More about DW Characteristics - Environmental Emergencies Centre

TAUCHMEDIZIN und Tauchtauglichkeit
Ch. Wagner
Tauchmedizin
Eine Einführung
Dr. Christian Wagner
Österreichische Gesellschaft für
Tauch- und Hyperbarmedizin
Wichtige Grundlagen
Bescheinigung der Tauchtauglichkeit
Spezielle Tauchergruppen
Tauchmedizin-Weiterbildung
Information im Internet
Leitlinie Tauchunfall
Potentiell gefährliche Meeretiere
C. Wagner, 2014
1
Hobby-/Sporttaucher
- Kindertauchen
- Tauchen im Alter
- Technical diving
 Behindertentauchen
 Apnoetaucher
 Berufstaucher
C. Wagner, 2014
 8-12000 Brevets/Jahr = 6-7000 Anfänger
+ im Urlaub ausgebildete Taucher
80 – 120.000 aktive Taucher in Österreich
 Ca. 1.000.000 (5Mill.) Taucher in
Deutschland
 PADI USA: 800.000 Anfänger-Brevets/Jahr
1 – 1,5 Millionen aktive Taucher in USA
 Europa? Weltweit?
 Wie viele aktiv/nicht aktiv?
 PADI, SSI, CMAS, VIT, VDT,….
 Berufstaucherverbände
C. Wagner, 2014
2
 Erhöhung des Umgebungsdrucks:
pro 10m Wassertiefe um 1 Atmosphäre (1bar)
 Gesamtdruck =
atmosphärischer p + hydrostatischer p
10m  1 + 1bar = 2bar - Druckverdoppelung
20m  1 + 2bar = 3bar
30m  1 + 3bar = 4bar
C. Wagner, 2014
Gasgesetz von Boyle-Mariott
PxV=k
Kompressionsphase +
Dekompressionsphase
C. Wagner, 2014
3
Gasgesetz von Boyle-Mariotte
PxV=k
Für abgeschlossene Gasmengen gilt:
bei jeder Druckverdopplung wird das Volumen
halbiert
P1 x V1 = p2 x V2
 Die größte relative Volumenänderung: 0 – 10m
 Cave: Druckausgleich im Mittelohr
– Probleme zwischen 0 – 5m Tiefe

Lungenüberdehnung beim Auftauchen
– schon ab 2m Tiefe bei tiefer Inspiration möglich
 Tauchtauglichkeit
C. Wagner, 2014
4
Boyle - Mariotte
Barotrauma der Lunge
5
Barotrauma der Lunge
Synonyme: Lungenüberdehnung, Lungenriß
 Pneumothorax: cave
Spannungspneumothorax
 Mdiastinalemphysem:
cave obere Einflusstauung, Plexus brachialisSchädigung
 Arterielle Gasembolie (AGE, CAGE):
cave Bewußtlosigkeit,
Halbseitensymptomatik, Hirnnervenausfälle,
Querschnittsymptomatik
C. Wagner, 2014
Barotrauma der NNH
6
Weitere Barotraumen
 +/- Gehörgang, Mittelohr, Innenohr
 - Zähne
 - Gastrointestinaltrakt
 + Augen
 + Haut
 Barotrauma des Helmtauchers
(„Tauchersturz“)
C. Wagner, 2014
Tödliche Tauchunfälle - Tauchgangstiefe
30
29
28
25
20
18
15
8
10
5
3
3
0m
0 - 9m
10 - 18m
19 - 30m
31 - 60m
>60m
0
Australien/Neuseeland 1989-90
C. Wagner, 2014
7
Gasgesetz von Henry
Deutliche N2-Übersättigung führt zu N2-Blasenbildung
in Körpergeweben und Blut
Gasgesetz von Henry
Stickstoff (N2) löst sich in Körpergeweben bei
gegebener Temperatur proportional zum
Umgebungsdruck
C. Wagner, 2014
8
Sättigungskinetik
Haldan,sche Sättigungsgleichung (1917):
PGN2 = PGo2 + (PaN2 - PGoN2)(1 - e0,69/tH.t)
PGN2 = N2-Partialdruck am Tiefenmaximum
PGo2 = N2-Partialdruck an der Oberfläche
PaN2 = art. N2-Partialdruck am Tiefenmaximum
t = Zeit
tH = Halbwertszeit des jeweiligen Gewebes
C. Wagner, 2014
Sättigungskinetik
Schnelle Gewebe – langsame Gewebe
HWZ:
5-10-20-40-80-160-320-640 Minuten
Blut:
4 min HWZ
Nerven/RM:
12,5 min HWZ
Haut, Muskeln:
79 min HWZ
Innenohr:
238 min HWZ
Knochen, Gelenke: 635 min HWZ
C. Wagner, 2014
9
Gasgesetz von Henry
Dekompressionskrankheit
„Caisson“ – Erkrankung
DCI – Decompression Ilness
 Management des Tauchunfalls
C. Wagner, 2014
Gasgesetz von Dalton
Der Gesamtdruck eines Gasgemisches ist die
Summe der Drücke seiner Einzelgase.
P1 + p2 + ….pk = p
0,21%O2+0,78%N2+0,01%Eg=100%Luft
0,21bar O2+0,78bar N2 = 1bar Luft
20m = 3bar: 0,63bar O2 + 2,34barN2 = 3bar Luft
C. Wagner, 2014
10
Gasgesetz von Dalton
Auswirkungen:
N2: Tiefenrausch
O2: Intoxikation
Preßlufttauchen: normale Luft
Nitroxtauchen: O2-angereicherte Luft (20%)
Trimixtauchen: N2+O2+He
Kreislaufgeräte: reiner O2
C. Wagner, 2014
Kompressionsphase – Druckzunahme
Barotraumen – NNH, Mittelohr, Innenohr,
Lunge. Zähne, Augen - Hyposphagma
Isopressionsphase - Verhalten eines
Gasgemisches,
Inertgasnarkose/Tiefenrausch,
O2-Toxizität,
Dekompressionsphase - Druckabnahme
Barotraumen – Lunge, NNH, Mittelohr,
Innenohr, Zähne, GI-Trakt
- Flug nach Tauchgang
C. Wagner, 2014
11
Immersion
 Blutumverteilung aus der Peripherie in die
thorakalen Gefäße. In kaltem Wasser
verstärkt durch periphere Vasokonstriktion,
 Vermehrte Blutfüllung des Herzens und der
Lungengefäße
 Barorezeptoren – Diurese (Gauer-HenryReflex)
 Vermindertes MVV
C. Wagner, 2014
Wärmeenergieverlust beim Tauchen
Mann, 1,73m, 69kg, 7mm NTA, 20Minuten
TG, 50C, 30m Tiefe verliert 786kJ
-
Verlust durch Anzug 64,5%
Atemlufterwärmung 17%
Erwärmung Wasserschicht im Anzug 9,7%
Atemluftbefeuchtung 7%
Wärmestrahlung 1,7%
Taucherdiurese 0,3%
Atemarbeit 0,1%
C. Wagner, 2014
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Tauchunfälle
Alle Altersklassen, 2002-05 35-40a im Schnitt,
2/3 Männer, 1/3 Frauen.
66% DCS II, 20% DCS I, ca. 10% AGE
DCS unabhängig vom Ausbildungsgrad,
AGE eher Anfängern
 Unerfahrenheit = Lungenbarotrauma
 DCSII: Tiefe, WiederholTG, st.p. DCS, Unerfahrenheit
schneller Aufstieg, Anstrengung, Kälte,
insuffiziente Dekompression, leeres PTG
BSAC 2006
 20%: Rhinits allerg., Bewegungsapparaterkr., HNOProbleme, Herzkrankheiten, Asthma, DM II DAN 2006





C. Wagner, 2014
Tauchunfälle
70000 Taucher, ♀+♂, 80500 TG
4 DCI II/10000 TG (0,04%)
DAN 2005
10 DCI/10000 TG in Cozumel,
25/10000 in Scapa Flow
DCI 0,01-0,05% = 1 DCI/2500 TG im Schnitt
Schätzungen, hohe Schwankungsbreite
C. Wagner, 2014
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Tauchunfälle
Tödliche Tauchunfälle
 Häufigkeit: 0,002% aller TG = 0,03% der Taucher,
0,015% laut DAN, BSAC
 1:45000 TG tödlich, 1:7000 Tauchern stirbt.
100/Jahr in N-Amerika konstant
 Durchschnittsalter verstorbener Taucher 10 Jahre älter
als Taucher mit überlebter DCS
 <1/3 der verstorbenen Taucher normgewichtig
 Technical diving: noch keine Studien,
deutliche Zunahme am Sinai
Adel Taher 2008
 Schiffsschrauben, Tiere, Harpunen, Fischernetze,
Hindernisse, Wracks, Höhlen, Strömungen
C. Wagner, 2014
14
Tödliche Tauchunfälle
40
39
37
35
Panik
Aspiration
Erschöpfung
Lungenüberd.
HerzKreislauf
Erbrechen
Tiefenrausch
Asthma
Lungenkrank
Sonstige
30
28
30
25
20
13 12
15
10
10 9
8
7
5
0
Australien/Neuseeland, 1980-89
C. Wagner, 2014
Tauchqualifikation
40
35
38,6 38,9
30
Keine
OW
AOW
***
Assistent
TL
25
20
15
10
5
0
10,1
6,0
2,9
3,5
GTÜM 1995
C. Wagner, 2014
15
Tödliche Tauchunfälle Taucherfahrung
43
45
39
40
35
30
1. TG
geringe E.
regelmässig
exzessives T.
25
20
15
10
5
8
6
0
Australien/Neuseeland, 1980-90
C. Wagner, 2014
C. Wagner, 2014
„Heute“ 12. 5. 2011
16
Tödliche Tauchunfälle
Bergsteigen: 600 : 100.000
Paragliding: 115 : 100.000
Fallschirmsp.: 13 : 100.000
Tauchen:
3 : 100.000
Unfallversicherer USA 1990
C. Wagner, 2014
Tauchunfälle in alpinen Gewässern







Tod in der 11. Minute
- immer Verkettung mehrere ungünstiger Faktoren
Mann
Erfahrung
Rascher direkter Abstieg
Starker Wille/Zwang zur Zielumsetzung
1. Aufstiegsversuch in der 6.-9. Minute scheitert Anfangsproblemchen + 2. + 3.
Danach erfolgloser Selbstrettungsversuch
Tod 11. bis max. 14. Minute (Tec verzögert)
A. Pacher, CAISSON 2010; 25(4):12-5
C. Wagner, 2014
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Tauchunfälle in alpinen Gewässern
 Mangelnde Gesundheit
-










Angeborene Herzfehler
Akute Erkältungskrankheiten
Überfüllter Magen
Alkohol
Mangelnde Bereitschaft zu Training und Fortbildung
Scheinsicherheit durch High-Tech
Leihausrüstung
Überbleiung
Trockentauchanzug
Schlechte Ausrüstungswartung
Unkenntnis bez. der Tauchausrüstung, insbes. Computer
Qualität der Atemluft
Tauchtiefe > 30m
Ziel- und Gruppenzwang
A. Pacher, CAISSON 2010;25(4):12-5
C. Wagner, 2014
Tauchtauglichkeit
Dr. Christian Wagner
Österreichische Gesellschaft für
Tauch- und Hyperbarmedizin
18
Mindestanforderungen
an den Taucher
Kardiozirkuläre Belastbarkeit –
sportliche Mindestleistungsfähigkeit
Sichere Schwimmfähigkeit
Adäquate Sehfähigkeit
Psychische Stabilität
Zerebrale Suffizienz
C. Wagner, 2014
Untersuchung
 Anfänger – Fortgeschrittener - Berufstaucher?
 Ausführliche Anamnese mittels
standardisiertem Fragebogen – GTÜM, ÖGTH
 Medikamente
 Körperliche Untersuchung – Herz, Lunge,
HNO, Haut, Augen, Abdomen,
Bewegungsapparat, Psyche, Neurologie
 Apparative Untersuchung – EKG, Spirometrie,
(C/P-Rö.)
 Zusätzliche fachärztliche Untersuchungen
C. Wagner, 2014
19
Leistung + Dekompressionsrisiko
Gute Leistungsfähigkeit
 verringertes Dekompressionsrisiko
Akute Anstrengung
 Innerhalb 24h vor dem Tauchgang  Dekorisiko
bei Rehydrierung (Mechanismen?)
 Während des Tauchgangs  Dekoverlängerung
 Während der Dekompression  Deko
 Nach dem Tauchgang  Deko
C. Wagner, 2014
Leistungstest, Messparameter
Entsprechend den Regeln Ergometrie in der
Sportmedizin Fahrrad, Laufband
 Ruhephase: 3min
 Belastungsdauer: max. 20min
 Stufenweise Belastungssteigerung 2-3min um 25-50 Watt
 Beginn mit 50Watt, Drehzahl 60-90 U/min
 Nach Belastung 1-2min Treten ohne Widerstand/25W
 Nachbeobachtung 6min
 Gewichtsbezogene Belastung nur bei Kindern
Herzfrequenz, RR, EKG als Messparameter
Laktat, Ergospirometrie für Trainingsempfehlungen
Immer ausbelasten!
Auch 60% tauchtauglich – mit Bedingungen
C. Wagner, 2014
20
Tauchtauglichkeitsbeurteilung
Proband gesund, alle erhobene
Befunde unauffällig
Einschränkungen möglich – Beratung,
Aufklärung, Empfehlungen,
Eigenverantwortung, ev. Hinweise auf
der TT-Bescheinigung
C. Wagner, 2014
Untersuchungsintervall





