termine siehe
Münster: Gedenk- www.nrw.vvn-bda.de
BEILAGE · MAI/JUNI 2015 antifa
AUS DEN L ANDESVEREINIGUNGEN UND VERBÄNDEN
NO R D R H E I N -WE STFA LE N
3.000 bei der Gedenkkundgebung für die Opfer der Karfreitagsmorde
Ein deutsch-französischer Friedensappell
Gut 3.000 Menschen haben am Karfreitag in der Dortmunder
Bittermark der 300 Opfer der Kriegsendphasenverbrechen in den
Wochen um Karfreitag 1945 gedacht.
Jean Chaize (Präsident der Nationalen
Französischen Vereinigung der Opfer
der Zwangsarbeit in Nazideutschland)
mahnte dringend zum Frieden in
Europa, den er erheblich gefährdet
sieht. Die Rede des 92-jährigen
ehemaligen Zwangsarbeiters wurde
in einer Zeit, da uns fast täglich
gemeinsame Hochrüstungspläne
der beiden Länder in den Medien
serviert werden – angeblich gegen
eine Aggression Russlands nötig –
zu einem bewegenden Appell, aus
der Geschichte zu lernen.
Ernst Soeder (ehem. Gewerkschaftssekretär und Vorsitzender
des Fördervereins Gedenkstätte
Steinwache/Internationales Rombergparkkomitee) erklärte, der Eindruck
vieler Antifaschisten in Dortmund
sei, dass hier eine kleine Clique von
Nazis das ganze Dortmund terrorisiere
und die Stadt wie auch Polizei hilflos
zusehe. Er kritisierte besonders die
Justiz, der eine Schlüsselrolle bei
den Handlungen zugunsten der
Nazis zukommt und erinnerte an die
Strafverfahren gegen Antifaschisten, die sich den Nazis widersetzt
hatten, ferner an die Genehmigung
»nationalsozialistischer Propaganda«
durch die Verwaltungsgerichte und
das BVerfG. »Es ist an der Zeit, dass
auch einmal die Justiz beginnt, ihr
Verhältnis zu Recht und Freiheit neu
zu ordnen.« Auch Oberbürgermeister
Ulrich Sierau (SPD) verlangte das
Verbot der NS-Nachfolgeorganisation
»Die Rechte«.
Zum Erfolg der Kundgebung trugen wieder die »Botschafter der
Erinnerung«, eine 120-köpfige Jugendbewegung in Dortmund, und
der Heinrich-Czerkus-Lauf bei. 600
Sportler ehrten mit dem Lauf den
Borussia-Mann Czerkus, der im
März 1945 ermordet wurde. U.S.
Abschluss des dreitägigen Ostermarsches Rhein-Ruhr: Ostermontag von Bochum-Werne nach Dortmund.
Heute im Sinne der Opfer handeln
In diesem Jahr wurde nach 70
Jahren das gesamte Vorgehen der
Nazis im Frühjahr 1945 in den Blick
genommen. Es konnten diesmal 50
Vertreter aus Städten mit Kriegsendopfern begrüßt werden. Sie
kamen aus den Niederlanden und
aus Deutschland, u. a. aus Amster-
Tagung des Internationalen Rombergparkkomitees im Rathaus von Dortmund. antifa BEILAGE · MAI/JUNI 2015
Fotos: Günter Gleising
Erna Mörchel
(1 91 3 b i s
1992) hat viele
Aufzeichnungen aus ihrem
Leben hinterlassen – und
ihre Kinder und
Enkel haben sie
nun geordnet und unter dem Titel
»Das Leben einer Brackelerin«
veröffentlicht. In Dortmund-Brackel
lebten Erna und ihre Familie –
und bis zu seiner Ermordung ihr
Erich Mörchel, ein Bergmann,
der unter den 300 Opfern der
Karfreitagsmorde 1945 war. Es
liegt nun das bewegende Porträt
einer Frau und ihrer Familie vor.
Ein Stück Literatur von der Basis
der arbeitenden Menschen. Es ist
in begrenzter Auflage für 13,95
Euro plus Versandkosten erhältlich.
Bestellungen an erna.moerchel.
autobiographie­@gmail.com richten.
Internationales Rombergparkkomitee
Auch in diesem Jahr tagte das Internationale Rombergparkkomitee
am Vortag der Dortmunder Karfreitagskundgebung und gedachte
der Opfer der Kriegsendphasenverbrechen in den Wochen vor dem
Einmarsch der US-amerikanischen Truppen am 13. April 1945.
Kinder einer Antifa­
schistin gaben ihre
Autobiographie heraus
dam, Dortmund, Bochum, Essen,
Meschede/Sauerland, Oberhausen,
Penzberg/Oberbayern, Wuppertal.