3 Jahre für Gesunde unter 40a
Kürzer bei medizinischen Auffälligkeiten
1 Jahr ab 40a Intervall
1 Jahr bei Kindern/Jugendlichen bis 18a
Grundsätzlich nach jeder schweren
Krankheit, Verletzung, Operation,
Tauchunfall
C. Wagner, 2014
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Bescheinigung der
Tauchtauglichkeit
Medizinisches Attest
Jeder approbierter Arzt
Empfehlender Charakter
Klare Empfehlungen der nationalen
tauchmedizinischen Gesellschaften
Für Berufstaucher nationale Vorschriften
C. Wagner, 2014
Haftung des Untersuchers




Darlegungslast
Beweislast
Ausbildung?
Fachkenntnisse?
C. Wagner, 2014
22
Medikamente und Tauchen
 Regelmäßige Medikamenteneinnahme 
chronische Erkrankung
 Ki.: alle Med., die zu verminderter Aufmerksamkeit
oder eingeschränkter Reaktion auf Stress führen.
Cave: Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit.
Antidepressiva, Antihistaminika, Antiemetika,
Antikonvulsiva, Neuroleptika, Antipsychotika,
Narkotika, Psychopharmaka, Appetitzügler,
Med. gegen Seekrankheit
Bronchodilatatoren/inhalatives Cortison: Ki. wegen
Grundkrankheit
Drogen
 Alkohol: mäßig abends
C. Wagner, 2014
Medikamente und Tauchen
 Sh-abschwellende M: cave Barotraumen
 Ohrentropfen: Barotraumen, TF-Riss
 Starke Analgetika: haben zentrale Nw., schwache
Analgetika kein Problem
 Aspirin/Antikoagulantien: Blutungsrisiko (ZNS!)
 ACE-Hemmer, AT1-Blocker: Husten
 Betablocker: Leistungsabfall, bronchiale Obstruktion
 Antihypertensiva: 4 Wochen nach Neueinstellung, Ergo
 Diuretika: cave Dehydratation
C. Wagner, 2014
23
Medikamente und Tauchen
Zytostatika: individuelle Entscheidung
Kontrazeptiva: keine Einschränkung
Steroide: O2-Toxizität im Tierversuch
erhöht, Grundkrankheit?
Antibiotika: cave Grundkrankheit
NSAR: Übelkeit/Erbrechen, Vertigo,
Bauchschmerzen
C. Wagner, 2014
Medikamente und Tauchen
 Cave Medikamente, die zu eingeschränkter
Leistungsfähigkeit führen – Betablocker - oder
zu Herzrhythmusstörungen
 Malaria: Lariam –“1x vertragen, immer vertragen“
4 Wochen vor Tauchreise beginnen – keine
„trocken Nw.“ - auch keine unter Wasser. Keine
100%ige Sicherheit. Tauchverbot bei Nw. oder
Therapie (bis 2 Monate nach Therapieende!)
Malarone dzt. keine Ki. für das Tauchen
C. Wagner, 2014
24
Lunge und Tauchen
Maximale Inspiration  (asymptomatische)
Lungenruptur, insbes. kleine und steife Lungen
Denison D. Long Term Health Effects of Diving. An Int
Consensus Conference, Norway 1993
Taucher haben generell keine grössere Lunge
Bouhuys et al. J. Appl. Physiol. 47:1136 (1979)
P. Etz, Caisson, Jg. 17/Nr. 1-3: 10-13 (2002)
Sättigungstauchen in grösserer Tiefe erhöht TLC, FVC
und Compliance, vermindert TLCO und MEF50.
Cotes et al. Brit. J. Indust. Med. 44:76-82 (1989)
Thorsen et al. Scand. J. Work. Environ. Health 19: 115-20 (1991)
Höhere pCO2 – Toleranz
Kerem D. et al. Undersea Biomed Res. 7:17-26 (1980)
Ingavar et al.Aerospace Med.44:628-35 (1973)
C. Wagner, 2014
Lunge und Sättigungstauchen
Erhöhter pO2  Alveolarmembranschädigung
Venöse Gasembolien  tw. Blockade der Lungenstrombahn
Verändertes Atemmuster  Surfactantabbau
Lungencomplianceverminderung
Atemgasverunreinigungen (Hydrocarbone in Habitaten)
Bronchokonstriktion
TLCO, MEF50, FEV1, FEV1/FVC vermindert
TLC erhöht
Small Airway Disease
Hohe Gasdichte  WOB mit Trainingseffekt der Atemmuskulatur
Thorsen, E. An. Int. Consensus Conference, Norway (1993)
Höhere pCO2 – Sensitivität
Längere Apnoefähigkeit
Keine apnoebedingte Bradykardie
Brubakk A.O. An. Int. Consensus Conference, Norway (1993)
C. Wagner, 2014
25
Lunge und Sporttauchen
Hyperoxie
Dekompressionsstress (venöse Mikrogasembolien, vermehrt
bei Belastung und Kälte, tiefenunabhängig)
Unphysiologische mechanische Belastungen
(Druck, Gasdichte, Regler)
Erhöhung des WOB, vermindertes MVV
Hydrostatische Imbalance  Umverteilung der Ventilation von
basalen nach apikalen Lungenarealen
Ventilationsinhomogenitäten
Unphysiologische Umverteilung von Blut und Lymphe (Druck,
periphere Vasokonstriktion)
Verminderung von FVC, FEV1, MEF50, TLCO
Bronchokonstriktion
Subklinisches Lungenödem
Skogstad et al. Undersea Hyp. Med. 23:71-4 (1996)
Morgan W.P., Champaign, I.L. Human Kinetics: 70-80 (19
C. Wagner, 2014
Lunge/Thorax und Tauchen
Vermehrtes intrathorakales Flüssigkeitsvolumen
Druckanstieg in den Lungengefässen
Anstieg des Gefässvolumens
Verdickung der Bronchialwände
Dysfunktion der kleinen Atemwege
– „Small Airway Disease“
Hydrostatische Kompression des Brustraumes
Vermindertes Thoraxdehnvermögen
Anstieg der Atemarbeit
Vermehrte Durchblutung der ZWF- und
Intercostalmuskulatur
Shunts geschlossen in Horizontallage, offen in
Vertikalposition (Kälteeinfluss)  bubbles
C. Wagner, 20141
26
Die Tauchtauglichkeitsuntersuchung
muss sicherstellen, dass die Lunge in
allen ihren Abschnitten gleichmäßig
bzw. vollkommen belüftet wird.
C. Wagner, 2014
Absolute Kontraindikationen
 Obstruktive Lungenerkrankungen
- COPD, akutes/exercise induced Asthma, akute Bronchitis
 Restriktive Lungenerkrankungen
- alle ILD (Fibrosen, Pneumokoniosen, Alveolitiden,….)
 Akute Infekte
-Pneumonie, akute Tracheitis/Bronchitis/Bronchiolitis
Churg Strauss, etc.
 Pneumothorax
- rezent, 3 Monate st.p., Anfänger nach 1x Spontanpneu,
erfahrene Taucher nach Pneurezidiv bis Pleurektomie
 Postoperativ
- st.p. Pneumonektomie
 Emphysemblasen
 Kavitäten mit Verbindung zum Bronchialsystem
 Atelektasen
 Pulmonale Hypertension + offenes Foramen ovale
C. Wagner, 2014
27
Relative Kontraindikationen
 Asthma bronchiale
 2 Wochen nach akuter Bronchitis bei normaler
Lungenfunktion
 Postoperativ 3 Monate nach
Segmentresektion/Lobektomie
 St.p. Sarkoidose, EAA bei normaler Lungenfunktion,
normalem Röntgen
 3 Monate nach Pneumothorax bei normaler
Lungenfunktion, nach operativer Sanierung,
3 rezidivfreien Jahren nach Spontanpneu bei
erfahrenen Tauchern
 Pulmonale Hypertension
C. Wagner, 2014
Lungenröntgen
In 2 Ebenen !  Pa. + Seitlich
Bullae, Kavitäten, Cysten,
RF, Minderbelüftungen, Emphysem,
Pneumothorax
Ergüsse, Infiltrate, Schwarten
Cor, pulmonale Hypertension
Mediastinum
C. Wagner, 2014
28
Computertomografie

Fragestellung: Haben Cysten, Kavitäten,….
Anschluss an das Bronchialsystem?

-
Generell unklares Thoraxröntgen:
Unklare Verschattungen
Mediastinale/hiläre Verbreiterung
Unklare Gefäßsituation
V.a. Bullae
(Rest) Pneumothorax?
V.a. ILD
C. Wagner, 2014
Lungenfunktion
Spirometrie
Normalbefund:
-
FEV1 80-120%pred.
MEF50 70-120% der VC
FEV1/VC > 70%
VC 80-120%
Provokationstest/Lyse
Blutgasanalyse
Bodyplethysmographie:
bei Fragestellung Restriktion oder Überblähungsgrad
Ergospirometrie:
bei Unklarheiten bezüglich der Leistungsfähigkeit,
exercise induced Asthma bronchiale, Berufstaucher
C. Wagner, 2014
29
ILD/Fibrosen
 Das ventilierbare Lungenvolumen
vermindert
 Gesamtlungenvolumen vermindert
 Compliance vermindert
 Gasaustausch vermindert
 Absolute Ki.
C. Wagner, 2011
Pneumothorax
Tauchtauglich:
 CT normal
 Lungenfunktion normal
 BGA normal
 Genese bekannt
 3 Monate nach Pneu bzw. Pleurektomie
 3 rezidivfreie Jahre nach Spontanpneu bei erfahrenen
Tauchern
Niedrige FVC – erhöhte Pneumothoraxgefahr
Brooks et al. 1988
P.J. Benton et al. UHMS Vol. 26/4, 1999
C. Wagner, 2014
30
Sarkoidose/Tuberkulose
Tauchtauglich, wenn:
 Röntgen normal
 Lungenfunktion normal
 Klinik unauffällig
C. Wagner, 2014
Asthma





Fragebogen: Asthma n=104, 91m, 13w,
16-40a, 12864TG
Asthmatiker seit Kindheit n=89
n=54 ahnungslos bezüglich Tauchtauglichkeit
nach Asthmaanfall
n=9 täglich Asthmasymptome – 1h nach
Asthmasymptomatik Tauchgang
n=96 b.B. Betamimetikum vor TG
n=29 medikamentöse Prophylaxe
 >12000TG ohne Pneumothorax oder AGE
P J S Farrell, P Glanvill , BMJ 1990;300: 166
C. Wagner, 2011
31
Asthma
 3 Millionen Taucher – 30 Mill. TG/J. in USA
 4-8% Asthmatiker - entsprechend der
nicht tauchenden Bevölkerung
 2132 tödliche Tauchunfälle 1974-1994
1 Asthmatiker (fragliche Ursache)
 DAN: 1987 93 AGE  Risiko 1:300.000
- 4 Asthmatiker (4,3%, 3 nach Notaufstieg)
T S Neumann et al., Ann of Allergy, 1994;73: 344-50
C. Wagner, 2011
Asthma
Bronchiale Obstruktion










Rasche Bronchokonstriktion
Verlangsamte Ausatmung
Inhomogene Ventilation
Überblähung
Vermehrte WOB (work of breathing)
Gas trapping
Verminderte alveoläre Ventilation
Tachypnoe, „flache Atmung“
Erhöhte Totraumventilation
Hypoventilation




O2 - Aufnahme vermindert – Hypoxämie
CO2 - Abgabe vermindert – Hyperkapnie
Respiratorische Globalinsuffizienz
Pneumothorax- und AGE – Gefahr (2x)
Corson et al. Undersea Biomed Res 1991;18(Suppl.):16-7
C. Wagner, 2011
32
Asthma und Tauchen
Tauchtauglich:
 Normale Lungenfunktion
 Keine regelmässige Therapie
 Keine Symptome in den letzten 48 Stunden vor dem
geplanten Tauchgang
 PEF ≥90% vom besten Wert
 PEF-Schwankungen <20%
 Kein exercise-induced Asthma
- Cave erhöhtes Air-Trapping nach Belastung
+ kalte sehr trockene Luft
J.J.Leddy et al. UHMS 2001
Eigenverantwortung
C. Wagner, 2011
Asthma - Tauchempfehlung
 Kurzwirksames inhalatives





Betamimetikum als Prophylaxe
15 Minuten vor dem Tauchgang,
z.B. 1Hub Bricanyl TH, Sultanol DA
In der Nullzeit tauchen
Anstrengung unter Wasser meiden
Auftauchgeschwindigkeit penibel
kontrollieren, bewusst ausatmen
Möglichst erfahrener, bekannter,
informierter Tauchpartner
Selbstkontrolle (Peakflowmeter)
C. Wagner, 2011
33
Lungenödem bei Tauchern
Ursache nicht restlos geklärt, Hypertonie einziger klarer Risikofaktor dzt.
 Thorakales blood pooling
 Anstieg des cardiac output (erhöhte Körperbelastung)
 Anstieg des ppulm + pLungenkapillare
 Anstieg des Atemwegwiderstandes
 Anstieg des transpulmonalen und transkapillären
Druckgradienten
 Thermischer Kältestress
 Erhöhung des kardialen pre- und afterloads
 Höheres Lebensalter (>40a)?
DAN-Report 1993
Hampson, Danford Undersea Hyperbaric Med. 24:29-33 (1997)
Wenig Fälle beschrieben, spontanes Sistieren der
Symptome nach 1 – 2d
Dzt. KEINE Empfehlungen zur Prävention im Rahmen der Tauchtauglichkeit
C. Wagner, 2014
 Stumpfes Thoraxtrauma
 Überdruck – Presslufttauchen, Valsalva, Husten,
maschinelle Beatmung, tiefer Atemzug
 Asthmaanfall, Pneumonie
 Ösophagusfistel, -ruptur, Trachealwandruptur
 Mediastinitis durch Gasbildner, Retroperit. Darmperforation
 Patho: * Scherkräfte zwischen Arealen heterogener
Compliance oder Scherkräfte zwischen Alveolen und
Blutgefässen hilusnahe  Alveolensepten-/terminale
Bronchiolenruptur intra-/perivasal Hili Mediastinum
* Pneumothorax
 Klinik: aprupter retrosternaler Schmerz, Atemnot, Übelkeit,
subcutanes Emphysem
 Diagnose: C/P-Röntgen, CT
 Tauchtauglich: Ursache? Restitutio ad integrum,
3 Monate Pause
C. Wagner, 2014
34
HNO
Starre, luftgefüllte, mit Schleimhaut
ausgekleidete Hohlräume
Boyle-Mariott  Barotrauma von
NNH, Mittel- und Innenohr, Gehörgang
Hör- und Gleichgewichtsorgan
C. Wagner, 2014
Barotrauma der NNH
35
Barotrauma des Innenohres
Unterdruck im Mittelohr beim Abtauchen

Verlagerung von RFM + Trommelfell zum Mittelohr hin

Druckausgleichsbehinderung

Forciertes Valsalvamanöver


frustran
erfolgreich


zentraler Druckanstieg
Zurückschnellen des RFM


Druckanstieg der Perilymphe
Perilymphschwingungen


Weitere Verlagerung der RFM
transiente Vertigo


Ruptur der Membran des Runden Fensters

Perilymphfistel
C. Wagner, 2014
HNO
Anamnese
Otoskopische Untersuchung –
Mittelohr belüftet?
Optional Ohrmikroskopie, Endoskopie
der Nase/Rachens, Tympanometrie
NNH druck-, klopfschmerzhaft?
Optional NNH-Röntgen/CT
C. Wagner, 2014
36
HNO - Absolute Ki.
 Deutliche Gehörgangsschwellung,
ausbreitende Gehörgangsentzündung,
komplette Gehörgangsstenosen
 Erkrankung der Nase mit Belüftungsstörung
der NNH/Ohren
 akute/chron. Sinusitis mit Belüftungsstörung
 Akute Laryngitis,
 Laryngotrachealstenose
 Beidseitige Stimmbandlähmung
 Tracheostoma
C. Wagner, 2014
HNO - Absolute Ki.









Trommefellperforation,
Instabile atrophe TF-Narbe
Paukendrainagen,
Akute Tubendysfunktion,
Tympanoplastik IIIc + Vertigo + Nystagmen
Instabiles TF, fehlende Mittelohrbelüftung
Mittelohrimplantate
Hörsturz,
Akuter Tinnitus,
C. Wagner, 2014
37
HNO – Absolute Ki.
 Ausfall der Gleichgewichtsfunktion bei
Tauben
 Akutes Innenohr-Barotrauma,
 Akute Innenohr-DCS, Innenohr-DCS +
persistierende Gleichgewichtsstörungen
 Akute Gleichgewichtsstörung
 Bis 6 Monate nach Gleichgewichtsstörung
 Vertigo
 Nystagmus
 Akute Perilymphfistel
C. Wagner, 2014
Herz-Kreislaufsystem
20% aller tödlicher Tauchunfälle
Anstieg > 35a DAN
Immersion, Kälte, psychischer Streß
Junge Taucher: Kardiomyopathien
 Herzrhythmusstörungen Kammerflimmern
Ältere Taucher: KHK – MCI,
Angina pectoris – Panik
Akutes Linksherzversagen – Lungenödem
C. Wagner, 2014
38
Herz - Kreislaufsystem
 Immersionintrathorakales Blutvolumen
pulmonalkapillärer Druck
Volumenbelastung der Vorhöfe
Herzrhythmusstörungen
LVFDyspnoe, Lungenödem, card. Schock
Tauchreflex
cave bradykarde Rhythmusstörungen,
Betablocker
C. Wagner, 2014
Herz – Kreislaufsystem
Herzinsuffizienz
 Immersion, körperliche Belastung,
Tauchreflex
Akute Linksherzdekompensation –
Lungenödem, kardiogener Schock,
maligne Rhythmusstörungen,
Kammerflimmern, plötzlicher Herztod
Absolute Ki.: NYHA II - IV
C. Wagner, 2014
39
Herz – Kreislaufsystem
KHK
 Absolute Ki.: A. pectoris, Ischämienachweis,
< 3 Monate st.p. Bypass-Op., 12 Monate nach
Revaskularisation bei ACS, < 1Jahr nach ACS,
> 1 Jahr nach ACS + A. pectoris,
Herzinsuffizienz, VF, Rhythmusstörungen,
Dyspnoe
Ischämiediagnostik, CT nach Bypass-Op.
Eigenverantwortung des Tauchers
C. Wagner, 2014
Herz – Kreislaufsystem
Arterielle Hypertonie
RR=120/80 – 140/90
 Absolute Ki.:
- Art. Hypertonie + Endorganschäden
- Insuffizient therapierte Hypertonie
 Tauchtauglichkeit:
- Art. Hypertonie + suffizienter Therapie ohne
Endorganschäden
C. Wagner, 2014
40
Herz – Kreislaufsystem
Rhythmusstörungen
Plötzlicher Schwindel, Synkopen,
Dyspnoe, Leistungsabfall Panik
Anamnese, EKG, Langzeit-EKG
Bradykarde RS?
Tachykarde RS?
C. Wagner, 2014
Herz – Kreislaufsystem
Rhythmusstörungen
 Absolute Ki.: therapiebedürftige Bradykardie
und Tachykardie, st. ICDI, Präexzisionssy.,
 Relative Ki.: chron. VHF bei guter Kontrolle
und Belastbarkeit, kurze ventrikuläre
Salven+gute Belastbarkeit+guter VF,
st.p. SMI – abh. von der Gerätedrucktauglichkeit (30m), bei guter Belastbarkeit,
ohne permanenter SM-Stimulation, ohne
einschränkender Grundkrankheit
C. Wagner, 2014
41
Herz – Kreislaufsystem
 Absolute Ki.:
Rechts-Links-Shunt, korregierte Vitien + Belastbarkeit +
VF, DCI bei persistierendem Foramen ovale,
AS, MS <1,5cm2 Klappenöffnungsfläche, AI,
MI+LV-Dilatation/Ventrikelhypertrophie,
LV-Dilatation/Hypertrophie,
postoperative Prothesendysfunktionen,
hypertrophe/dilatative Kardiomyopathie+LVF,
Kardiomyopathie+Herzinsuff./ventrikuläre Salven,
pulmonale Hypertonie,
< 3 Monate nach Karditis
C. Wagner, 2014
Herz – Kreislaufsystem
Gefäße
 Ischämieschmerz – Panik, Leistungseinschränkung
Pulsstatus, Fußinspektion, Duplexsono, KHK?
 Absolute Ki.:
- AVK IIB-IV - Claudicatio interm. <200m –
Ruheschmerz – Nekrose/Gangrän
- AVK IIA >200m +Belastbarkeit/nach
Revaskularisation + Beschwerden
- <3Monate nach US-Venenthrombose
- <6Monate nach Phlebothrombose anderer Lokal.
- Florides Ulcus cruris
C. Wagner, 2014
42
Augen
Wichtigster Sinn beim Tauchen
Anamnese
Screening, optische Korrektur?
Kontaktlinsen, Korrektur der
Tauchermaske
C. Wagner, 20141
Augen
 Absolute Ki.:
- Sehschärfe< 50%, Engwinkelglaukom,
- bis 4 Wochen nach Katarrakt-Op.,
- akute Infektion, nicht verheilte Op. und
Verletzungen,
- fortgeschrittene Gefäßveränderungen/
Degenarationen,
- akute Einäugigkeit,
- schwere Hornhaut-, Netzhaut-, Sehnervenund Strahlenkörpererkrankungen
C. Wagner, 2014
43
Nervensystem
Motorische, sensorische, kognitive Funktionen
als Grundvoraussetzung für das Tauchen
 Hirnnerven
 Motorik – Lähmungen, Atrophien
 Reflexe – symmetrisch, Babinski negativ
 Sensibilität
 Koordination – Zeigeversuche, Gang,
Prüfung repetitiver Abfolgen
 „5-Minuten Neuro-Check“ der DAN
 EEG, NLG, MRT
C. Wagner, 2014
Nervensystem
Epilepsie


-
Absolute Ki.:
Manifeste Epilepsie
Sedierende Antiepileptika, Polytherapie
Relative Ki.:
Anfallsfreiheit >5 Jahre ohne Medikation
Anfallsfreiheit >5 Jahre+niedrig dosierte Monotherapie
eines nicht sedierenden Antiepileptikums
 Keine Ki.:
- Gelegenheitsanfall+definierter
Provokationsfaktor+Anfallsfreiheit > 6 Monate
- Einmalige epileptische Anfälle in der Kindheit
C. Wagner, 2014
44
Nervensystem
Absolute Ki.