Michael Hermes präsentierte eine
neue Dokumentation über Kriegsendphasenverbrechen im Sauerland und
Markus Günnewig vom Stadtarchiv
Dortmund sprach über die Endphasenverbrechen im gesamten »Reich«
und speziell in Dortmund. Ulrich
Sander (VVN-BdA-Bundessprecher)
schlug eine Abschlusserklärung vor,
der zugestimmt wurde. Darin heißt
es u. a.: »Unser Treffen war das
erste dieser Art ohne Zeitzeugen
aus der Opfergeneration. Es war ein
Beispiel dafür, wie wir künftig unsere
Erinnerungsarbeit bewältigen. Wir
führten uns vor Augen, was die Opfer
bewegte, die eine Zeit des Friedens
und der Freiheit nicht mehr erleben
durften. Wir müssen uns erinnern,
was sie uns für das Heute zu sagen
haben, da rechte Kräfte in Europa
wieder aktiv werden und sogar
Redaktion: Ulrich Sander
Landesbüro der VVN-BdA NRW, Gathe 55,
42107 Wuppertal, Telefon: 0202 / 45 06 29
E-mail: [email protected]
Viele weitere Informationen, fast täglich neu,
sind unter www.nrw.vvn-bda.de zu finden. Wir
bitten um Spenden für unsere Arbeit.
Unser Spendenkonto: Die
neue Kontonummer ist: Postbank Essen,
IBAN: DE 03 3601 0043 0028 2124 35
BIC (SWIFT): PBNKDEFF
ein Krieg auf europäischen Boden
wieder möglich wird. Ihrem Auftrag
›Nie wieder!‹ sind wir verpflichtet.«
Im Anschluss an das Treffen fand
eine Begegnung mit Prof. Walter
Manoschek (Wien) statt, der sein
filmisches Interview mit dem SS-Mann
Adolf Storms über dessen freiwilliges
Mittun an der Ermordung von 60
ungarisch-jüdischen Zwangsarbeitern präsentierte. Storms räumte
ein: »Dann bin ich ja ein Mörder«
(so auch der Filmtitel). Er starb
unbestraft. U.S.
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AUS DEN L ANDESVEREINIGUNGEN UND VERBÄNDEN
S AC H S E N
Eine Legende und die Befreiung 1945 im Erzgebirge / Ein Interview mit Klaus Glaser
Die »Freie Republik Schwarzenberg«
Klaus Glaser erlebte als Jugendlicher die ersten Stunden der Befreiung im Erzgebirge. Mit ihm sprachen Peter Giersich und Roland
Hering.
Giersich/Hering: Wie war die Situation im Raum Aue/Schwarzenberg
bis Mai 1945?
K. Glaser: So unbedeutend, wie
man es vermuten könnte, war die
Region für die Nazis nicht. Fast alle
Schwarzenberger Betriebe hatten
Rüstungsproduktion. Die »Erzgebirgische Schnittwerkzeug- und
Maschinenfabrik« zum Beispiel hatte
ein Friedrich Volk unter Ausnutzung
der Rassengesetze in seinen Besitz
gebracht. Die Rüstungsproduktion
brachte riesige Profite. Es gab 350
Personen Stammbelegschaft und
250 unbezahlte Zwangsarbeiter.
In anderen Betrieben war die Lage
ähnlich.
Am 8. Mai 1945 war der faschistische Spuk vorbei?
Zunächst, wir erfuhren das erst
am 9. Mai über den Rundfunk.
Die Bevölkerung unserer Region
nahm das mit Freude auf. Aber
etwas verwirrend war, dass keine
Amerikaner und keine Rote Armee
zu sehen war. Es fehlten die Siegermächte. Die Amtshauptmannsstadt
Schwarzenberg und das Territorium
waren also unbesetzt. Wir konnten
uns das nicht erklären.
Wie kam es zu dieser Situation?
Uns war bekannt, dass die Rote Armee
bei Annaberg war und nicht weiter
vorrückte. Die Amerikaner stoppten
vor Schneeberg und Schönheide.
Wir hatten auch erfahren, dass die
Amerikaner am 7. Mai
in Aue einrückten und
verfügten, dass Waffen
abzugeben sind. Aber
am 11. Mai zogen sie
sich wieder zurück. Die
Folge war ein unbesetztes
Gebiet von 2.000 Quadratkilometern mit 300.000
Einwohnern in 21 Städten
und Gemeinden.
Es musste aber irgendetwas geschehen?
Ja, Chaos musste verhindert werden. Noch am 8. Mai wurden alle
wehrfähigen Männer in Bermsgrün,
wo wir wohnten, aufgefordert, zum
»Volkssturm« zu kommen. Ich erinnere
mich, wie Onkel Paul (Paul Winkler,
erster kommissarischer Bürgermeister
von Bermsgrün 1945 - Red.) rief
»Schluss mit den Nazis!«. Die Menschen, die dazu kamen, äußerten
ihre Zustimmung, teilweise auch die
Volkssturmmänner. Der gewagte
Die Karte zeigt den
Umfang der nicht
besetzten Zone um die
Amtshauptmannschaft
Schwarzenberg
Klaus Glaser berichtet
über seine Erlebnisse
Aufruf war auf fruchtbaren Boden
gefallen. Es wurden am 9. Mai in
Bermsgrün, am 11. Mai in Schwarzenberg und in der ganzen Region
antifaschistische Aktionsausschüsse
gebildet.