Degenerative Erkrankungen - M. Alzheimer
M. Parkinson
Akute Insulte/TIA/Hirnblutungen, SAB<1 Jahr
Tumore, schwere residuelle Defizite
akute MS-Schübe
akute , unklare Kopfschmerzen
Migräne
akuter Querschnitt, spinale Abszesse, Myelitis,
akuter Discusprolaps+neurol. Symptomatik
neuromuskuläre Erkr., Gefäßmalformationen,
Hydrozephalus, SHT III, SHT II < 2 Jahre, SHT I <3 Monate,
rez. Hirnabszesse, st.p. SHT+Residuen
C. Wagner, 2014
Taucher sind Männer großer
Muskelkraft, mit gesunden
Organen. Taucher sind Männer
hoher geistiger Kräfte, von
Verstand und einwandfreier
Moral.
Tauchtechnik, Handbuch für Taucher von Herman Stelzner,
Lübeck 1931
C. Wagner, 2014
45
Frauen und Tauchen
A. Taher, Sharm El Sheikh 2009
C. Wagner, 2011
Frauen und Tauchen
C. Wagner, 2011
46
Tauchen und Frauen
C. Wagner, 2011
A. Taher, Sharm El Sheikh 2009
Frauen und Tauchen
C. Wagner, 2011
A. Taher, Sharm El Sheikh 2009
47
Frauen und Tauchen
C. Wagner, 2011
A. Taher, Sharm El Sheikh 2009
Gynäkologie
 35% aller Taucher sind Frauen.
 Unterschiede zu Männern in Körpergewicht,
Wasser-Fettanteil, Muskelmasse, Stoffwechsel
 Gleiches/niedrigeres DCS-Risiko wie Männer, aber
zyklusabhängig – 1. Woche erhöhtes, 3. Woche
verringert, unter Kontrazeptiva gleichmäßig.
Aviat Space Environ Med. 2003;74:1174-82
116 Tauchunfälle in D, 75(=65%) ♂, 41(=35%) ♀, Frauen
rufen häufiger sicherheitshalber an – 92(=79%) ♀, 24
(=21%) ♂.
Aqua med 2007
Frauen tauchen weniger tief, 37% DCS >30m
BSAC 2009, Aviat Space Environ Med 2002;73:743-9.
C. Wagner, 2014
48
Tauchen und Schwangerschaft
 109 schwangere Taucherinnen:
6 (5,5%) hatten mißgebildete Kinder – Herzfehler, Skelettund Gefäßmißbildungen
69 nicht tauchende Schwangere: 0 Mißbildungen
Bolton 1979
 Im 1. Trimenon getaucht: 30% (=15x) Mißbildungen
Botts 1985
 100 Schwangere:
34 getaucht - 15% Mißbildungen
66 nicht getaucht - 1,5% Mißbildungen
Bakkenig 1989
C. Wagner, 2014
Gynäkologie - Schwangerschaft
 Keine einheitliche Datenlage bezüglich
Missbildungsrate.
 Rechts-Links-Shunt im fetalen Kreislauf 
Blasen direkt in den arteriellen Kreislauf
 Möglicher Verschluß der
Nabelschnurgefäße durch Gasblasen
 Keine sichere Tiefenlimitierung, HBOWirkung bei Tauchunfall der Mutter?
Absolute Kontraindikation
Stillen: cave Dehydratation
C. Wagner, 2014
49
Gynäkologie
 Brustimplantate: kein Problem.
Veränderung der Implantatform nach 40 TG
berichtet. Ruptur ausgeschlossen.
Br J Plast Surg. 2002; 55:120-3,
Plast Reconstr Surg. 1988;81:200-3
 Absolute Ki.: ausgedehnte Lymphödeme,
floride Vulva-/Vaginainfektionen, st.p. OPs,
Malignitäten+Meta+Therapie+Leistung
 Relative Ki.: Dys-/Hpermenorrhoe
C. Wagner, 2014
Gastroenterologie
 Unter Wasser keine Schwerkraft im GI 
häufiger Reurgitation von Mageninhalt
 Brechreiz  Panikreaktion möglich
 Aspirationsgefahr
 Verschluckte Luft + Gärgase + BoyleMariott  Magenruptur
20 Beschreibungen, keine
kontrollierten Studien
C. Wagner, 2014
50
Gastroenterologie
 Absolute Ki.:
Grundsätzlich jede akute Entzündung!
Symptomatische Hernien,
akute (Reflux-) ösophagitis, akute Ulcera,
akuter Schub eines M. Crohn/Colitis ulcerosa,
sympt. Divertikel, akute Cholezystitis, Pankreatitis,
Ileus, Leberzirrhose
 Relative Ki.:
Achalasie, abheilende Ulcera, Anus praeter
Cave blähende Nahrung!
C. Wagner, 2014
Psychologie
Fremdes, nicht atembares Medium
Unmöglichkeit der sofortigen
Beendigung der Aktivität
Panikreaktionen
C. Wagner, 2014
51
Psychologie





Motivation zum Tauchen
Erkunden, Beobachten der Natur
Fremdmotivation
Abenteuersucht
Ausloten physischer, psychischer Grenzen
Erhöhte Ängstlichkeit (Fremdmotivation?)
Erhöhte Risikobereitschaft (Rekorde? Tauchtiefe?)
Furchtlose Einzelkämpfer
„Unfäller“
Nach Tauchunfall (25-50% psych. Einfluss ≤1 Jahr)
C. Wagner, 2011
Psychiatrie
 Missverhältnis Problem unter Wasser –
unangemessene Problemlösung = Tauchunfall
 Anamnese: Psychosen, Depressionen,
Angstzustände, Panikattacken, Klaustrophobie,
Agressionen?
Alkohol, Drogen, psych. Medikamente?
 Motivation zum Tauchsport?
 Beobachtung – Verhalten, Stimmungslage,
Antrieb, Orientierung
C. Wagner, 2014
52
Psychiatrie - Absolute Ki.
Akute Psychose,
Psychosen in Remission+Neuroleptika,
st.p. Psychose+Compliance, akute afektive
Psychosen, Suizidalität, st.p. rez. Suizidversuche,
schwere Persönlichkeitsstörungen incl. Depressionen,
Akute/rez. neurotische Depressionen,
schwere Angst-/Panikstörungen,
akuter Rausch, häufiger Substanzmissbrauch,
chronische Abhängigkeit, Sucht
Hyperventilationssyndrom
manifeste Anorexia nervosa + Bulimie
C. Wagner, 2014
Bewegungsapparat
 Gewichtsbelastung durch die Ausrüstung
 Bewegung gegen den Wasserwiderstand
 Hyperlordosierung der HWS+LWS
 Lange N2 – HWZ der Gewebe
Stabilität von Knochen, Gelenken, Weichteilen
Konsequenzen ev. Bewegungseinschränkungen
Agravierung manifester Erkrankungen durch N2
oder mechanischer Belastung
Kindliche Skelettreife
C. Wagner, 2014
53
Bewegungsapparat
Absolute Ki.
- Frakturen, instabile Gelenke, Lockerung von
Implantaten, Gelenksschwellungen/- entzündungen/schmerzen,
- schmerzhafte Funktionseinschränkungen,
- akute Osteochondrosis dissecans,
- habituelle Luxationen,
- akute Muskel-Sehnen-Bänderverletzungen,
- akute degenerative Gelenkerkrankungen
- instabile WS-Segmente, neurologische Ausfälle bei
Discusprolaps, massive Skoliose,
- akuter/chron. progredienter Rheumatismus,
- akute Osteomyelitis
C. Wagner, 2014
Dermatologie
 Anamnese: Allergien? Systemische Beteiligung
 Absolute Ki.:
Latex-, Gummiallergie bei systemischen W.,
Große Hautinfektionen, Erysipel, Sepsis,
system. Mastozytose, Erythrodermie mit Organbeteiligung,
Varizen bei Rupturgefahr, stark entzündliche Phlebitiden
 Relative Ki.:
Urtikaria: Kälte-, Wärme-, Licht-, Druck-, Kontakt-,
aquagene-, cholinerge-. kutane Mastozytose,
Erythrodermie, kleine Hautinfektionen, Kollagenosen,
Borreliosen II, III, Varikosen, Phlebitiden
C Wagner, 2014
54
Zahnheilkunde
 Druckänderung, Kältereiz  heftige Schmerzen bei
kariösen Zähnen/Sekundärkaries, Füllungen mit
unvollständigem Schluss zum Zahn Panikreaktionen
 Absolute Ki.:
akute Beschwerden, tiefe Zahnfleischtaschen,
schadhafte Füllungen, st.p. Zahnextraktion (7d/14d),
lockere Prothese, <3 Monate nach Zahnimplantation
 Zahnstatus
 Amalgan, Gold, Keramik. Blasenfreie Zementierung!
Cave Bläschen in Kunststoffüllungen
C. Wagner, 2014
Diabetes und Tauchen
Am Tag vor dem Tauchen
Viel Flüssigkeit
Normale Mahlzeiten ohne
Kalorienreduktion
Reduktion der abendlichen Dosis
intermediären Insulins um 10 – 20%
C. Wagner, 2014
55
Diabetes und Tauchen
Der Tauchtag
 BZ – Protkoll
 Subjektives Wohlbefinden
 BZ ≥150mg/dl bzw. ≤300mg/dl, stabil, steigend bei
TG-Beginn, gemessen 60–30–0 Min. vor TG
 Therapie am Vorabend reduzieren
 Orale Glucose bereithalten/mitnehmen
 Parenterales Glucagon an der Oberfläche
 BZ-Check 12-15h nach dem TG, var. bei 2. TG
 Adäquate Hydratation (BZ  Diurese)
 TG-Dokumentation (Logbuch)
C. Wagner, 2014
Diabetes und Tauchen
Der Tauchgang
≤ 30m (CO2-Narkose)
≤ 60 Minuten Tauchzeit
Innerhalb der Nullzeit oder Kuppeln, o. ä.
Prompter Aufstieg bei Hypo(-Verdacht)
Informierter, gesunder, taucherfahrener,
hypo-geschulter Partner
 Warmes Wasser, kein Stress





C. Wagner, 2014
56
Diabetes und Tauchen
Absolute Ki.:
 Konventionelle Insulintherapie
 Rez. Hypoglykämien
 Insulintherapie ohne Sportbetätigung
 <6 Monate seit Therapiebeginn
 diabet. Folge-/Begleiterkrankungen
C. Wagner, 2014
Adipositas
Schwerelosigkeit unter Wasser  keine
orthopädischen Belastungen
DCI bereits bei Präadipositas erhöht
BMI > 30kg/m2:
Dekompressionspflichtige TG vermeiden
Wiederholungstauchgänge meiden
Nitrox verwenden
Anstrengungen unter Wasser vermeiden
Sicherheitsstops beim Auftauchen einhalten
C. Wagner, 2014
57
Urologie
 Forcierte Diurese durch VH – Volumenbelastung
(„Taucherdiurese“), Kältewirkung
 sofortige Blasenentleerung?
 Absolute Ki.:
benigne Prostatahyperplasie + Restharnbildung,
akuter Harnwegsinfekt, Pyelonephritis,
akute Prostatitis, Epididymitis, Harnstau, Steine,
akute Nierenentzündung, nephrotisches Sy.,
Niereninsuffizienz IV, chron. renale Insuffizinz, Dialyse
C. Wagner, 2014
Hämatologie
 Absolute Ki.:
akute, ungeklärte Anämien, Hb<10g/dl,
akute Kryoglobulinämie, Sichelzellanämie,
während CHT/RT, st.p. Stammzelltransplantation,
Thalassämia major, Hydrops fetalis,
ZNS-Lymphom, AML/ALL-Akutphase,
CLL-Binet B/C, akutes MDS, fortgeschrittene
Hämochromatose
 Relative Ki.:
Anämie+Leistungsfähigkeit,
Leukämien+normales BB, Binet A,
stabiles MDS, Thalassämia minor
C. Wagner, 2014
58
Schilddrüse
Absolute Ki.:
Große Struma, Struma+Fehlfunktion,
st.p. Recurrensparese, Tracheomalazie,
manifeste Hyper-/Hypothyreose,
Hypokalzämie,
postop. Hypoparathyreoidismus,
untherapierter Hyperparathyreoidismus,
ausgeprägte Osteoporose,
untherapierter Hyperaldosteronismus/M.
Cushing/M. Addison/Phäochromozytom
C. Wagner, 2014
Tauchtauglichkeit nach Tauchunfall
 Grundsätzlich gemäß den Empfehlungen im
„Tauchmanual“ von ÖGTH, GTÜM SGUH
 Tauchunfalltherapie beendet
 Behandlungsergebnisse stabil
 Durchführung von erfahrenen Taucherärzten
entsprechend der Mindestqualifikation
„Diving Medicine Physician EDTC“ mit
praktischer Erfahrung in der
Tauchunfallbehandlung
C. Wagner, 2014
59
Tauchen in
höherem
Lebensalter
Tauchen - höheres Lebensalter
 Generell kein Maximalalter - Alter ist keine Krankheit
 70jähriger Ausdauersportler = 30jähriger Untrainierter
 Häufiger Beschwerden
 Öfter krank
 Chronische Krankheiten
 Regelmäßige Medikamenteneinnahme
 Degenerative Veränderungen
 Reservekapazitäten der Organe und
Organsysteme geringer
 Innere Homöostase labiler
 Geringere Leistungsfähigkeit
C. Wagner, 2014
1
Tauchtauglichkeitsuntersuchung
im Alter - >40a
Jährlich
Anamnese
- erworbene Erkrankungen
- Degenerative Erkrankungen
Körperliche Leistungsfähigkeit
evaluieren
C. Wagner, 2014
Inzidenz Dekompressionsunfall
Wenig Daten bezüglich der
verschiedenen Altersklassen
Schwerere Dekompressionsunfälle
Seltenere Restitutio ad integrum
Ursache: verminderte Reservekapazität
der Organe
C. Wagner, 2014
2
Tauchen im Alter: Herz – Kreislauf
Herzinsuffizienz 1% >40a, 3% >50a, 13% >70a
KHK, Hypertonie
Gesicht ins kalte Wasser eintauchen
Bradykardie, Hypotension. Betablocker?
Minderperfusion – Bewußtlosigkeit
C. Wagner, 2014
Tauchen im Alter: Herz - Kreislauf
Kälte  periphere Vasokonstruktion 
Rechtsherzbelastung/koronarart. Spasmen
Angst/Stress  HF↑ und RR↑
Problem-/Notsituation  hohe körperliche
Belastung
Immersion  Rechtsherzbelastung  renale
Antwort mit Exsikkosegefahr, cave Diuretika
C. Wagner, 2014
3
Tauchen im Alter - Lunge
 Abatmung von N2
 Filter venöser N2 – Bläschen
Compliance und Elastizität vermindert 
WOB erhöht durch zunehmende
Atemgasdichte
Reduktion von VC, FRC
RV erhöht
Cave Air Trapping
C. Wagner, 2014
Tauchen im Alter - Haut
Schnelleres Auskühlen
Kälteempfindlichkeit vermindert
Subcutis-Fettgewebe vermindert
Auskühlen wird später bemerkt
C. Wagner, 2014
4
Tauchen im Alter - Bewegungsapparat
Schwimm- und Bewegungsfähigkeit
Cave degenerative Veränderungen beim
Heben/Tragen des Tauchgerätes
Schlechtere Gewebsdurchblutung 
verändertes Dekompressionsverhalten
C. Wagner, 2014
Tauchen im Alter - Augen
Verminderung der Sehleistung, beginnend
mit ca. 45a
Linsenelastizität  optische
Naheinstellungsfähigkeit  Lesebrille
Klares Erkennen von Meßinstrumenten und
UW-Zeichen des Partners
Sehen von Tauchboot und Taucheinstiegen
aus der Ferne
Altersweitsichtigkeit tw. kompensiert
C. Wagner, 2014
5
Tauchen im Alter - Nervensystem
Ausreichende
Reaktionsgeschwindigkeit und
Leistungsfähigkeit des Gehirns
C. Wagner, 2014
Tauchen im Alter - Ohren
 Hörverlust physiologisch, altersabhängig –
Degeneration, Exposition, Gefäß - und
Systemerkrankungen, toxisch- medikamentöse
Nebenwirkungen
 Hörgeräte unter Wasser nicht möglich
Nonverbale, nichtakustische Kommunikation  Kein
Kommunikationsdefizit bei Taucherfahrenen
Cave Sprachverstehen bei Hintergrundgeräuschen
(Tauchschiffe!)
C. Wagner, 2014
6
Tauchen im Alter – Schwindel,
Gleichgewicht
Gleichgewicht:
Zusammenspiel von Augen,
Vestibularapparat, periphere Reize,
zentrale Verarbeitung, neuromuskuläre
Reaktion.
30% Schwindel
 Abklärung
C. Wagner, 2014
Tauchen im Alter –
Chronische Schmerzen
25 – 50% chronische/rezidivierende
Schmerzen
Lumboischialgie
Medikamente?
Schwerelosigkeit im Wasser bei
degenerativen Gelenkserkrankungen
und LWS-Beschwerden entlastend
C. Wagner, 2014
7
Tauchen im Alter - Empfehlungen
Keine Kontraindikationen, gute körperliche
und geistige Fitness: kein Alterslimit
Keine TG mit großer körperlicher Belastung
Limitierte Tauchtiefe und Tauchzeit
Auftauchgeschwindigkeit < 10m/Minute
Ausreichende Hydrierung
Medikamente?
C. Wagner, 2014
Kindertauchen
There is a nation out there
of small people
And
They are NOT like us
Child psychiatrist, University of Michigan
C. Wagner, 2014
8
Yves LePrieur: Tauchen ist kinderleicht.
Tochter Micheline, fünf Jahre alt, 1936.
C. Wagner, 2014
Kindertauchen
Zwischenfälle überwiegend durch Panik
60% mit dem Vater
Spums
Barotraumen ab 1,7m Tiefe
C. Wagner, 2011
9
Kindertauchen
Adipositas, Diabetes, Asthma, etc. nehmen
weltweit zu, auch bei Kindern
Körperlicher Zustand/Kondition
schlechter als vor 15 Jahren
Gruppendruck – „cool“
Industrieller Druck – Werbung, etc.
Elterndruck – ich tauche, also auch mein
Kind
C. Wagner, 2014
Kinder – HNO und Tauchen
Tuba Eustachii horizontaler
Häufiger geschwollene Adenoide
Erst ab 14a „erwachsene“ Tubenfunktion –
Tubenmuskulatur insuffizient
NNH nicht vollständig angelegt
Hypertrophe Tonsillen
BAROTRAUMEN
C. Wagner, 2014
10
Kinderlunge und Tauchen














Entwicklung der Alveolen bis zum 8. Lj.-Gasaustauschfläche
Ausreifung der Lungenfeinstruktur ca. 18. Lj.
Verminderte Compliance
Tracheo-/Bronchialsystem kleiner, reagibler (Wärmeverlust)
Erhöhte Resistance
Turbulente Strömung der Atemluft
Erhöhte Atemgasdichte
VC, ERV vermindert
Häufige Infekte
Airtrapping bei ungenügender ausgeprägter Atemmuskulatur
WOB erhöht
Hohe Atemfrequenz, flache Atmung - Essoufflementneigung
Atemzentrum für pCO2 erst ab ca. 13. Lj. vollständig
Tendenz zu Atemanhalten und Hyperventilation
 Abfall von FEV1, FVC, MEF50, MEF25 nach Tauchgang
Winkler et al., university Würzburg
C. Wagner, 2014
Kinderherz und Tauchen
Herz kleiner, geringere Kontraktilität,
geringeres HZV, erhöhter O2-Verbrauch –
hohe Frequenz - Limit
Intrakardiale Turbulenzen – mehr Bläschen
PFO häufiger – 40-50% bei 8a
30% bei >20a
Öfters pulmonale Shunts
 Bei limitierter Tiefe geringes DCI - Risiko
C. Wagner, 2014
11
Kinderskelett und Tauchen
Pubertärer Wachstumsschub 10. – 16. Lj.
Mikrotraumen an der Wachstumsfuge durch
Tragen schwerer Ausrüstung
Cave Schäden in der Wachstumsphase 
langfristige Funktionseinschränkungen
- WS, Hüft- und Fußgelenke
Mikrobläschen in der gut durchbluteten
Metaphyse rasch ausgewaschen (Theorie)
Keine genauen Untersuchungen
C. Wagner, 2014
Kinderpsyche und Tauchen
 Kürzere Aufmerksamkeitsspanne als Erwachsene
 Verhalten unter Stress bzw. in Gefahrensituationen
nicht vorhersagbar
 In Notfällen reflexhaftes Verhalten, Panik
 Risikoreicheres Verhalten – selten Angst
 Ungenügendes Erkennen von Gefahren
 Fehlende Einsicht in Anweisungen
 Unterschiede in körperlicher und geistiger
Entwicklung nicht dem chronologischen Alter
entsprechend – bis 3 Jahre
C. Wagner, 2014
12
Kinderpsyche und Tauchen
Ein tauchendes Kind muß
sich über längere Zeit konzentrieren
können
die Tauchtheorie im Wesentlichen
begreifen können
Anweisungen zuverlässig befolgen
können
C. Wagner, 2014
Wärmeregulation
Unausgereift
Schlechte Relation KörperoberflächeGewicht
Wärmeverlust über den Kopf
C. Wagner, 2014
13
Kindertauchen-absolute Ki.
 Akute Bronchitis, Asthma bronchiale
 Lungenerkrankungen wie bei Erwachsenen
 HNO wie Erwachsene
 Herzrhythmusstörungen – WPW, AVB III, Long-QT-Sy,
Brugada-Syndrom, paroxysmale Tachykardien,
symptomatische Bradykardien, SM, ICD
 Kardiomyopathien, rechtsventrikuläre Dysplasie
 Hämodynamisch wirksame Septumdefekte
 Vorhofseptumdefekte
 Gefäßverengungen, Klappenstenosen/-insuffizienzen
 Pulmonale Hypertension
C. Wagner, 2014
Kindertauchen – Ki.
Kopfverletzungen
Zerebrale Krampfanfälle
Schwere Adipositas
Insulinpflichtiger Diabetes mellitus
Muskeldystrophien
Allergien gegen Gummi, Kunststoffe,
saisonale
Schwere psychische Erkrankungen,
Lernstörungen, Intelligenzverminderung
ADHS
C. Wagner, 2014
14
Kindertauchen - Empfehlungen
Ausbildung 8 – 14a: 3m
Zertifiziert 8 – 12a: 5m
Zertifiziert 12 – 14a: 10m
Entsprechende Tauchgangsplanung
Maximal 25 – 40 Minuten Tauchzeit
Maximale Tiefe 3 – 10m je nach Alter
Deko-Tauchgänge ab 18.Lj.
DAN 2008
C. Wagner, 2014
Kindertauchen - Empfehlungen
 Gründliche tauchmedizinische Untersuchung
 Gute Schwimmfähigkeit
 Kindergerechte (Einzel-) Ausbildung – Kinder sollen
immer Spaß haben
 Psychologische Schulung – Fische greifen nicht an,
etc.
 Fürsorgliche Hilfestellung
 Angepasste Ausrüstung: kleines PTG, Jacket,
weiche Flossen (Muskelfehlbelastung!), Schnorchel
 Ausrüstung nicht tragen lassen (Gelenke, WS) oder
angepasst
 Tauchtauglichkeit alle 6 Monate
DAN 2008
C. Wagner, 2014
15
Kindertauchen - Empfehlungen
 120 minimale Wassertemperatur
 Bis zum 16. Lj. in Begleitung 2er ausgebildeter,
erfahrener Erwachsener
 Visuelle Anpassung: nicht ins Blaue
 Dekotabellen/Computer nicht kindgerecht
- unterschiedliche Desaturationen
 Keine Hyperventilation unter 10a, Limit bis 14a
 Apnoe bis max. 30 Sekunden
 Hypothermie vermeiden
 Hyperthermie (Tropen) nach TG vermeiden
 Zum Trinken animieren
DAN 2008
C. Wagner, 2014
KinderTauchtauglichkeitsuntersuchung
Jährlich nach ÖGTH, GTÜM
 Halbjährlich nach DAN
Umfang wie bei Erwachsenen
Einbeziehung bzw. Aufklärung der
Erziehungsberechtigten
Dokumentation der Aufklärung
Erfahrener Taucherarzt
C. Wagner, 2014
16
Kindertauchen
Es gibt keine kontrollierten Studien oder
Langzeitbeobachtungen
Es gibt nur Empfehlungen aus praktischer Erfahrung.
Letaldosis? Effektivdosis? Therapeutische Breite?
Dzt. keine verbindlichen oder einheitlichen
Kinder sind KEINE kleinen Erwachsene
Richtlinien der HBO-Gesellschaften
Daten sammeln
Schulung für Tauchlehrer, Tauchpartner, Eltern
(Zusatzbrevet?)
Kalkulierbares Risiko – sehr konservative Grenzen
C. Wagner, 2014
Kindertauchen – Literatur
UHM 2004; 31-329
SPUMS J 2003; 33:75-6
SPUMS J 2003; 33: 206-11
SPUMS J 2003; 33:81-3
SPUMS J 2003; 33:70-3
SPUMS J 2005; 35:5-10
Int J Sports Med 2002; 23:273-8
Int J Sports Med 2006; 27:870-4
Dtsch Z Sportmed 2002; 53:170-6
C. Wagner, 2014
17
Behindertentauchen
Sehbehinderte Taucher
Gehörlose Taucher
Chronisch erkrankte Taucher
Taucher in Rehabilitation
Therapeutisches Tauchen –
geistige Behinderung
Körperbehinderte Taucher
C. Wagner, 2014
Behindertentauchen
 Eingeschränkte Gefäßregulation
 Schlechte RR-Anpassung  Synkopen
 Unterschiedliche HF - Anpassung
 Weniger Vorlast  Synkopen
 Überhitzung
 Hypotonie
 BVT
 Autonome Dysreflexie
C. Wagner, 2014
18
Behindertentauchen