Wer war in Aktionsausschüssen
und welche Herausforderungen
standen?
Die Bevölkerung war ja noch infil­triert
von der Naziideologie. Es war also
notwendig, eine breite Basis zu schaffen. Personen wie Willy Krause, Paul
Annaberg: Endstation Feldschlösschen
Die Angst vor den Russen
An der Kreuzung der Fernverkehrsstraßen B 95/B 101 befindet
sich eine Gedenktafel, die an die
Befreiung von 400 KZ-Häftlingen
am 8. Mai 1945 erinnert. Etwa
700 Häftlinge waren am 11. April
1945 von Neu-Stassfurt aus 375
Kilometer quer durch SachsenAnhalt und Sachsen auf einen
Todesmarsch getrieben worden.
Etwa fünf Kilometer vor Annaberg,
bei Bärenstein, stand der Vortrupp
einer sowjetischen Panzereinheit,
als der Elendszug durch Annaberg
stolperte. Als er die Gaststätte
Felsenschlösschen passierte,
erschallten mehrere Rufe: »Die
Russen kommen!« In panischer Angst
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liefen die Wachsoldaten davon. Die
Gefangenen, vorwiegend Franzosen,
waren frei. Wenig später rückten
dann tatsächlich Sowjetsoldaten in
die Stadt ein. Die Befreiten wurden
in Annaberg einquartiert, gepflegt
oder im Annaberger Krankenhaus
aufgenommen.
Für den 8. Mai 2015 planen die
Sächsischen Israelfreunde e. V.
und der Ökumenische Trägerkreis
Annaberg einen »Marsch des Lebens« auf der Route des damaligen
Todesmarsches. Unterstützt wird
diese Aktion vom Kreisverband
Annaberg der VVN-BdA. In der
Erklärung der Initiatoren heißt es:
»Wir stehen bei dem Marsch des
Diese Erinnerungstafel wurde zu DDR-Zeiten am
»Feldschlösschen« angebracht und hat die »Wende«
überlebt - ist also aktuell
Lebens mit denen zusammen, die
gelitten haben oder die immer noch
an den Folgen des Holocaust leiden.
Wir geben ihnen eine öffentliche
Stimme, um mit ihnen gemeinsam
die ›Decke des Schweigens‹ über
unseren Städten und Dörfern zu
zerbrechen.«
Peter Giersich
Korb, Hermann Schlemmer,
Helene Scheffler und Georg
Schieck bildeten in Schwarzenberg einen antifaschistischen Aktionsausschuss.
Der Kommunist Willy Irmisch
wurde als kommissarischer
1. Bürgermeister eingesetzt.
Die Aufgaben waren wirkliche
Herausforderungen. Die Nazis
aus den Behörden entfernen,
Lebensmittelversorgung sichern, die Versorgung mit
Gas- und Elektroenergie sowie
mit Brennstoffen organisieren. Dazu
gehörte auch, die Bevölkerung vor
Umtrieben versprengter, bewaffneter
SS- und Wehrmachtsangehöriger
zu schützen. Wichtig war es auch,
schnellstens mit der sowjetischen
Kommandantur, die in AnnabergBuchholz war, den Kontakt herzustellen. Das sind nur einzelne Beispiele.
Gab es denn eine Regierung in
der »Freien Republik«?
Nein, es gab keine »Freie Republik«.
Diese Republik hat Stefan Heym in
seinem Roman »Schwarzenberg«
erfunden. Ihn beeindruckte das
Geschehen. Er wollte den Aktivisten der ersten Stunde und allen
Menschen unserer Region für ihre
Arbeit ein Denkmal setzen.
Du hast ein Denkmal angeregt?
Es soll ein Stein mit den Namen der
Mitglieder des Aktionsausschusses
in Schwarzenberg sein,
neben dem Denkmal
für die Rote Armee.
Der 70. Jahrestag
der Befreiung wäre
ein richtiger Zeitpunkt
gewesen. Leider wurde
das verpasst. Aber ich
bleibe dran, denn ich
halte es für wichtig,
daran zu erinnern.
V.i.S.d.P. Peter Giersich.
Redaktion: Landesverband Sachsen
des VVN-BdA, Strehlener Straße 14,
01069 Dresden, Tel. 0351/4901903,
E-Mail: [email protected]
Spendenkonto: Commerzbank
Dresden , BIC: DRESDE FF 850; IBAN: DE47
8508 0000 0528 2111 00; (BLZ: 85080000,
Konto-Nr.: 528211100)
BEILAGE · MAI/JUNI 2015 antifa
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