Kraft
Sensibilität
Rumpfstabilität
Spastizität
ZNS
Periphere Nerven
VC=1l  senkrecht/Immersion  VC=0,2l
Wunden: schwerste Komplikationen wegen
trophischer Störungen  Fußschutz, Matte
über den Rand des Einstiegs, cave Kacheln
Pumpen? Meist intrathekal,
„2x gebogen = gebrochen“
ADLs bereits meist anaerob – NTA anziehen?
Wassertemperatur - 250
Tauchtauglichkeit Behinderter
Immer Einzelentscheidung
Prinzipiell sind die gültigen Richtlinien für
Gesunde anzuwenden
Untersuchung komplexer als bei Gesunden
Körperlicher Status mit Grad der
Einschränkungen
Risiken
Anpassungen der Ausrüstung
Tauchpartnersystem
C. Wagner, 2014
19
Tauchtauglichkeit Behinderter
Grundkrankheit
Partnerrettung?
Notfallsituationen?
Eigenrettung?
Handicap-Stufeneinteilung
Neubewertung Arzt –
Behindertentauchlehrer
Tauchtauglichkeitsattest
C. Wagner, 2014
Handicap-Stufeneinteilung
H-Taucher: Rollstuhl, funktionell wirksame
Amputationen.
L-Taucher: „limited“, Gehörlose,
Amputationen ohne wesentliche
Beeinträchtigung
- H1: Kondition, Eigenhilfe, Partnerrettung
- H2: Kondition reduziert, braucht Führung,
Eigenhilfe, keine Partnerrettung
- H3: keine konditionelle Reserven, keine
Eigenhilfe
C. Wagner, 2014
20
Untersuchung behinderter
Taucher
Ausführliche spezifische Anamnese
- Erworben/angeboren
- Stadienhafter Verlauf
- Medikation
- Vorbefunde
- Kommunikationsfähigkeit, Intellekt
- Psyche
- Mögliche Komplikationen
- Allgemeine Anamnese
- Physikalische/apparative Untersuchung
C. Wagner, 2014
Tauchtauglichkeit - Behinderte
Motorik: Stabilität, Beweglichkeit, Ausdauer,
Muskelkraft, Koordination, Feinmotorik,
Bewegungspräzision
Kommunikation: optische, gestile, taktile
Signale möglich?
Sensorik: Gleichgewichts-, Lagesinn, Hören,
Sehen, Tasten
Psyche: Reaktion auf Außenreize, Stress?
Intellekt: Lerninhalte?
C. Wagner, 2014
21
Tauchtauglichkeitsattest Behinderte
Klare Formulierung der Einschränkung
Exakte Klassifizierung nach Ausbildung
von Tauchlehrer
Offener Dialog Arzt – Tauchlehrer
 Öffnung der Schweigepflicht
cave Notfall
Nachuntersuchungsintervall individuell
C. Wagner, 2014
Rückenmarks-/Wirbelsäuleverletzungen
 Lähmungshöhe? Komplett/Inkomplett?
Einschränkungen?
 Rumpfstabilität?
 Inkontinenz? Vorderwurzelstimulator?
 Respiratorische Insuffizienz? VC↓ bei C4, Immersion!
 Kompensationsfähigkeit der motorischen Defizite
durch taucherisches Training
 Erhebliches Verletzungsrisiko
 Verminderte Wärmeregulationsfähigkeit
 Hitzestau – Kollaps – Dehydratation, Wärmeverlust
C. Wagner, 2014
22
Rückenmarks-/Wirbelsäulenverletzungen
 Erhöhtes Ertrinkungsrisiko
 Respiratorische Insuffizienz – CO2-Retention
 Verletzungsrisiko
 Spastik unter Wasser
 Exazerbation von HW-Infekten
 Kabelbruch von Blasenschrittmachern
 Unterkühlung – Überhitzung
Ki.: Offene Wunden, Mundschwäche, Druckausgleich
nicht selbständig möglich, Blaseninsuffizienz, akuter
Harnwegsinfekt, Epilepsie
C. Wagner, 2014
Muskelerkrankungen
 Stadienhaft? Progredienz?
 Welche Form und Grad der Muskelschwäche
 Muskelgruppen?
 Einschränkung der peroralen Muskulatur?
 Herz – Lunge?
 Medikation?
 Psyche/Kognition?
Ki.: Akuter Schub/hohe Krankheitsaktivität,
Medikation, kardiopulmonale Beteiligung,
Dysphagie, periorale Muskelschwäche
C. Wagner, 2014
23
Sehbehinderung - Blindheit
 Stufe 3
 Restsehfähigkeit?
 Ablesen von Instrumenten?
 Gesichtsfeldeinschränkung?
 Koordination?
 Koordinationstests
 Augenärztliche Abklärung
 Cave: Orientierungslosigkeit unter Wasser

insbes. bei Notsituationen
 Tarierprobleme
 Oft falsch hoher Ruhepuls
C. Wagner, 2014
Gehörlosigkeit
Prinzipiell tauchtauglich
Keine Geräusche von Schiffen,
Signalwarnungen
 Signalboje
 Normal hörender Tauchpartner
C. Wagner, 2014
24
Amputationen
Fehlende Gliedmaße  Ungleichgewicht unter
Wasser  cave Rotation/Tarierungsprobleme/Stress
 entsprechende Bebleiung
Narben?
Prothese? Ohne tauchen oder unter Wasser
anlegen  keine Blasenbildung
Phantomschmerzen?
Prothesenbarotrauma
Lokale DCS wegen Vernarbung
Unterkühlung bei ev. fehlendem Kälteschutz
Ki.: Ulzera/offene Druckstellen, zentral dämpfende
Analgetika, Carbamazepin
C. Wagner, 2014
Behindertentauchen-Rehab.
 Körperwahrnehmung
Bewegungsfreiheit, Barrierefreiheit, Mukulatur, Kondition, Spastik
vermindert, Koordination, Motorik, neues Bewegungsgefühl
 Atmung
Atemmuskulatur gestärkt, bessere Beüftung – Atelektasen
geöffnet
 Psyche
neue Lebensperspektive, positive Erfahrung, Freihheitsgefühl,
Selbstwertgefühl
 Soziale Integration
zwingend in Gruppen,
neue Kontakte, Reintegration, Gruppenmitglied
 Antiödematös
 Medikamentenreduktion
C. Wagner, 2014
25
Leitlinie Tauchunfall
Dr. Christian Wagner
Österreichische Gesellschaft für
Tauch- und Hyperbarmedizin
Leitlinie Tauchunfall
Von ÖGTH und GTÜM ausgearbeitet.
www.oegth.at
www.gtuem.org
C. Wagner, 2011
26
Definition
Synonym: Dekompressionsunfall, CaissonKrankheit, Deko-Unfall
Decompression Illness, DCI
Hervorgerufen durch raschen Abfall des
Umgebungsdruckes Bildung freier
Gasblasen in Blut und Geweben.
 Dekompressionskrankheit – DCS
 Arterielle Gasembolie - AGE
C. Wagner, 2011
Systematik des Tauchunfalls
Dekompressionsunfall/decompression illness
– DCI  Decompression sickness – DCS
 über Inertgasübersättigung Typ I, Typ II
 über Shuntmechanismen AGE
Lungenbarotrauma  AGE, Pneumothorax,
Mediastinalemphysem
C. Wagner, 2011
27
Pathogenese DCS
 Grössere Tauchtiefe – hohe Umgebungsdrücke
 Lange Expositionszeit
 Aufsättigung der Gewebe mit Inertgas, i.d.R. N2
 Zu rasches Auftauchen nach längeren und/oder
tiefen Tauchgängen mit hoher Aufsättigung.
 Zeit bis zum Auftreten von Symptomen:
max. 24h/48h nach Tauchgangsende
C. Wagner, 2011
Pathogenese AGE
 Übertritt von Gasblasen in die arterielle Strombahn
-
beim Tauchen durch:
Pulmonales Barotrauma mit Überblähung der Lunge
Paradoxe Embolie bei DCS durch Übertritt von
venös entstandenen Gasblasen über die
pulmonalen Gefässe
Übertritt von venös entstandenen Gasblasen über
ein persistierendes Foramen ovale, insbes. bei
gleichzeitg bestehender pulm. Hypertension.
 Zeit bis zum Auftreten von Symptomen:
Minuten nach Tauchgangsende,
ev. bereits während des Auftauchens
C. Wagner, 2011
28
Symptome DCS
Haut, Skelett, Muskeln, Lymphe
 Auffällige Müdigkeit
 Hautsymptome:
- Pruritus – rumpfbetont, +OS bei Frauen
- Ameisenlaufen
- Punktförmige Rötungen
- Schwellungen
- Mamorierung der Haut
 Muskel- und Gelenkschmerzen („bends“):
- Grosse und mittelgrosse Gelenke, auch
belastungsabhängig
- Skelettmuskulatur, selten Hand- und Fussgelenke
 Geschwollene, druckdolente Lymphknoten
C. Wagner, 2011
Symptome DCS
Nervensystem
 Apathie, Bewusstlosigkeit
 Schwindel, Übelkeit, Erbrechen
 Sensibilitätsstörungen, Paresen, Paraplegie
 Blasen- und Mastdarmschwäche
 Gestörte Muskelkoordination
 Hör-, Seh-, Sprachstörungen
 Akute Dyspnoe („Chokes“) mit Brustschmerz,
Husten, Erstickungsgefühl
 Zusätzlich gegebenenfalls Muskel/Gelenksschmerzen schon während des
Auftauchens (Verteilung wie Typ I)
 Sonstige neurologische Symptome
C. Wagner, 2011
29
Symptome AGE
 Schwindel, Übelkeit, Erbrechen
 Verwirrtheit, Desorientiertheit
 Apathie, Bewusstlosigkeit
 Sprach- und Sehstörungen
 Nervenausfälle unterschiedlicher Prägung - leichte
Sensibilitätsstörungen bis kompletter Lähmung
 Bei Mitbeteiligung des Atemzentrums:
Blutdruckabfall, Atemstörungen, Herzstillstand
 Pupillenasymmetrie möglich – einseitig weite
Pupille
 Sonstige neurologische Symptome
C. Wagner, 2011
Differentialdiagnose
 Barotrauma des Innenohres
- Ruptur der Rundfenstermembran
 Hörverlust, Tinnitus, Vertigo
 Zerebraler Insult durch Embolie, Blutung
 Motorische, sensible oder
Hirnnervenausfälle,
 Vertebraler Diskusprolaps
 Querschnittssymptomatik
 MCI  z.B. Schulterschmerzen links
 Hypoglykämie  z.B. Bewusstlosigkeit
 Epilepsie  z.B. Krampfanfall
C. Wagner, 2011
30
Erste Hilfe durch Laien
Ersthelfer i.d.R. Tauchpartner
Erfolg abhängig von
- entsprechender Ausbildung d. Taucher
- dem TG angepasste Notfallausrüstung
- sicheren Kommunikationsmitteln –
Mobiltelefon, Telefonnummern
C. Wagner, 2011
Erste Hilfe durch Laien
 Bergen
 100% O2-Gabe schnellstmöglich (1. ½ Stunde
entscheidend), ohne Pause, auch bei leichten
Symptomen
- Bei Eigenatmung über Maske mit Demand-Ventil
oder Kreislaufsystem mit CO2-Absorber oder
Konstantdosierung 15-25 l/Minute, Reservoir und
Rückschlagventile
- Bei insuffizienter Eigenatmung Beatmung mit 100%
O2, Beutel mit Reservoir und 15-25l/M. oder
Demandventil/Kreissystem mit CO2-Absorber.
Atemwege freihalten
 Wärmeverlust verhindern
 500-1000ml/h orale Flüssigkeitsgabe, wenn möglich,
schluckweise nicht hyperton, Alkohol oder Koffein
C. Wagner, 2011
31
Erste Hilfe durch Laien
 Flachlagerung/stabile Seitenlage
 Orientierende neurologische Untersuchung
 Symptomfrei innerhalb 30 Minuten: Arzt
verständigen, 24 Stunden beobachten
 Noch Symptome nach 30 Minuten: wie
schwere Symptome behandeln
 Schnell und schonend über telefonische
Vorinformation zur Druckkammer
 Keine nasse Rekompression
C. Wagner, 2011
Erste Hilfe durch Laien
Taucherärztliche Telefonberatung:
- 0316-385 2803 Klin. Abt. für Thorax-
und Hyperbarchirurgie Graz
- 0049-431-54090 DAN-Österreich/D.,
0039-0396057858 DAN-International
C. Wagner, 2011
32
Erste Hilfe durch Laien
Transportorganisation:
 Rettungsleitstelle alarmieren
 Transportmittel: möglichst schnell und
schonend, keine Einschränkung für
Helikopter – möglichst <1000ft/300m
über Grund
 Transportziel: nächste Notfallaufnahme,
möglichst in Nähe einer BehandlungsDruckkammer
C. Wagner, 2011
Erste Hilfe durch Laien
 Gerätesicherstellung –
z.B. Tauchcomputer
 Dokumentation – Tauchgangsdaten,
Symptomverlauf und
Behandlungsmassnahmen
 Keine nasse Rekompression
C. Wagner, 2011
33
Erste Hilfe durch medizinisches Personal
Zusätzliche Massnahmen entsprechend
der üblichen Notfallmedizin:
Gegebenenfalls intubieren
100% O2 mit 15l/Minute ohne Pause bis
Erreichen der Druckkammer
Flüssigkeit: 0,5 – 1l/St. i.v., möglichst
Ringerlaktat (keine reine Glucose)
Medikamente: grundsätzlich nach
notfallmedizinischen Standards.
Dzt. kein tauchunfallspezifisches
Medikament bekannt.
C. Wagner, 2011
Erste Hilfe durch medizinisches Personal
Orientierende neurologische
Verlaufskontrollen – DAN-5 Minutencheck
Ggf. Harnkatheter
Ggf. Thoraxdrainage
Wärmeverlust:
aktive Wiedererwärmung nur mit
intensivstationärer Interventionsmöglichkeit
C. Wagner, 2011
34
„5 Minuten-Neurocheck“ (DAN Europe)
 1. Orientierung:
Örtlich, zeitlich, zur Person orientiert?
 2. Augen:




Anzahl der Finger? Jedes Auge einzeln, dann beide
zusammen überprüfen
3. Gesicht:
Aufforderung zum Pfeifen – symmetrische Gesichtshälften und
seitengleiche Muskelspannung?
4. Gehör:
Augen schliessen, in ca. 50cm Entfernung vom rechten/linken
Ohr Finger aneinander reiben – seitengleiche Wahrnehmung?
5. Schluckreflex:
Schluckaufforderung – gleichmässige Auf- und
Abwärtsbewegung des Adamsapfels?
6. Zunge:
Zunge herausstrecken – Abweichungen nach links oder
rechts?
C. Wagner, 2011
„5 Minuten-Neurocheck“
 7. Muskelkraft:
- Schultern gegen Widerstand hochziehen – Seitenunterschiede?
- Rechtwinkelig gebeugte Arme und Hände gegen Widerstand nach
oben, unten, zur Seite bewegen – Seitenunterschiede?
- Flach auf dem Rücken liegend Knie gegen Widerstand heben bzw.
Sprunggelenke auf und ab zu bewegen – Seitenunterschiede?
 8. Gefühlswahrnehmung:

-
Geschlossene Augen, abwechselnde Berührungen der linken und
rechten Thoraxhälfte sowie Innenseiten der Extremitäten –
seitengleiche Gefühlswahrnehmungen?
9. Gleichgewicht und Koordination:
Stehend mit parallelen Füssen, geschlossenen Augen, Arme nach
vorne gestreckt mit oben gerichteten Handflächen – Sturzneigung?
Geschlossene Augen, Arm nach vorne gestreckt, abwechselnd mit
Zeigefinger seine Nase berühren – Seitenunterschiede?
Flach auf dem Rücken liegend abwechselnd eine Ferse prätibial des
anderen Beines bewegen – Seitenunterschiedè?
C. Wagner, 2011
35
Erste Hilfe durch medizinisches Personal
 Monitoring und Dokumentation:
- Notarztprotokoll
- Tauchgangsdaten
(Laiendokumentation)
- Symptomverlauf
- Behandlungsmassnahmen
- Mitgegebene Geräte – z.B.
Tauchcomputer
C. Wagner, 2011
Transport zur Druckkammer
Unverzüglich
Erschütterungsarm
Ohne Druckreduktion – Hubschrauber
möglichst < 1000ft/300m über Grund,
Flugzeug mit grösstmöglichem
Kabinendruck nahe 1bar
Telefonischer Kontakt mit Druckkammer
Eingeleitete Massnahmen fortführen ohne
Pause
C. Wagner, 2011
36
Druckkammerbehandlung
Einzige kausale Therapie
Auch nach Tagen noch Erfolge
Ende der Druckkammerbehandlung
erst nach Stillstand der
Symptombesserung
C. Wagner, 2011
Druckkammerbehandlung
Erhöhter Druck  Verkleinerung der
N2-Blasen in den Geweben
+
Vermehrtes O2-Angebot N2 wird über
den erhöhten Gradienten schneller
ausgeschwemmt
C. Wagner, 2011
37
Erste Druckkammerbehandlung
Massnahmen vor Behandlungsbeginn:
Neurologischer Status (Dokumentation)
Thoraxröntgen in 2 Ebenen/CT
– Lungenseiten gleich belüftet?
Ggf. Pneumothoraxdrainage
Ggf. Harnkatheter
Ggf. Parazentese
Bei Intubation kontinuierliche
Cuffdruckkontrolle oder Cuff-Füllung mit
Aqua dest.
Sicherer venöser Zugang
C. Wagner, 2011
Behandlungstabellen
Standardtabelle: US-Navy Tabelle 6 oder
Modifizierungen dieser Tabelle mit initialer
O2-Atmung bei 280 kPa (2,8 bar/18m Wt) für
alle Tauchunfälle unabhängig vom
verwendeten Atemgas.
Bei Deko-Regelverstoss ohne Symptomatik
kürzere Tabellen, z.B. US-Navy Tabelle 5 (280
oder 240 kPa), möglich.
C. Wagner, 2011
38
US-Navy Tabelle 6
modifiziert nach SchiffMedInstM/GTÜM
C. Wagner, 2011
Behandlung in der Druckkammer
Tabelle 5
C. Wagner, 2011
39
Behandlung in der Druckkammer
Problemwundenschema
C. Wagner, 2011
Behandlung in der Druckkammer
pO2-Erhöhung  Erhöhung der
Zellmembranpermeabilität
3bar 20-60 Minuten = ZNS-Grenze
1,5bar 10-15 Stunden = pulm. Grenze
individuell stark verschieden
Unit Pulmonary Toxic Dose
1 UPTD = 1bar 100%O2 1 Minute
900 UPTD = Obergrenze
C. Wagner, 2011
40
Massnahmen während der Behandlung
Wiederholt neurologische
Kontrolluntersuchungen
Wiederholt Auskultation der Lungen,
immer vor Drucksenkung
Regelmässige Kontrolle
abgeschlossener Gasräume –
z.B. Tubus-Cuff, Infusionen,
Tropfkammer, RR-Manschette,
immer vor Drucksenkung
C. Wagner, 2011
Adjuvante Behandlungsmassnahmen
Grundsätzlich nach
notfallmediz./intensivmedizinischen
Massnahmen
Psychologische Unterstützung bei
wachen Patienten
Flüssigkeitsbilanzierung
Dokumentation der Massnahmen für
den Weiterbehandler
C. Wagner, 2011
41
Transport zum Behandlungszentrum
- Krankenhaus
 Ggf. Transport in ein entsprechendes Behandlungszentrum.
Flug 24h nach 1. Behandlung prinzipiell möglich.
 Frühestens nach 1 Druckkammerbehandlung, immer
Einzelfallentscheidung
 Persistenz von Symptomen  innerhalb 24h eine/mehrere







Folgebehandlungen anschliessen.
Grundsätzlich nach notfallmed./intensivmed. Standards
Eingeleitete Massnahmen fortführen
O2 abhängig von der Klinik
Hydrierung
Orientierende neurologische Verlaufskontrollen
Dokumentation
Medikamente nach notfallmed./intensivmed. Standards
C. Wagner, 2011
Druckkammer-Folgebehandlungen
 Ggf. 2. Behandlung mit Standard-
Behandlungstabelle oder sofort HBO-Behandlung,
z.B. „Problemwundenschema“ mit 90 Minuten O2Atmung bei 240 kPa (2,4bar/14m Wt). Max. 24h
Abstand zwischen den Behandlungen
 Beendigung d. Druckkammerbehandlung:
- Nach vollständiger und anhaltender
-
Symptomfreiheit
bei keiner weiteren Verbesserung der Symptome 3-5
Tage nach initialer Besserung
 Fortführung der für das neurol. Krankheitsbild
empfohlenen Rehabilitationsmassnahmen
C. Wagner, 2011
42
Druckkammer-Folgebehandlungen
 Diagnostik abh. von der Symptomatik:
 CT, MRI, Lungenfunktion, fachneurologisches Konsil
 Krankengymnastik/Physiotherapie zwischen den
Druckkammerbehandlungen entsprechend der
Symptomatik, Beginn spätestens 3d nach dem
Tauchunfall
 Medikamente entsprechend der Symptomatik nach
Maßgabe der beteiligten Fachgebiete
 Dokumentation
 Rehabilitation: bei persistierenden neurologischen
Ausfällen nach Ende der Druckkammerbehandlung
der Symptomatik entsprechende RehabMassnahmen unmittelbar anschließen.
C. Wagner, 2011
Tauchtauglichkeit nach Tauchunfall
Grundsätzlich gemäss den Empfehlungen im
„Tauchmanual“ von ÖGTH, GTÜM SGUH
Tauchunfalltherapie beendet
Behandlungsergebnisse stabil
Durchführung von erfahrenen Taucherärzten
entspr. der Mindestqualifikation „Diving
Medicine Physician EDTC“ mit praktischer
Erfahrung der Tauchunfallbehandlung
C. Wagner, 2011
43
Literatur
Checkliste Tauchtauglichkeit – ÖGTH,GTÜM
ISBN 978-3-87247-681-4
The Physiology and Medicine of Diving. Saunders.
P. Benett, D. Elliott. ISBN 0-7020-1589-X.
Diving Medicine. Saunders. A.A. Bove, J.C. Davis.
ISBN 0-7216-2934-2.
Handbuch Tauch- und Hyperbarmedizin. Ecomed.
Almeling-Böhm-Welslau. ISBN 3-609-72390-4.
Tauchmedizin. Bühlmann-Völlm-Nussberger.
ISBN 3-540-42979-4
Tauchmedizinische Fortbildung. Roggenbach.
ISBN 978-3-89594-971-5
C. Wagner,
Wagner, 2011
C.
2010
Literatur
Moderne Tauchmedizin (2007). C. Klingmann
Gentner Verlag
Diving and Subaquatic Medicine, 4th Edition
Edmobds, Lowry, Pennefather. ISBN 0-340-80630-3
Are Asthmatics Fit To Dive? David H. Elliott,
UHMS June 21, 1995
D. Goddon et al. Thorax 2003; 58:3-13
C. Wagner, 2011
44
Internet
 www.oegth.at
 www.gtuem.org
 www.suhms.org
 www.spums.org.au
 www.uhms.org
 www.daneurope.org oder .de
 www.vdd-hbo.de
 www. eubs.org
 www. echm.org
 www. edtc.org
 www.diversalertnetwork.org/index.asp
 http://archive.rubicon-foundation.org
C. Wagner, 2011
Internet - Infos
 Tauchtauglichkeit
 Untersuchungsbogen – Download
 Taucherarzt – Liste
 Kurse, Seminare, Kongresse
 Literatur
 Zeitschrift „Caisson“
 Links
 Tauchmedizin - Diplome
C. Wagner, 2011
45
Tauchassoziierte Unfälle
 Schiffsschrauben
 Unfälle an Bord
 „Vergessene“ Taucher
 Unfälle bei schwierigen Einstiegen
 Strömungen
 Tiere
C. Wagner, 2011
Verletzungen und Vergiftungen
durch marine Lebewesen
C. Wagner, 2011
46
Gifteffekte
Lokale
Hämostatische
Hämolytische
Neurologische
Muskuläre
Kardiologische
Renale
C. Wagner, 2011
Autopharmakologische Gifteffekte
Freisetzung bzw. Formierung körpereigener, oder durch im Gift
enthaltene Autakoide = best. biogene Amine (v.a. Histamin,
Serotonin), Lipidderivate, Peptide …
Symptome
- Hautreaktionen (Erythem, Urtikaria, angioneurot. Ödem)
- Übelkeit, Erbrechen
- Schwitzen
- Kolik, Diarrhoe
- Bronchospasmus (Asthma)
- Arterielle Hypotension
- Anaphylaktischer Schock
- hypovolämischer Schock ( Kapillarpermeabilität )
Allergische Reaktion - Anaphylaktischer Schock
Anaphylaktoide oder pseudoallergische Reaktionen ohne
Vorsensibilisierung
C. Wagner, 2011
47
Lokale Gifteffekte
Lokal am Gifteintrittsort, regional auftretende
histologische Veränderungen an Haut,
Gefäßen, Nerven, Muskulatur
Symptome
- Schmerz
- Zyanose, Rötung, Blasenbildung
- Schwellung, Kompartmentsyndrom
- Lymphangiopathie und –adenopathie
- Nekrose
- Konjunktivitis, Schädigung der Kornea
C. Wagner, 2011
Hämostatische Gifteffekte
- Schädigung des Gefäßendothels
- Induktion und Inhibition von Thrombozytenfunktionen
- Inhibition der Prothrombinase-Komplex-Bildung
- Aktivierung intrins. und extrins. Gerinnungsfaktoren u. Kofaktoren
- Prothrombinaktivatoren
- Fibrinogenkoagulierende Aktivität durch „thrombinartige“ Enzyme
- Inaktivierung plasmatischer Proteinase-Inhibitoren
- Aktivierung plasmatischer Proteinase-Inhibitoren: Protein-CAktivierung
-Fibrin(ogen)olyse
Symptome
- Blutungen aus Verletzungen, v. a. außerhalb der Giftapplikation
- Hauteinblutungen
- Gingivablutungen, Hämatemesis
- Hämorrhagischer Schock mit arterieller Hypotension
- Hämaturie
- Anämie
- Flankenschmerz – Akutes Abdomen
C. Wagner, 2011
48
Hämolytische Gifteffekte
direkte Gifteinwirkung auf die roten
Blutzelle (Hämolyse)
Symptome
- Anämie
- Ikterus
- Labor : Hb, Haptoglobin↓, LDH erhöht
C. Wagner, 2011
Neurologische Gifteffekte
Veränderung der Reizleitung im NS und in
Muskelmembranen unter Ausschluß von Herzinnervation und
Herzmuskel
Symptome
- Sensibilitätsstörungen
- Muskelfaszikulationen und – spasmen
- Periphere Lähmungen ( Ptosis, Schluck u.Sprachstörungen
Lähmung der Atemmuskulatur und der Extremitäten)
- Katecholamineffekte
C. Wagner, 2011
49
Muskuläre Gifteffekte
Generalisierte, zerstörende Wirkung auf die
Skelettmuskulatur
Symptome
- Muskelschmerzen, - spasmen, - schwäche
und – lähmungen
- Myoglobinurie
- Rhabdomyolyse
- Hyperkaliämie
- Akutes Nierenversagen
C. Wagner, 2011
Kardiale Gifteffekte
Direkte Gifteinwirkung am
Herzreizleitungssystem
u/o am Herzmuskel
Syptome
- Bradykardie, Tachykardie, Arrhythmie
- Arterielle Hypo-, Hypertension
- Herzinsuffizienz, Herzversagen
- EKG - Veränderungen
- erhöhte Enzyme
C. Wagner, 2011
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Renale Gifteffekte
Direkte Gifteinwirkung an Glomerula
und Tubuli noch unklar, eher
multifaktorielles Geschehen , Auslösen
von Glomerulonephritiden
Symptome
- Oligurie, Anurie, Polyurie
- Flankenschmerz, klopfschmerzhafte
Nierenlager
- Labor: Harnstoff, Krea, Kalium erhöht
C. Wagner, 2011
Erste - Hilfe - Maßnahmen bei Gifttierunfällen
 Verzögerung der Giftausbreitung:
Ruhigstellung der Extremität
Kompressions-Immobilisationsmethode (kontroversiell !)
 Entfernung von Nesselkapseln, Stachelresten
 Beruhigung des Patienten
 Linderung von Angst und Schmerzen
 Schnellstmöglicher Transport
 Identifizierung des Lebewesens (Antivenin)
C. Wagner, 2011
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Verursacher von Gifttierunfällen
Schwämme
Korallen
Nesseltiere
Borstenwürmer
Conusschnecken
Octopus
Stachelhäuter(Seesterne, Seeigel,Seegurken)
Seeschlangen
Fische
Verursacher von
Biss/Stichverletzungen
Muränen
Drückerfische
Barracuda
Haie
Rochen
Kleine tapfere Fische
C. Wagner, 2011
Schwämme
Einfache mehrzellige Tiere, welche zur Abwehr SekundärMetaboliten produzieren, diese können bei Hautkontakt
zu Dermatitis führen.
mikrosk. kleine Kalk oder Kieselsäurenadeln (Spiculae)
haben Stützfunktion und setzen Mikroverletzungen Injektion der Sekrete
Green sponge
Red moss sponge, Redbeard
Australian stinging sponge“Touch-me-not-sponge“
Fire-sponge
Karibik, Pazifik
nordöstl. USA Küste
Südaustralien, Karibik
Pazifik, Karibik
Therapie: symptomatisch
C. Wagner, 2011
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Nesseltiere:
Hydrozoa (Feuerkorallen, Federpolypen,Staatsquallen..)
Scyphozoa (echte Quallen)
Anthozoa (Stein-, Lederkorallen, Seeanemonen, Seefedern
u.a.)
Nesselkapseln (Nematozysten):
Ausgestattet mit mit Klebe –oder Wickelfäden, gifthaltig
(Verteidigung, Beuteerwerb) auf Tentakeln oder
Schwimmglocke.
Bei Berührung Aufspringen d. Deckels (Operculum) und
hinausschleudern von mit Widerhaken versehenen KranzMikroverletzung-Giftentleerung in Mikrowunde
je großflächiger desto mehr Gift !
Sessile Nesseltiere und meisten Quallenarten nur unangenehme
lokale Effekte
Selten schwere Lokaleffekte mit Haut und
Weichteilveränderungen,
Anaphyl.Reaktion,systemische Vergiftungen
C. Wagner, 2011
Diverse Hydrozoen und Anthozoen
 Lokalen Effekten
 Sekundärinfektionen mit langwierigen Heilungsprozessen
 allergische und anaphylaktische Reaktionen
Hydrozoa
Millepora (Feuerkoralle,Fire corals,Stinging corals)
Riffgebiete tropischer Meere, Flachwasser bis 30 m,
keine echten Korallen, bilden aber auch festsitzende
Polypenkolonien mit Verästelten,scharfkantiges
Kalkskelett(wenige cm bis 2m)
Symptome
Brennender Schmerz
Pruritus mit konsekutiven urtikariellen Erscheinungen
C. Wagner, 2011
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Anthozoa
Actinaria
(Seeanemonen, Aktinien, Blumentiere, Anemones)
Weltweit in Küstengebieten tropischer bis kalter Meere
Sessil, blumenartig oft prächtig gefärbt, keinKalkskelett,
bis 0,5m
Durchmesser, einziges Individuum
Symptome
Lokales Erythem, Prästhesien, Ödeme, Ulcerationen
Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerz
Abdominalschmerz, Übelkeit, Erbrechen
„sponge fishermans desease“ durch Seeanemonen
C. Wagner, 2011
Lokale Zeichen im Bereich des Nesselkontaktes
Akut, innerhalb von Minuten auftretende schmerzhafte lineare
oder fleckförmige, urtikarielle oder papulovesiculäre
Hautläsionen, Erythem, Nekrosen, Ulcerationen
LZ + Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Diarrhoe, Urticaria,
angioneurot. Ödem, Bronchospasmus, art.Hypotension
Unerträgliche lokale Schmerzen, Hautläsionen mit
Strickleitermuster (Würfel-Qualle=box jellyfish=Seewespe)
Peitschenschlagmuster (Portugiesische Galeere, Seeblase)
Kleine runde Flecken (Daumenqualle)
C. Wagner, 2011
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Systemisch Auswirkungen
Kardiale Funktionsstörungen (Arrhytm,art.Hypotension),
respirator.Insuffizienz
Cardiopulmonales Versagen innerhalb von Minuten
(Würfelqualle,Portugiesische Galeere)
Bis zu Stunden verzögertes Auftreten d.“IrukandjiSyndrom“ bei Daumenqualle :
Generalisierte Freisetzung von Katecholaminen,
Krampfartige Abdominalschmerzen,Erbrechen,
Angstzustände,kardiale Arrhytmien
Arterielle Hypertonie, Lungenödem, Herzversagen
C. Wagner, 2011
C. Wagner, 2011
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Therapie von Nesselverletzungen
 Helfer müssen Kontakt mit Nesseltier u./o.Teilen davon z.B. adhärente Tentakel - meiden
 Essig (4-6%Essigsr.) zu Inaktivierung der Nermatozysten
(manchmal auch Entladung)
 Kühlelemente, Lokalanästhetika
 Kompressions - Immobilisationstechnik mit ev. in Essig
getränkten Kompressen
Cave Nachteil sind art. Occlusionsdrücke und Verstärkung
lokaler Effekte (Nekrosen) v. a. bei Quallenverletzungen
Verzögerung kardiol. respirat. und neurolog. Wirkung
C. Wagner, 2011
Borstenwürmer – Bristle worms
Marine, freischwimmende Gliederwürmer, 5 -10cm - 3m
Segmentierter Körper, pro Segment seitl. je ein Paar kurze
Stummelfüßchen mit Borstenbüschel, z.T. mit WiderHaken versehen - lokale Reaktion,
Beißwerkzeuge mit Giftdrüsen - wie Bienenstich
Verletzungen nur beim Anfassen!!
Sea mouse
Blood worm
Feuerwurm
Indopazifik, Karibik, tropische und
subtropische Atlantikküste
Atlantikküste von USA/Kanada und
Norwegen
Karibik, Florida
Therapie: symptomatisch
C. Wagner, 2011
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Kegelschnecken,Cone shells
in tropischen Gewässern, 1Vertreter im Mittelmeer,
Flachwasser, untiefe Küstenzonen, Riffe
nachträuberisch lebende marine Schnecken
Schöne Färbung - Sammelobjekt!
Ausstülpendes Schlundrohr mit Giftpfeil aus Chitin mit
Widerhaken
Für Menschen vor allem Gift der fischfressenden Arten gefährlich
Symptome
Lokale Effekte: scharfer lokaler Schmerz bei Stich, Schwellung
Neurologische Effekte: Paralyse der kranialen Nerven und der
Skelettmuskulatur incl. Atemmuskulatur innerhalb kurzer Zeit –
respiratorische Insuffizienz und resp. Versagen als Folge (selten!!
1963 wurden 37 Fälle seit Anfang 18.Jhd! im pazifischen Raum
untersucht -10 tödlich)
Erste Hilfe
Kompressions-Immobilisations-Methode, Intubation, Beatmung
C. Wagner, 2011
Kraken
Blaugeringelter Octopus/ Blue-ringed octopus/ Banded octopus
2 Arten 12cm, 20 cm
Körper schmutziggrau bis gelblichbraun, leuchtend blaue Ringe
Teilweise aufgebrochen
Leben solitär ,oft in Felsen und Spalten im Flachwasser
Küstengewässer Australiens
Verletzung nur bei Berührung
Bisse kaum spürbar, blutende Bissmarken deutlich,
lokale Rötung, eventuell Schwellung
Vergiftungssymptomatik innerhalb von Minuten beginnend,
rasch progredient
Übelkeit, Erbrechen, Parästhesien im Gesichtsbereich,
rasch progrediente Paralyse mit früher Erfassung der
Atemmuskulatur (bes.Phrenicus) – Ateminsuffizienz respiratorisches Versagen
Kompressions-Immobilisationsmethode
Endotracheale Intubation, Beatmung
C. Wagner, 2011
57
Dornenkrone-Seestern – venomous starfish
Korallenriffe des Indopazifiks und Roten Meeres
Durchmesser 25-40cm,8-21 Arme, mit 4-5cm langen,
spitzigen Kalkstacheln
Lokale Reaktion, ev. Granulome
Aktiv giftige Seeigel
Diademseeigel
Lederseeigel
Vor allem lokale Reaktion, Schmerz
C. Wagner, 2011
Seeschlangen
ganz dem Leben im Wasser angepasst,
seitl. abgeplatteter Schwanz-effiziente Fortbewegung im
Wasser, bringen Junge lebend zur Welt DD zu aalartigen
Fischen - keine Kiemen und Flossen
Flache Küstenzonen (Atmung!) trop. und subtrop. Pazifik
Bisse sehr selten - eher Fischerei, waten im seichten
Wasser
Lokal kaum Symptome (Rötung, Schwellung)
Neurologische und muskuläre Symptomatik
C. Wagner, 2011
58
C. Wagner, 2011
Aktiv giftige Fische
Stechrochen
Steinfische
Skorpionsfische
Feuerfische
Weberfische
Petermännchen
Welse
C. Wagner, 2011
59
„Der schmerzhafte Stich“
-Starke Schmerzen, oberfl. oder tiefe StichverletzungenEintauchen der betroffenen Extremität in tolerierbar heißes
Wasser (ca 45°),15-30 min
Gift ist schmerzhaft und gewebszerstörend, hitzelabil
Cave: zusätzliche Gewebsschädigung
Infiltration mit LA ohne vasok. Zusatz, säubern
(Sekundärinfektion)
alle Giftfische
-Mechan. Verletzung innerer Organe, Penetration des
Stachels in Pleura, Pericard
Nervenblockade, chirurgische Versorgung
Stechrochen
-Neurologische Gifteffekte - Lähmungen
-Herzrhythmusstörungen
C. Wagner, 2011
Bissverletzungen
Muränen – beißen nur als Reaktion
Drückerfische - Cave: Eiablage, sehr ungeduldig,
Verfolgung!!- Titandrücker
Haie
Barracuda
Rochen – im Flachwasser, cave zu nahe kommen
Kleine tapfere Fische
C. Wagner, 2011
60
Fragen zur Selbstevaluation
•
Welches Gasgesetz ist für die Tauchtauglichkeit maßgeblich?
•
Welches Körpergewebe sättigt am Schnellsten mit Stickstoff während des
Tauchganges auf?
•
Wann ist ein Taucher nach erlittenem Pneumothorax wieder tauchtauglich?
•
Unter welchen Voraussetzungen ist ein asthmatischer Taucher für das
Presslufttauchen tauglich?
•
Wie wirkt sich die Immersion auf Herz und Kreislauf aus?
•
Warum gilt eine Schwangerschaft als absolute Kontraindikation für das
Presslufttauchen?
•
Welcher Blutzuckerspiegel wird unmittelbar vor einem Tauchgang empfohlen?
•
Welche Empfehlungen soll man einem Taucher in fortgeschrittenem Alter für
das Presslufttauchen geben?
•
Ab welchem Alter dürfen Kinder mit Pressluftgeräten tauchen?
•
Wie entsteht eine arterielle Gasembolie (AGE) während eines Tauchganges?
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